Düren - „Die sichere Veranstaltung gibt es nicht”

„Die sichere Veranstaltung gibt es nicht”

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
sicherheitbu
Die Annakirmes ist Dürens größte Veranstaltung. Nicht erst seit der Loveparade von Duisburg achtet die Stadt mit enormen Sicherheitsvorkehrungen darauf, dass alles reibungslos verläuft. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Den Satz spricht Karl-Heinz Adels sehr bestimmt aus: „Man darf sich politischem Druck nicht beugen, wenn es um Sicherheit geht.” Adels ist als Leiter des Dürener Ordnungsamtes für die Sicherheit bei Veranstaltungen zuständig.

Von der Annakirmes über Weiberfastnacht bis zu Jazztagen oder Stadtfesten landet alles auf seinem Tisch. Und nicht erst seit der Loveparade in Duisburg 2010, als 21 Menschen bei der Großveranstaltung ums Leben gekommen sind, steht die Frage der Sicherheit der Teilnehmer im Vordergrund.

„Unser Ziel ist es, Veranstaltungen so sicher wie möglich zu machen”, sagt Adels. Die Runde, in der solche Abstimmungen stattfinden, ist dementsprechend groß: Ordnungsamt, Bauverwaltungsamt, Tiefbauamt, Vermessungsamt, Dürener Service-Betrieb, weil auch wie früher an Weiberfastnacht das hinterlassene Glas, also der Abfall, eine Gefahr darstellen kann, Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdienst und noch die Verkehrsbetriebe - alle, die von einer Großveranstaltung betroffen sind, müssen mit ins Boot geholt werden. „Entscheidungen versuchen wir dann stets einvernehmlich zu treffen”, so Adels.

In vielen Fällen ist das auch unproblematisch, weil man bei regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen auf Erfahrungswerte zurückgreifen kann. Beim Stadtfest zum Beispiel weiß Adels, dass sich die Besucherströme auf die ganze Innenstadt verteilen und genügend Fluchtwege vorhanden sind. Aber was, wenn zum Beispiel mit „Level 42” zu den Jazztagen ein Hochkaräter auf den Kaiserplatz kommt? „Wo es einen kostenlosen Eintritt gibt, kann ich Besucherzahlen nicht steuern. Zudem hängen die auch immer von dem Faktor Wetter ab. Und bei Veranstaltungen wie Kirmes oder Stadtfest auch, ob es Anfang oder Ende des Monats ist”, weiß Adels.

„Level 42” würde Adels allein aus sicherheitstechnischen Gründen sowieso viel lieber in einem Stadion mit 20.000 Sitzplätzen sehen. Das geht natürlich nicht. Also müssen Fragen geklärt werden. „Muss ich den Zugang zum Platz regeln, für den Fall, dass deutlich mehr Menschen kommen, als erwartet? Wie stelle ich sicher, dass auch bei einer Umzäunung des Platzes die Fluchtwege sofort geöffnet werden?” Fragen, die mit allen Beteiligten geklärt werden müssen. Je weniger Erfahrungswerte man hat, desto vorsichtiger ist man. Beispiel: Als die „Toten Hosen” 2010 ihr Kneipen-Konzert in Düren gegeben haben, hat das Ordnungsamt kurzerhand die Kölnstraße abgesperrt. Im Nachhinein war diese Maßnahme übertrieben. „Aber wir wusste einfach nicht, wie viele Menschen da kommen werden und wollten auf Nummer sicher gehen.”

Oder: Vor zwei Jahren wurde an einem Freitagnachmittag - gegen den Widerstand der Schausteller - der Weihnachtsmarkt nach einer Sturmwarnung geschlossen. Der Sturm zog an Düren vorbei, die Schausteller waren sauer.

Bei Dürens größter Veranstaltung, der Annakirmes, setzt man seit Jahren auf ein Sicherheitskonzept, das regelmäßig überprüft wird. Auch hier wird in großer Runde mit allen Beteiligten jede mögliche Gefahrenquelle untersucht. Dabei setzt man für die Besucher erkennbar in den letzten Jahren auf Präsenz: die Polizei hat ihre Fußstreifen erhöht, Fluchtwege sind beleuchtet, entsprechende Schilder in Augenhöhe, an starken Besuchertagen ist Security auf dem Platz, erläutert Achim Greif, der als Platzmeister für die Veranstaltung zuständig ist und in Sicherheitsfragen auch das letzte Wort hat. Natürlich hat auch Greif den Vorteil, auf die Erfahrungswerte der Vergangenheit zurückgreifen zu können.

„Erstaunlich ist zum Beispiel, dass der Dürener offenbar schon im Kinderwagen lernt, dass er den Rundlauf um die Kirmes rechts beginnen muss. Auswärtige Besucher reihen sich da immer ein”, so Greif. Der „geregelte Rundlauf” entschärft viele Situationen - und: „Egal wie voll der Platz ist, der Notarztwagen kommt immer durch.”

Vorbereitet ist Greif auf diverse Szenarien. So werden zum Beispiel die Schausteller verstärkt eingebunden. Bei ihnen wird eine CD hinterlegt, auf der vorgefertigte Warndurchsagen aufgespielt sind. Auch zunächst merkwürdige wie „Bitte unterstellen”. Greif: „Bei Unwetter kann es zum Beispiel sinnvoll sein, nicht darauf zu drängen, dass die Besucher den Platz verlassen, sondern Schutz in einem Fahrgeschäft suchen.” Bei einer Durchsage wie „Bitte Ruhe bewahren” kann man nur hoffen, dass sie erhört wird. „Eine Panik zu bremsen, das wird schwer sein”, sagt Achim Greif.

Da gilt letztlich, was Ordnungsamtsleiter Karl-Heinz Adels sagt: „Eine sichere Veranstaltung gibt es nicht, aber wir tun alles, dass sie so sicher wie möglich ist.” Und in dem Punkt ist Adels wenig kompromissbereit. Als 2008 das Konzert mit Herbert Grönemeyer auf dem Annakirmesplatz stattfinden sollte, war es das Ordnungsamt der Stadt Düren, das dem Plan einen Strich durch die Rechnung gemacht hat - aus Sicherheitsgründen. Politischer Druck hin oder her.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert