Düren - Die Stadt des Papiers? Der Schulden? Oder Kreisstadt?

Die Stadt des Papiers? Der Schulden? Oder Kreisstadt?

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Künftig erlaubt: Zusatzbezeichnungen auf Ortsschildern. Montage: DN

Düren. Von Logik lässt man sich ja immer gerne überzeugen. Kommunen in NRW dürfen ab sofort für ihre Ortsschilder Zusatzbezeichnungen wählen. Die „emotionale Verbundenheit” und die Identifikation der Bürger mit ihrer Gemeinde soll so gefördert werden.

Das eröffnet natürlich ungeahnte Möglichkeiten. So könnte sich zum Beispiel das finanziell klamme Düren nun endlich „Schuldenstadt” nennen, damit jeder Bürger gleich weiß, dass er nicht zu viel von seiner Kommune erwarten darf. Das geht natürlich nicht wirklich, und City-Manager Wilhelm Streb kann das auch sehr gut begründen: „Das ist ja kein Alleinstellungsmerkmal, das trifft ja fast alle Kommunen.”

Wo er Recht hat, hat er Recht. Für Streb kann eigentlich nur eine andere Bezeichnung in Frage kommen: Papierstadt Düren. „Die Papierherstellung hat die Stadt über Jahrhunderte geprägt und wir dokumentieren das heute auch noch mit dem Papiermuseum”, sagt er. Zumal: Streb bemüht sich schon seit längerer Zeit darum, auch mit einem Schild an der Autobahn auf die Bedeutung von Düren hinzuweisen.

Hier sollten das Hoesch-Museum und das Papiermuseum symbolhaft für die Stadt werben. Papierstadt? „das ist aber heute auch nicht mehr ganz so doll”, sagt Verena Schloemer von den Grünen. „Stadt der 50er Jahre würde viel besser passen. Oder Stadt der Führungsschwäche.

Gut, das ist vielleicht dann doch zu politisch. Bürgermeister Paul Larue hatte sich übrigens schon im Sommer für ein simples „Kreisstadt” ausgesprochen, weil das doch die Bedeutung Dürens als Mittelzentrum genau beschreiben würde. Dabei bleibt er auch. Mit einem durchaus nachvollziehbarem Argument: Natürlich könne man viele Facetten benennen, die Düren auszeichnen würden - von der Volleyballstadt bis zur Papierstadt oder auch der langen Tradition der Einrichtungen für Sehbehinderte.

Aber, so Larue: „Das ist jeweils immer nur ein Teilaspekt unserer Stadt.” In anderen Kommunen des Kreises hat man bisher weniger Ambitionen gezeigt, sich über Zusatzbezeichnungen auf Ortsschildern Gedanken zu machen. „Festspielstadt Nideggen”? Geht nicht mehr. „Stadt des Zankes” wäre ja zutreffend, aber wenig werbewirksam. „Bisher gibt es da noch keine Überlegungen”, so Bürgermeisterin Margit Göckemeyer. „Wir haben da keine Ambitionen und es wird von mir auch keine Vorschläge geben”, sagt Indens Bürgermeister Ulrich Schuster. Zum Zusatz „RWE-Kommune” kommt natürlich ein entschiedenes „Nein!” aus seinem Mund und der etwas leiser gesprochene Zusatz: „Dann ginge es uns besser.” Soll heißen: „Wir haben größere Probleme, als darüber nachzudenken, welche Zusatznamen man wählen könnte.”

Verständlich. Dabei macht das ja durchaus Spaß. Niederzier könnte sich zum Beispiel neben Merzenich als „schuldenfreie Kommune” deklarieren. Oder Heimbach einfach „Mini-Stadt”. Klingt doch irgendwie netter als zu erwartende Begriffe wie „Töpfergemeinde Langerwehe”. Die haben aber immerhin einen erkennbaren, historischen Bezug. Und genau den sieht Hermann Heuser, Bürgermeister von Niederzier, für seine Kommune nicht. Schmeicheln könnte der Zusatz „schuldenfrei” ja schon, aber, so Heuser, „das ist ja nur temporär zu sehen”.
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