Die letzte Schicht: Tagebauleiter Hans-Joachim Bertrams blickt zurück

Von: Jörg Abels
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Ein letztes „Glück auf“: Nach zehn Jahren an der Spitze des Tagebaus Hambach geht Hans-Joachim Bertrams in den Ruhestand.

Niederzier. Die Regale in seinem Büro sind leer, die Bilder an den Wänden längst verstaut. Hans-Joachim Bertrams sitzt auf gepackten Koffern. Nach zehn Jahren als Leiter des Tagebaus Hambach fährt der 60-Jährige heute zu seiner letzten Schicht ein, wie die Bergleute sagen.

Ein letztes „Glück auf!“ Der gebürtige Westfale geht in den Ruhestand. „Ich freue mich drauf“, betont Bertrams, der Anfang Juli mit seiner Frau ein neues Haus im niedersächsischen Bad Iburg bezogen hat, den Kontakt zu seiner langjährigen rheinischen Heimat aber nicht ganz abbrechen will. „Ich bin fest entschlossen, hin und wieder runterzukommen“, versichert Bertrams, zum Beispiel zur Barbarafeier im Dezember. Dass die bis ins Jahr 1672 zurückreichende Familienchronik der Bertrams ihren Ursprung in Niederzier hat, dürfte ein weiterer Grund sein. „Einer meiner Vorfahren war während der französischen Besatzungszeit zwischen 1798 und 1802 sogar Bürgermeister oder besser gesagt ‚Maire‘“, erzählt Bertrams.

Der Blick zurück stimmt den Bergbauingenieur ein wenig wehmütig, vor allem wenn er das Bilderbuch aufschlägt, in dem sein langjähriger Weggefährte Ralf Hempel seine 33 Jahre bei RWE nachskizziert hat. Viermal führte ihn seine Laufbahn in den Tagebau Hambach, allerdings dauerte die erste Station nur einen Tag. Dann ging es für ihn zurück in den Tagebau Inden. Später wurde er Leiter der Stabsabteilung, 2004 Tagebauleiter. Dazwischen arbeitete er in der Kölner Zentrale, begleitete nach der Wiedervereinigung maßgeblich die Privatisierung der Tagebaue in den neuen Bundesländern und leitete die Bohr- und Wasserwirtschaft bei RWE.

Einmal den größten Tagebau im Rheinischen Revier zu leiten, hätte sich der 60-Jährige nie erträumt. „Der Betrieb ist einfach gigantisch“, betont Bertrams. Zu den rund 1500 RWE-Mitarbeitern kommen schließlich auch noch mehrere hundert von Fremdfirmen. Dass er sich freut, ab Donnerstag den Druck der Verantwortung nicht mehr zu spüren, ist daher nachvollziehbar.

Besonders am Herzen lag Bertrams in seiner Zeit als Tagebauchef das Thema Arbeitssicherheit. In seiner Verantwortung ist die Zahl der Ausfälle pro Million geleisteter Arbeitsstunden von 17 auf 1,3 zurückgegangen. „Das ist der beste Wert der ganzen Tagebau-Sparte“, freut sich Bertrams. Aber auch der Kampf gegen Feinstaub war ihm neben der Produktivität und Effizienz bei der Braunkohleförderung wichtig.

„Wir haben hier im Haus wichtige Grundlagenforschung betrieben und mit viel Engagement Maßnahmen entwickelt, die den Anteil des Tagebaus an der Feinstaubbelastung an der Messstation Niederzier von 25 auf elf Prozent gesenkt haben“, betont Bertrams. Beeindruckt hat ihn zudem die Qualität und die Präzision beim Bau und Austausch der Schaufelräder an den Großbaggern. Sie sei ein Beispiel für das große Know-How seiner Kollegen.

In den Jahren als Tagebauchef hat Bertrams gelernt, die Kritik an der Braunkohle zu ertragen. „Ich kann für mich gut rechtfertigen, was wir hier tun“, verweist der 60-Jährige darauf, dass die Braunkohle immer noch einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung und damit zur Wirtschaftskraft in Deutschland leiste. Frustriert habe ihn, „wenn ich gemerkt habe, dass in der Diskussion Sachargumente nicht mehr zählen, sondern nur noch Emotionen“. Im Laufe der Jahre sei er toleranter gegenüber Braunkohlegegnern geworden, räumt Bertrams ein. „Jeder hat natürlich das Recht zu demonstrieren.“ Wenn aber Vermummte Steine auf Züge werfen und Mitarbeiter beschimpfen würden, sei eine Grenze überschritten.

Nachfolger wird Thomas Körber

Auch wenn sich Hans-Joachim Bertrams im Ruhestand vor allem stärker seiner Jagdleidenschaft, dem Motorradfahrer und vielleicht auch wieder dem Windsurfen widmen möchte, die Zukunft der Braunkohle und der Energiepolitik will er weiter im Auge behalten und wo sein Rat gefragt ist, gerne antworten.

Sein Nachfolger als Leiter des Tagebaus wird der 41-jährige Bergbauingenieur Thomas Körber, der seine RWE-Laufbahn 1998 in Hambach begonnen hat.

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