Der Tatort-„Bishudo“ ist stolz, Dürener zu sein

Von: Sandra Kinkel
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In der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ spielt Serhat Çokgezen den smarten deutsch-türkischen Polizeimeister Tarik Coban. Foto: ZDF/Boris Laewen
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Tarik und Claudia stürmen eine verdächtige Werkstatt..

Düren/Köln. Dass Serhat Çokgezen Schauspieler geworden ist, hat er eigentlich seinem Klassenlehrer auf den Kaufmännischen Schulen zu verdanken. „Mein Lehrer hat mich gefragt, warum ich zu spät zur Schule gekommen bin. Ich habe ihn angelogen und da hat er mir geantwortet: ‚Ach, setz‘ Dich hin, Du Schauspieler!‘ Und irgendwie hat es da bei mir ‚Klick‘ gemacht.“ Heute ist Çokgezen beliebter Serienstar und war auch schon in einer „Tatort“-Folge zu sehen.

Bis zu seiner ersten Hauptrolle im deutschen Fernsehen war es für den 30-jährigen Deutsch-Türken aber noch ein weiter Weg. „Mit 16 habe ich mich endgültig entschieden, kein Fußballprofi, sondern Schauspieler zu werden. Eine Freundin hat mich heimlich auf der Schauspielschule in Köln angemeldet. Ich bin genommen worden, und so hat alles angefangen.“

Richtigen Stillstand hat es in der Karriere von Serhat Çokgezen nicht gegeben. Nach der Schauspielschule hat er am Landestheater Memmingen anderthalb Jahre die Rolle des „Mogli“ aus dem „Dschungelbuch“ gespielt. „Aber mir war schon damals klar, dass ich zum Fernsehen will“, so Çokgezen, dessen Familie immer noch in Düren zu Hause ist. „Ich wollte einfach Geld verdienen und nicht mehr mit dem Fahrrad zur Probe fahren.“

Von Memmingen ist Serhat Çokgezen zur Film- und Schauspielschule nach Istanbul gegangen, hier hat er gleich seine erste große Serienrolle bekommen. „Mit 20 Millionen Zuschauern pro Folge. Das war toll.“ Trotzdem ist Serhat Çokgezen wieder zurück nach Deutschland gekommen. „Ich habe mich verliebt. Meine Frau Sultan ist Journalistin, sie hatte mich damals interviewt. Und wegen ihr bin ich zurück nach Köln.“ Um erst einmal wieder als Kellner zu arbeiten. „Ich bin total bodenständig“, sagt Çokgezen. „Und ich bin überzeugt, dass das auch damit zu tun hat, dass ich in Düren aufgewachsen bin. Es war für mich nie ein Problem wieder zum Tellerwäsche zu werden.“

Erneut war es eine Frau, die dem jungen Mann, der sich selbst „lebendig und hyperaktiv“ nennt, in Sachen Schauspielerei auf die Sprünge geholfen hat. „Meine Frau hat mich bei einer Agentur angemeldet, und die haben mich zum Casting für ‚Notruf Hafenkante‘ geschickt. Es wurde ein italienischer Polizist gesucht. Die Rolle wurde dann für mich komplett umgeschrieben. Der Italiener wurde zum Türken.“

Er habe nie „Bock gehabt, nur den Klischee-Türken zu spielen“, so Serhat Çokgezen. „Ich habe diesen Beruf richtig gelernt und kann alle Rollen spielen. Und nicht nur Sätze sagen wie: ‚Eh, ich hab‘ das Geld nicht geklaut, Alter‘“. Die Rolle des Rappers „Bishudo“, den Çokgezen jüngst im Münsteraner Tatort gespielt hat, stellt für den Schauspieler da keinen Widerspruch dar. „Bishudo hat alle Rapper-Klischees erfüllt. Aber keine Türken-Klischees.“

Fernab der Schauspielerei ist der Ex-Dürener im Augenblick dabei, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Gemeinsam mit seiner Frau wird er in wenigen Tagen in Köln-Rodenkirchen ein türkisches Restaurant eröffnen. „Meine ganze Familie arbeitet in der Gastronomie“, sagt er.

„Ich habe da richtig Lust drauf. Und ich kann mir auch vorstellen, in meinem Laden ab und zu selbst zu kochen. Aber natürlich möchte ich auch weiter als Schauspieler arbeiten. Das ist doch überhaupt keine Frage. Aber ich werde im März zum ersten Mal Vater und das bedeutet eine ganz neue Verantwortung. Und da ist ein zweites Standbein nicht das Schlechteste.“

Zu Düren hat Serhat Çokgezen immer noch eine enge Bindung. „Ich bin froh und stolz, Dürener zu sein. Auch wenn ich irgendwann von hier weg wollte, um das Leben kennenzulernen.“ Seine Eltern und Geschwister seien immer noch an der Rur. „Und meine ganzen Schul- und Kindergartenfreunde. Die versuche ich natürlich so oft wie möglich zu besuchen.“

Wer Serhat Çokgezen im Fernsehen bewundern möchte, hat dazu schon am Donnerstag wieder Gelegenheit. Um 19.25 Uhr in der 197. Folge von „Notruf Hafenkante“.

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