Düren - Die Entwicklung der Innenstadt als ein roter Faden

Die Entwicklung der Innenstadt als ein roter Faden

Von: Burkhard Giesen
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Geht Anfang nächster Woche na
Geht Anfang nächster Woche nach 24 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand: Beigeordneter Hans Wabbel. Foto: B. Giesen

Düren. Es gibt Szenen, deren Surrealität man gerne fotografisch festgehalten hätte. Vielleicht ist es aber auch so, dass das Foto nur die halbe Wahrheit zeigen würde. Damals, vor etwa 24 Jahren: Eine Kneipe im Dürener Grüngürtel.

Eine Kneipe wie ein langgezogener Schlauch. Sie ist voll. Brechend voll. Es ist 23 Uhr. Um sich Gehör zu verschaffen sitzt ein Mann auf dem Kicker. Direkt vor ihm eine Frau mit einem bedruckten T-Shirt. Auf dem steht „Faustkämpfer Grüngürtel eV”. „Die guckte gar nicht freundlich”, erinnert sich Hans Wabbel heute.

Der Technische Beigeordnete und Baudezernent war 1988 in Düren auf seiner ersten Bürgerversammlung und sollte erläutern, wie sich die Stadt denn die Sanierung des Grüngürtels vorstelle. Fäuste flogen übrigens nicht. Im Gegenteil. Mit dem Satz „Der Mann meint das ernst. Komm, wir gehen” signalisierte die Faustkämpferin Zustimmung und Wabbel wurde damals aus der empfunden bedrohlichen Situation entlassen. 24 Jahre später quittiert der 63-jährige Wabbel nach drei Wahlperioden Anfang November seinen Dienst.

„Baudezernenten werden in der Regel sehr ungern wiedergewählt. Was sie gemacht haben, lässt sich nun mal nicht vertuschen.” Wabbel ist wiedergewählt worden, gleich zwei Mal. Und hat dabei auch einen politischen „Regierungswechsel” überstanden. „Wende-Wabbel” wurde er da auch schon mal getauft von denen, die verkennen, dass Wahlbeamte nicht Parteien, sondern den Bürgern verpflichtet sind.

Zurück zum Grüngürtel. Das vom ehemaligen Stadtbaurat Heinrich Dauer in den 1920er Jahren entworfene Stadtviertel sollte die ideale Siedlungsform entwickeln - und war in die Jahre gekommen. Die erste Baustelle von Wabbel, und „ein sehr glücklicher Einstieg.” Denn: „Die Bewohner haben sich damals von uns begeistern lassen und wir konnten diesen städtebaulichen Schatz heben.”

Was da reibungslos lief, gestaltete sich in anderen Punkten schwerer. Ende der 1980er Jahre wurde in Düren erbittert gestritten. „Es gab damals viele, die für eine totale Verkehrsberuhigung eingetreten sind. Das hätte der Innenstadt das Genick gebrochen. Da war also Augenmaß gefragt”, sagt Wabbel rückblickend. Das war auch die Zeit, wo Stadt, CityMa und IG City näher zusammenrückten. „Mit der IG City ist eine stabile Partnerschaft entstanden. Ihr Vorsitzender Rainer Guthausen ist ein politischer Marathonläufer.”

Eine Partnerschaft, die auch funktioniert hat, als das Stadtcenter realisiert wurde. Auch das war umstritten. „Man konnte damals keine Wagenburg bauen und auf alles schießen, was drum herum war.” Das Stadtcenter gehörte für Wabbel also zur Entwicklung der Innenstadt dazu. „Es darf aber nicht das Ende der Entwicklung der Innenstadt sein.” Diese Balance, auf der einen Seite die Innenstadt zu schützen und auf der anderen Seite auch Innovation zuzulassen, ist vielleicht genau der Spagat, den ein Baudezernent beherrschen muss.

Und man muss einen langen Atem haben. 15 Jahre lang stand das Stadtcenter auf der Tagesordnung, bis es dann endlich realisiert wurde. Andere Entscheidungen nimmt man heute sogar eher wie selbstverständlich hin. Zum Beispiel dass Busse wieder in der Innenstadt halten und nicht nur am Zentralen Omnibusbahnhof. Aber auch die Gestaltung von Kaiserplatz, Marktplatz oder die Neugestaltung der Wirtelstraße.

Wabbels größter Fehlschlag? „Die Bahn!” Die Bahntrasse durch die Stadt sollte zur Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgebaut werden, auf einem Ständerwerk, eingekapselt. „Wir haben sieben Verhandlungsführer bei der Bahn verschlissen und hatten einen fertigen Vertrag.” Der wurde aber von der Bahn nie unterschrieben.

„Das Ergebnis: Wir haben immer noch zwischen Düren-Nord und der Innenstadt diesen 80 Meter breiten Streifen, der zu nichts nutze ist”, ärgert sich Wabbel noch heute. Die Stadthalle? „Nicht meine Baustelle. Das Schicksal der Stadthalle war entschieden, als das Haus der Stadt beschlossen wurde. Und alle Versuche, sie zu vermarkten, bedeuten 20 Jahre Trauerarbeit.”

Einen langen Atem hat Wabbel auch in einem anderen Bereich gehabt. Die Neugestaltung der Fassade und des Platzes vor der Musikschule, den Anbau ans Hoesch-Museum und der neu gestaltete Vorplatz samt Rückriem-Kunstwerk versteht Wabbel als „Ensemble, das den Blick auf Düren wieder herstellt”. Es ist vielleicht das Projekt, von dem man in 20 oder 30 Jahren sagen wird, dass es untrennbar mit dem Namen des Technischen Beigeordneten verbunden ist. Auch, weil er dafür viel Kritik einstecken musste.

Vom Anbau, der einem Bunker gleiche, bis zur Frage der „richtigen” Platzgestaltung. Trifft ihn die Kritik? Nein, öffentliches Anspruchsdenken und Konsumverhalten treffe ihn viel mehr. Wabbel: „Ich wusste von Anfang an, dass so eine Gestaltung nicht mehrheitsfähig ist. Populär ist, was kuschelig und gemütlich ist. Eine Kirmes ist mehrheitsfähig.” Der Mann meint das ernst. Er geht.
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