Düren - Die Frerich-Sammlung: Ein Glücksfall und neue Konzepte

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Die Frerich-Sammlung: Ein Glücksfall und neue Konzepte

Von: Burkhard Giesen
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Dr. Renate Goldmann und Philipp Lines Lange vor dem Selbstbildnis von Conrad Felixmüller. Foto: B. Giesen

Düren. Zu Zahlen schweigen Museumsleiterin Dr. Renate Goldmann und Philipp Lines Lange, Wissenschaftlicher Assistent, beharrlich. 453 Selbstporträts von bedeutenden Künstlern hat der Kölner Arzt Günter Frerich dem Dürener Leopold-Hoesch-Museum geschenkt – den Wert der Sammlung kann man derzeit nur erahnen.

Dabei ist die Liste der renommierten Künstler beachtlich: Ernst Barlach, Max Beckmann, Marc Chagall, Salvador Dali, Otto Dix, Horst Janssen, Oskar Kokoschka, Max Liebermann, Emil Nolde, Man Ray, Andy Warhol – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. „Es sind schon ein paar sehr seltene Stücke dabei“, sagt Philipp Lange, aber den materiellen Wert, den könne man noch nicht angeben. Derzeit werden die Bilder von einem Gutachter bewertet.

Deutlich einfacher zu bewerten ist der ideelle Wert der Sammlung. Der ist nicht nur ein „Glücksfall“ für das Museum, wie es Renate Goldmann formuliert, sondern ermöglicht neue Konzepte für weitere Ausstellungen. Die Sammlung ergänzt ideal den Bestand des Museums im Bereich des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Wer nach Düren kommt, um Bilder von Beckmann und Dix zu bestaunen, kann jetzt auch die Selbstporträts bewundern. Lange: „Bei den Bildern der Frerich-Sammlung handelt sich eben nicht nur um ein Porträt – es ist der Künstler selber.“

Das ermöglicht neue Perspektiven: „Wir können Ausstellungen zu einzelnen Zeiten oder einzelnen Künstlern konzipieren, aber auch zu bestimmten Themen“, denkt Renate Goldmann laut nach, um spontan auf die neue Ästhetik und neue Farbigkeit der 1970er Jahre zu stoßen, die wieder „in“ sind.

Ein Drittel der Bilder werden noch bis zum 23. März im Museum ausgestellt. Schon jetzt gibt es erste Anfragen für Leihausstellungen und Renate Goldmann überlegt deshalb auch, eine Konzeption für eine kleine Auswahl der Werke zu erstellen, um diese Ausstellung dann „auf Tournee“ zu schicken, also in anderen Museen zu präsentieren.

Abseits dieser Ideen wird die wissenschaftliche Aufarbeitung der bereits von Frerich gut dokumentierten Sammlung erfolgen. „In Kooperation mit Hochschulen können wir Angebote für die wissenschaftliche Arbeit machen“, freut sich Goldmann. Davon wird insbesondere auch das Papiermuseum profitieren.

„Es gibt von der Lithographie über die Radierung und den Holzschnitt bis zur Zeichnung eine große Bandbreite in der Sammlung. Uns interessiert zum Beispiel die Frage, welche Papiere die Künstler verwendet haben“, erklärt Renate Goldmann. Eine Frage, die in einem Fall direkt beantwortet werden kann: Das Beckmann-Bildnis von 1911 ist auf Dürener Zanders-Papier entstanden.

Von Porträts zu „Selfies“

Wie aktuell diese Sammlung ist – oder sein kann – macht Philipp Lines Lange an einem ganz anderen Punkt deutlich: „Sich selber in der Zeitgeschichte zu dokumentieren, ist heute ein aktuelles Thema“, sagt er und verweist auf Jugendliche, die in sozialen Netzwerken so genannte „Selfies“, also mit dem Smartphone aufgenommene Selbstporträts, posten.

Hier könnte sich ein Kreis schließen: Schafft es das Museum, diesen Zeitgeist zu erschließen und eine neue öffentliche Wahrnehmung des Hauses zu erreichen, wie sich Renate Goldmann das wünscht, könnte man vielleicht auch noch weitere Sammler anziehen.

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