Düren - „Die Deutschen tun mir leid”

„Die Deutschen tun mir leid”

Von: Sandra Kinkel
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Drei Italiener im Freudentaumel: Elio Martini (links, mit Hündin Lola), Fußballfan Gianni und Lino Martini (rechts) freuen sich riesig über den Sieg ihrer Mannschaft. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Zum Schluss hat es dann doch noch einen unschönen Zwischenfall gegeben: Nach dem Halbfinal-Sieg der italienischen Fußball-Nationalmannschaft pöbelten zwei zwanzigjährige Männer italienische Fans an.

Die beiden traten massiv gegen das Auto, in dem die Italiener saßen. Als die Südländer ausgestiegen waren, zogen sie sich auch noch leichte Verletzungen zu. Zum Glück war das die einzige negative Episode eines ausgelassenen Fußballabends, der so fröhlich begonnen hatte.

Auf dem Kaiserplatz sorgte Nexhat Istrefi mit seinem 15-köpfigen Team für Sicherheit, und zwar ohne zwischendurch einen Blick auf die Leinwand zu riskieren. „Das ist strengstens verboten”, sagt der 32-Jährige, „Und wenn ich Kollegen erwische, die Fußball gucken, hat das Konsequenzen.”

Die Sicherheit bei einer Veranstaltung wie dem Public Viewing stehe einfach im Vordergrund. „Wir müssen gucken, was die Fans machen, damit wir sofort deeskalierend eingreifen können, wenn irgendwas passiert. Das, was auf der Leinwand zu sehen ist, darf uns nicht interessieren,” Die meisten seiner Leute, so Istrefi, seien aber ohnehin keine Fußballfans. „Uns begeistert Kampfsport”, so der Sicherheitschef. „Zum Dank für ihre Leistung werde ich mit meinen Leuten den nächsten Klitschko-Boxkampf besuchen.”

Ganz anders ist das bei den Helfern des Roten Kreuzes, die mit 20 Einsatzkräften beim Public Viewing sind. Einsatzleiter Christoph Bartz, der bisher bei jedem Spiel Dienst hatte: „Wir gucken schon ab und zu ein bisschen Fußball. Die Versuchung ist einfach zu groß.” Viel passiert ist beim „Rudel-Gucken” auf dem Kaiserplatz bisher zum Glück nicht. „Wir haben kleinere chirurgische Sachen zu behandeln”, so Bartz. „und natürlich Leute mit Kreislaufproblemen. Einer hat sich allerdings hier beim Feiern auf dem Kaiserplatz ein Bein gebrochen. Das kann alles passieren.”

Gefeiert - aber zum Glück ohne Beinbruch - haben den italienischen Sieg Petra, Elio und Lino Martini. In ihrem Ristorante war am Donnerstagabend nicht wirklich viel zu tun, so dass sich die Mitarbeiter immer wieder um den kleinen Fernseher hinter der Theke tummelten.

„Meine Frau”, lacht Elio Martini, „hat erst für Deutschland gehalten, weil sie ja Deutsche ist. Aber nach den zwei Toren war sie plötzlich Italienerin.” „Das stimmt”, sagt Petra Martini. „Aber nur, weil die Italiener einfach besser waren.”

Dem Gastronom, der schon seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, tut es leid, dass schon wieder die Italiener die Deutschen aus einem Turnier geschossen haben. „Das hätte echt nicht sein müssen. Und vor allen Dingen die vielen jungen Leute, die so für Deutschland die Daumen gehalten haben, tun mir wirklich leid.”

Trotzdem kann Elio Martini sein breites Lächeln an diesem Abend kaum noch ausknipsen. „Klar freue ich mich”, lacht der Italiener. „Das Spiel am Sonntag? Ich tippe 1:0. Das würde jedenfalls reichen.”

1500 Fußballfans waren am Donnerstag beim Public Viewing. Auf dem Kaiserplatz ging der Fußballabend ohne Zwischenfälle über die Bühne. Nach dem Sieg der Italiener waren die schwarz-rot-gelben Fahnen schnell verschwunden. Nach dem Spiel gab es einen italienischen Auto-Korso in Düren. Um 23.15 Uhr war es laut Angaben der Polizei in der Innenstadt wieder ruhig.
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