Arnoldsweiler - Die Archäologen graben sich durch die Zeiten

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Die Archäologen graben sich durch die Zeiten

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Gewaltige Erdhügel umgeben die Ausgrabung bei Arnoldsweiler: Um an die Funde aus der Steinzeit oder der Zeit der Römer zu kommen, müssen die Archäologen aber nur den Mutterboden abtragen. Foto: LVR

Arnoldsweiler. Wenn die Archäologen am Werke sind, dann graben sie sich auch durch die Zeit. Dieses Bild sorgt für eines der „größten Missverständnisse der Archäologie”, sagt Renate Gerlach vom Landschaftsverband Rheinland, der die Ausgrabungen bei Arnoldsweiler betreut.

„Die Funde liegen unmittelbar unter der Oberfläche. Man muss nur den Mutterboden abschieben”, erklärt die Geo-Archäologin. „Der Boden wächst nicht in die Höhe. Unter der Oberfläche liegen römische Funde neben steinzeitlichen.”

Die Archäologen graben sich also nicht Meter für Meter rückwärts durch die Geschichte? „In Städten kann das schon mal so sein. Da haben die Menschen auf dem Schutt ihrer Vorgänger gebaut”, sagt Gerlach. Aber in der Jülicher Börde, einer so genannten Lösslandschaft, sei das anders. Man grabe nicht mit jeder weiteren Schaufel Erde auch gleich weiter in die Vergangenheit. Die Vorstellung, dass eine dicke Erdschicht zwischen den Epochen liege, sei falsch. Es ist sogar so, dass zeitlich später anzusiedelnde römische Funde manchmal tiefer liegen als steinzeitliche. „Das liegt an der Erosion. Seitdem Ackerbau betrieben wird, ist die Vegetation zurückgegangen. Und jeder Regen spült Boden ab.”

An der Fundstelle bei Arnoldsweiler sind die Epochen, sind Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und Römerzeit ineinander verschachtelt. Als die Steinzeitsiedlung verlassen war, ist sie zerfallen. Gebüsch ist über die Siedlungsreste gewachsen, organische Substanzen haben sich angesammelt.

Dann kamen weitere Siedler, später haben Römer haben ihre Häuser dort errichtet, wo in der Erde noch die Fundamente eines steinzeitlichen Bauernhauses liegen. Haben die Römer bewusst auf einer alten Siedlung gebaut? „Nein, davon wussten sie nichts”, sagt Gerlach. Der Ort sei eben ein günstiger Wohnort gewesen, quer durch die Jahrtausende. Eine Top-Wohnlage. Um Gräber zu entdecken müssen die Archäologen natürlich tiefer buddeln.

„Aber das liegt daran, dass die Menschen in der Jungsteinzeit die Verstorbenen unter der Oberfläche begraben haben.” Von vielen Erdschichten haben die Archäologen Proben genommen, die nun untersucht werden und Aufschlüsse geben, ob der Boden genug Nährstoffe enthielt.

„Diese Ausgrabung ist einer der am besten naturwissenschaftlichen begleiteten”, sagt Gerlach. Erste Ergebnisse werden in etwa einem halben Jahr vorliegen, denn einige Diplomarbeiten befassen sich mit den Grabungen.
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