Die Angst, Geld in den Kanal zu schütten

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
Mit der Kamera werden die Haus
Mit der Kamera werden die Hausanschlüsse auf Undichtigkeiten untersucht. Das kann für Hausbesitzer richtig teuer werden. Foto: Stefan Schaum

Nideggen. Siegfried Genreith ist Diplom-Mathematiker und damit ein sehr logisch denkender Mensch. Neulich hat sich der 54-Jährige in einem anderen Metier versucht. Der Nideggener hat eine Kurzgeschichte verfasst. Am Ende dieser Geschichte ist Genreiths Haus fast so kaputt wie seine Nerven.

Die eigenen vier Wände und das Nervenkostüm waren in seiner Horror-Fiktion der Dichtigkeitsprüfung zum Opfer gefallen. Inspiration dafür: Bis Ende 2015 müssen die Abwasserkanäle jedes Privathaushaltes auf Dichtigkeit überprüft werden.

Das schreibt das Land NRW im Paragraph 61a des Landeswassergesetzes vor. Prinzipiell findet Siegfried Genreith die Idee gut. Schließlich muss das Grundwasser davor geschützt werden, von schmutzigem Abwasser, das durch undichte Rohre in den Boden sickert, verunreinigt zu werden.

„Beim ersten Hinsehen ist diese Verordnung gar nicht so problematisch”, berichtet der Mathematiker. Wenn er dann an die verzweigten Abwasserrohre unter seinem Haus denkt, dann wird es Genreith aber ganz anders. Der Nideggener befürchtet, dass eine Kamera seine Kanäle nicht komplett erkunden kann.

Dabei beruft er sich auf eine Studie des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen, die besagt, dass im Schnitt ein Viertel der Kanäle nicht mit einer Kamera befahrbar sei. Aus selbiger Studie gehe auch hervor, dass die 300 bis 500 Euro, die die Landesregierung als Anhaltspunkt in Sachen Kosten nennt, zu niedrig angesetzt seien. Eine Prüfung könne schnell 900 Euro teuer sein. Im Idealfall wäre das Thema für den Hausbesitzer damit abgeschlossen und er erhält die Dichtigkeitsbescheinigung.

Genreith hat sich mit dem ungünstigen Fall beschäftigt, dass der Kameraeinsatz nicht reicht. Dann käme vermutlich eine so genannte Druckprüfung in Frage, um herauszufinden, ob in Genreiths Keller noch alles dicht ist.

„Wenn Sie dann einen Kanal haben, der eigentlich dicht ist, aber schon älter als zehn Jahre, dann besteht die Gefahr, dass die Druckprüfung die eine oder andere Dichtung beschädigt. Und was passiert dann? Muss ich dann meinen Wohnzimmer-Boden aufreißen, um das Leck zu finden?” fragt der Nideggener.

Genreith spinnt die Vorstellung weiter: Dass er sein Haus aufgeben muss, wie in seiner Fiktion, ist mit Sicherheit etwas überzogen. Dass die Kosten in die Höhe schnellen könnten, hält der Mathematiker dagegen für durchaus realistisch. Und deswegen hat er die Initiative "Alles dicht in NRW" gegründet. Auf seiner Internetseite fordert Genreith, dass der landesweite Zwang zur Dichtigkeitsprüfung so lange aufgehoben wird, bis es ein angemessenes und kostengünstiges Verfahren gibt, um zu prüfen, ob unten alles dicht ist.
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