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Die Krise erreicht die Region - doch nicht allen geht es schlecht

Von: Ingo Latotzki
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Düren. Eigentlich wollte Martina Effenberger Lehrerin werden. Deutsch und Musik. Doch dann gab das Leben einen anderen Takt vor, die Melodie klang anders. Statt vor einer Klasse zu stehen, leitet sie heute einen Familienbetrieb im Großen Tal: Die Efco GmbH.

Die Firma produziert Maschinen, mit deren Hilfe andere Maschinenteile, etwa Dichtungen und Ventile in Rohren, repariert werden können. Das hat mit Martina Effenbergers Fächerkombination so gar nichts zu tun, könnte man meinen. Höchstens das: Die Efco GmbH ist ein Betrieb, der auf sich aufmerksam macht, weil seine Entwicklung gegen den Trend verläuft: Efco klagt nicht, im Gegenteil, Aufträge und Umsatz steigen. Das dürfte Musik in Martina Effenbergers Ohren sein. „Wir haben schon vor Jahren verschiedene Prozesse im Unternehmen umgestellt”, sagt Martina Effenberger, 49.

Die Kommunikation sei seitdem besser, der Vertrieb, die Arbeitswege effektiver. Vor vier Jahren hat die Firma kennengelernt, wie man Krise buchstabiert. „Da hatten viele Angst um ihren Job”, sagt Frau Effenberger, die mit ihrem Unternehmen heute Weltmarktführer ist.

Das ist mehr als selten in Düren. Viel häufiger sind da schon Firmen, die die Zukunft skeptisch sehen. Immerhin 46 Betriebe haben in diesen tagen Kurzarbeit angemeldet, berichtet Sylvia Dietl, Pressesprecherin der Dürener Arbeitsagentur. 46 Unternehmen waren es auch im vergangenen Monat, die Zahl ist also nicht gestiegen, dafür aber die Anfragen. „Viele informieren sich”, sagt Sylvia Dietl und weist darauf hin, dass die Arbeitsagentur derzeit ein Konzept entwickelt, um Kurzarbeit und Qualifizierung zu verbinden.

Für die Efco GmbH ist das kein Thema. Als das Telefon schellt, bittet Martina Effenberger kurz um Entschuldigung und hebt ab. Von einem Moment auf den anderen wechselt sie Tonfall und Tonlage, jetzt spricht sie kroatisch. Die Familie hat ihre Wurzeln dort, der Großvater und der Vater, der 1978 den betrieb gründete. „Auch da war eine sehr schwere Zeit”, sagt seine Tochter.

Heute ist die Efco GmbH auf allen Kontinenten tätig, unter anderem für die chemische Industrie und für Energieunternehmen. „Wir bedienen eine Nische”, sagt Frau Effenberger. Wenn etwa eine Pipeline nicht dicht ist, kann Efco helfen. Liefert eine Maschine, mit der der Schaden behoben werden kann. „Wir haben mittlerweile konkrete Anfragen aus dem Sudan oder Nigeria, die Kunden googeln uns.” Oder sie kennen die Efco GmbH aus Fachmagazinen und von Messen.

Hans-Harald Sowka, Geschäftsführer der Vereinigten Industrie-Verbände (VIV) im Kreis Düren, kennt die Firma aus dem Großen Tal. Sie ist eine von den 135 Mitgliedsunternehmen seines Verbandes. Sowka weiß um die Umsatzsteigerungen bei Efco, er weiß aber auch, dass nicht alle dem VIV angeschlossenen Betriebe so erfolgreich sind. Im Gegenteil: „Ich gehe davon aus, dass die Umsätze im vierten Quartal des vergangenen Jahres relativ schwach ausgefallen sind, nachdem wir in den ersten drei Quartalen noch gut unterwegs waren.”

Eine Konjunkturumfrage aus dem Herbst hat ergeben, dass die Mehrheit der Firmen mit einer Verschlechterung der Lage rechnet. Sowka geht davon aus, dass die Kurzarbeit in der Region zunehmen wird. Womöglich müssten Tariferhöhungen verschoben werden. Mit den Gewerkschaften haben die VIV, so Sowka, in der Vergangenheit „positive Erfahrungen” gemacht; auch deshalb zeigt sich der Geschäftsführer optimistisch, dass „wir in der Region die Krise meistern werden”.

Auch Rolf Delhougne geht davon aus, dass Kurzarbeit zunimmt. Der Chef der Mittelstandsvereinigung, der für mehr als 700 Unternehmen im Kreis Düren spricht, geht davon aus, dass es ab Herbst wieder aufwärts geht. „Dann müssten die Konjunkturprogramme greifen”, sagt er.

Das klingt nicht eben schlecht und passt zu dieser Einschätzung: „25 Prozent beim Menschen ist Psychologie”, meint Efco-Geschäftsführerin Martina Effenberger, die einen Teil ihres Berufslebens in Wien verbracht hat. „Die europäische Musikhauptstadt”, sagt sie und lächelt. Musik. Sie wollte ja Lehrerin werden. Nun ist es anders gekommen. Wie das Leben so spielt.
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