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Die Gema greift den Kitas tief in die Taschen

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:

Düren. Müssen Kindertagesstätten demnächst Gema-Gebühren bezahlen? Wahrscheinlich schon.

Jedenfalls haben auch Kindergärten im Dürener Land in den vergangene Wochen bereits Post der Musikrechte-Gesellschaft Gema bekommen.

Wenn für Kinder Liedtexte oder Noten kopiert werden, oder die Jungen und Mädchen öffentlich auftreten, müssen die Kindertagesstätten demnächst zahlen. Für bis zu 500 Liedzettel werden dabei um die 56 Euro fällig.

„Wir haben nie Noten an die Kinder verteilt”, sagt Marlis Graf, Leiterin des Kindergartens St. Marien. „Das Liedgut, das wir mit unseren Kindern singen, ist oftmals alt hergebracht. Da müsste meine Mutter schon die Noten haben.” Bei Musikunterricht in Zusammenarbeit mit der Pfarrsingschule, so Graf weiter, müssten die Eltern die Notenbücher für ihre Kinder kaufen.

Auch bei Gisela Baumsteiger von der Kindertagesstätte St. Anna ist schon Post von der Gema ins Haus geflattert. „Seitdem kopieren wir keine Noten mehr und geben auch keine Liedtexte mehr aus.” Karola Jochmann vom Kindergarten St. Bonifatius ergänzt: „Bei uns ist es nie oft vorgekommen, dass wir Liedtexte oder Notenblätter verteilt haben. Denn die Kinder können ja sowieso noch nicht lesen. Wir haben höchstens mal an St. Martin die Texte der Martinslieder an die Eltern verteilt. Aber das geht vermutlich jetzt nicht mehr.”

Wie genau die katholischen Kindergärten sich in Zukunft verhalten müssen, wird derzeit noch geprüft. „Wir haben die Zahlungsaufforderungen von der Gema bekommen”, so Pfarrer Josef Wolff. „Aber wir sind zusammen mit dem Regionalkantor noch in der Prüfungsphase.” Die Pfarrgemeinden, so Wolff, zahlten sowieso eine Pauschale an die Musikrechte-Gesellschaft. „Jetzt gilt es zu prüfen, ob da vielleicht der Obolus für die Kindertagesstätten mit drin ist.”

In den drei gemeindlichen Kindergärten (Heistern, Langerwehe-Süd und Jüngersdorf) von Langerwehe wird nach Auskunft der Verwaltung nicht mit Notenblättern gearbeitet, deswegen würden also auch keine Gema-Gebühren fällig.

Manfred Savelsberg, Leiter des Jugendamtes der Stadt Düren, sieht das eher pragmatisch: „Wenn wir Gema-Gebühren bezahlen müssen, dann zahlen wir die. Die Gema sitzt ganz sicher am längeren Hebel.” Savelsberg hofft aber auf eine pauschale Finanzierung oder sogar einen gemeinsam Rahmenvertrag für alle Kindertagesstätten. Den haben nämlich die Schulen seit mehr als 20 Jahren und können deswegen urheberrechtlich geschützte Musikwerke vervielfältigen und wiedergeben, ohne dafür zu bezahlen.

Für die Kindergärten der Arbeiterwohlfahrt (AWO) verhandelt derzeit der Bundesverband des Wohltätigkeitsverbandes mit der Gesellschaft. „Deswegen”, so AWO-Kreisvorsitzender Johannes Veith, „kann ich im Augenblick zu der Problematik nichts sagen.”
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