Mariaweiler - Die Wirren um ein Schimmel-Problem im Plattenbau Olefstraße

Whatsapp Freisteller

Die Wirren um ein Schimmel-Problem im Plattenbau Olefstraße

Von: Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
15931304.jpg
Ohne Mund- und Nasenschutz schwer auszuhalten: In der Abstellkammer von Monika Aydogmus bildet sich schwarzer Schimmel. Foto: Rose
15931303.jpg
Schimmel im Badezimmer: Über dem Duschraum perlt die Wandfarbe ab, der Raum hat auch kein Fenster zum Lüften. Foto: Rose

Mariaweiler. Der schwarze Schimmel in Abstellkammer, Bade- und Hundezimmer treibt Monika Aydogmus und ihren Mann nun aus der Wohnung. „Das Atmen fällt uns immer schwerer, und wir schlucken auch Tabletten gegen Kopfschmerzen und Übelkeit“, erzählt sie. Jetzt suchen die Eheleute eine neue Wohnung.

Nach fünf Monaten, in denen sie und andere Mieter des Plattenbaus an der Olefstraße 46 mit den Folgen eines Wasserschadens kämpfen.

Dirk Heidbüchel kennt Fälle wie diesen aus dem Effeff. Er ist Fachanwalt für Mietrecht einer Dürener Kanzlei. Ein Mandat hat er in dem vorliegenden Fall nicht, er kann die Situation daher als Außenstehender bewerten und erklären, wie Mieter in solchen Situationen handeln sollten. Ungewöhnlich für Heidbüchel in der Sache Olefstraße 46 ist die Eigentümer- und Verwaltungsstruktur – und genau die macht auch Monika Aydogmus und ihren Nachbarn zu schaffen. Sie fühlen sich ignoriert, erzählt die 53-Jährige, die seit zehn Jahren in der Wohnung lebt.

Eigentümerin der Mietwohnung von Monika Aydogmus ist die ICR GmbH mit Sitz in Berlin, die Verwaltung und Mieter-Anliegen innerhalb der Wohnung übernimmt die Adler Wohnen Service GmbH mit Regionalsitz in Oberhausen. ICR ist ein Tochterunternehmen der Westgrund AG, die wiederum Adler Real Estate gehört. Die Wohnungseigentümergemeinschaft WIM GmbH aus Kreuzau kümmert sich in Absprache mit Adler um die Hausverwaltung, vorrangig also um das Gemeinschaftseigentum wie Garten, Treppenhaus und Dach. „Bei diesen Strukturen und einer großen Gesellschaft im Hintergrund ist es in Einzelfällen schwieriger für Mieter“, sagt Dirk Heidbüchel. Daher reiche es auch nicht, wochenlang zum Telefonhörer zu greifen und Schäden zu melden. „Erst wenn die Mängel schriftlich dokumentiert werden, haben die Mieter eine Handhabe.“

Heißt: Mieter sollten einen Brief an die Wohnungseigentümerin richten, die Schäden anzeigen und eine Frist setzen, bis wann die Mängel beseitigt werden sollten. Als Druckmittel sollten Mieter klarstellen, dass sie die Miete nur unter Vorbehalt weiter zahlen. Fachanwalt Heidbüchel rät davon ab, die Kaltmiete direkt zu mindern, also weniger zu überweisen: „Die Höhe der Minderung soll immer am Ende das Gericht entscheiden.“ Eine Mietminderung habe zudem im Gegensatz zu Privatvermietern bei großen Immobilienfirmen „keinen großen Effekt“.

„Erfolglose Monate“

Monika Aydogmus hat nach „erfolglosen Monaten“ per Telefon am 9. Dezember ein Schreiben an Adler gerichtet mit einer Frist der Mängelbeseitigung bis Weihnachten – definitiv zu spät, findet Heidbüchel. Und eine Mietrückerstattung in Kenntnis der Mängel sei nicht möglich. Adler antwortete am 21. Dezember mit der Aufforderung, eine Eidesstattliche Versicherung zu unterzeichnen. Mit der sollten Familie Aydogmus und Nachbarn im Erdgeschoss bestätigen, dass Wasser aus dem zweiten Stock in die darunterliegenden Wohnungen läuft. Laut Adler und der WIM ist dort ein Wasserrohr gebrochen.

In dieser Tatsache liegt für die vom Schimmel befallenen Mieter die Krux: Sowohl Adler als auch die WIM GmbH teilen mit, dass der Mieter jener Wohnung die bestellten Handwerker zunächst nicht hereingelassen habe, dann im vergangenen Monat verzogen und unerreichbar sei. Doris Wolf, Geschäftsführerin der WIM, habe so etwas „noch nie erlebt“. Mit der Eidesstattlichen Versicherung der Geschädigten will Adler eine einstweilige Verfügung erwirken, um in die Wohnung des Verursachers zu gelangen. Monika Aydogmus will diese jedoch nicht unterschreiben, weil sie Angst vor strafrechtlichen Folgen hat, falls der Schaden nicht von der Wohnung über ihr verursacht wird.

Adler konnte trotz mehrfacher Anfrage nicht erklären, warum sich die Situation für die Mieter so lange hinzieht und warum trotz Mieter-Anrufe nie jemand vor Ort gewesen ist. Monika Aydogmus scheint dies auch langsam egal zu sein.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert