Der Staatssekretär mags gerne bunt

Von: Ingo Latotzki
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Bundestagskandidat Thomas Rachel in einer Kindertagesstätte in Vettweiß-Kelz. In diesen Tagen ist der CDU-Politiker viel unterwegs. Er kandidiert wieder im Kreis Düren. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Thomas Rachel arbeitet gerne mit bunten Farben. Pink, orange, grün, gelb oder türkis. An der Rückseite des Beifahrersitzes in seinem Wagen hat er Textmarker in einer Reihe hängen. Für Staatssekretär Rachel ist das Auto nicht einfach nur ein Auto. Es ist ein rollendes Büro.

Im Kofferraum stehen Aktenordner, auf der Rückbank liegen Unterlagen. Wenn Rachel in der Republik unterwegs ist, arbeitet er in seinem Wagen. „Ich lese Unmengen“, sagt er, „und Texte kann ich mir am Besten erschließen, wenn ich wichtige Stellen markiere.“ Je nach Wichtigkeit und Art des Satzes nutzt der CDU-Bundestagsabgeordnete verschiedene Farben.

Gestern Morgen sitzt Rachel, 51, wieder in seinem Dienstwagen. Er ist nach Vettweiß-Kelz unterwegs, in einen Kindergarten. Die Kita beteiligt sich am Projekt „Haus der Kleinen Forscher“. Die Maßnahme wird aus dem Forschungs- und Bildungsministerium in Berlin finanziert. Dort ist Rachel seit 2005 Staatssekretär. In der von der Lebenshilfe betriebenen Kita im ländlichen Kelz schaut Rachel, wie weit das Projekt gediehen ist. 71 Kindergärten im Kreis Düren beteiligen sich, 27 sind bereits „Haus der kleinen Forscher“. Sie fördern technisches Verständnis der Jungen und Mädchen. Wenn eine Kita das Projekt längere Zeit verfolgt, erhält sie das Zertifikat als „Haus der kleinen Forscher“.

Thomas Rachel ist Freitagvormittag mitten in seinem Thema: Bildung. „Es ist enorm wichtig, die Fähigkeiten der Menschen zu sehen und zu fördern“, sagt er. „Jeder kann etwas!“ Rachel will das nicht einfach nur so sagen. Es ist sein politisches Leitmotiv.„Deshalb bin ich in die Politik gegangen.“

Insofern passt es am Freitag auch gut, dass Thomas Rachel noch einen Termin in den Rurtalwerkstätten in Huchem-Stammeln hat. Dort arbeiten mehr als 800 Behinderte, teilweise werden qualitativ hochwertige Produkte hergestellt. Es wird gesägt, gefräst, gebohrt, gehobelt. „Alle, die hier arbeiten, machen etwas Sinnvolles“, sagt Rachel. Er sitzt mit der Geschäftsführung in einer Runde und spricht über berufliche Perspektiven von Behinderten. Dass es wichtig sei, Behinderte in reguläre Arbeitsverhältnisse zu vermitteln. Rachel ist vorbereitet. Wie in der Kita in Kelz kennt er die wesentlichen Fakten. Vielleicht hat er sie im Auto gelesen und die wichtigen Stellen mit seinen bunten Textmarkern angestrichen.

„Die Vielschichtigkeit meines Berufes ist das Interessante“, sagt er, „aber auch die große Herausforderung.“ Heute spricht er als Bundestagsabgeordneter für den Kreis Düren über lokale Begebenheiten, morgen sitzt er womöglich als Vertreter von Bildungsministerin Wanka im Kabinett in Berlin. Wenn es um komplexe Themen wie Medizinforschung geht, lässt sich Rachel aus dem Ministerium zuarbeiten. Oder er nutzt sein „mittlerweile gut ausgebautes Netzwerk“, um sich schlau zu machen: Wissenschaftler, Ärzte, andere Experten. „In Bildung und Forschung ist nie so viel Geld investiert worden wie jetzt“, sagt er. In Forschungsprojekte für den Kreis Düren seien 2005 noch 52 Millionen Euro geflossen, vergangenes Jahr „waren es 105 Millionen“. Das Forschungszentrum Jülich etwa profitiere, dort seien in den vergangenen Jahren mehr als 1000 neue Arbeitsplätze entstanden, außerdem profitierten die hiesigen Unternehmen, wenn sie teils Millionen-Förderungen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte erhielten. Erst diese Woche hat Rachel einen Förderbescheid im Mariaweiler Unternehmen Heimbach übergeben.

Nachdem er Freitag die Rurtalwerkstätten verlassen hat, ist er weitergefahren nach Heimbach: Hausbesuche. Politisches Klinkenputzen, wenn man so will. Für Rachel gehört das dazu. „Als Politiker muss man die Menschen mögen“, sagt er, „und ich mag sie.“ Abends hat er noch einen Termin auf dem Stadtfest in Düren, Samstag geht es weiter. Termine rund um die Uhr. Wahlkampf eben. Zwischendurch sitzt er im Auto und liest. „Bei mir ist noch kein Textmarker wegen Nichtnutzung vertrocknet“, sagt er.

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