Whatsapp Freisteller

Der große Traum von der Delfin-Therapie

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Noch 34 Tage! Nadine Pelzer au
Noch 34 Tage: Nadine Pelzer aus Hürtgenwald fiebert sehnsüchtig ihrer zweiten Delfintherapie entgegen. Foto: Sandra Kinkel

Hürtgenwald-Gey. „Noch 34 Tage”, sagt Nadine Pelzer aus dem Hürtgenwalder Ortsteil Gey. „Noch 34 Tage und ich bin endlich wieder bei meinen geliebten Delfinen.” Über das Gesicht der jungen Frau, die seit acht Jahren im Rollstuhl sitzt, geht ein Lächeln, besser gesagt ein Strahlen.

Die Freude auf die Delfintherapie ist der 25-Jährigen deutlich anzusehen. „Wenn Peter Borsdorff nicht für mich gesammelt hätte und mir diese Therapie ermöglicht hätte, dann wäre ich heute nicht mehr hier. Das ist sicher.”

Die vergangenen drei Jahre hat Nadine Pelzer fast ausschließlich im Krankenhaus verbracht. Die Krankheit, unter der sie seit ihrer Bandscheiben-OP leidet, ist eine äußerst seltene Form der Dystonie. Weltweit leiden nur etwa 50 Betroffene darunter. Nadine Pelzer hat schlimmste Krämpfe und Spastiken. Bis zu 17 Mal am Tag hat sie sich übergeben müssen, wurde künstlich ernährt und hat über 45 verschiedene Medikamente am Tag bekommen. „Ich habe das wirklich nur ausgehalten, weil ich wusste, dass ich irgendwann wieder zu den Delfinen komme. Und da neue Kraft tanken kann. Wenn ich Peter Borsdorff und meine Eltern nicht gehabt hätte, hätte ich keine Kraft mehr gehabt. Ehrlich nicht.”

Nadine Pelzer wurde eine Medikamentenpumpe implantiert, auch dabei ist es zu Komplikationen gekommen. „Die Pumpe ist jetzt auch schon wieder verrutscht”, sagt Nadine. „Und eigentlich müsste ich wieder operiert werden. Aber ich weiß ganz genau, dass ich dann bis zum 21. September nicht mehr aus dem Krankenhaus komme. Und deswegen bleibt die Puppe so wie sie ist.”

Nadine Pelzer lächelt wieder. Sie will mit aller Macht die Delfin-Therapie. Koste es, was es wolle. „Das ist mein Ziel, das hält mich oben.” Die zierliche junge Frau, die vor drei Monaten stolze Patentante ihres kleinen Neffen Marlon geworden ist, ist eine echte Kämpfernatur. „Im Augenblick bekomme ich Cannabis-Tropfen. Die helfen mir gegen die Schmerzen und sorgen dafür, dass meine Beine nicht mehr steif sind.” Einziges Problem: Nadines Krankenkasse finanziert die Tropfen nicht. Eine Dosis für vier Tage kostete 230 Euro. „Meine Eltern helfen mir, dass ich diese Tropfen bekommen. Ich weiß nur nicht, wie lange das noch geht.”

Einmal, da wollte sie es ohne Cannabis probieren. „Aber da war ich sofort wieder bettlägerig. Die Krämpfe, das Kribbeln und Zittern in meinen Armen und Beinen war sofort wieder da. Und da haben meine Eltern mir die Tropfen wieder besorgt.” Mittlerweile hat Nadine, deren Odyssee wirklich kein Ende zu nehmen scheint, einen Rechtsanwalt eingeschaltet. „Ich brauche die Tropfen doch”, sagt sie. „Und im Krankenhaus habe ich sie ja auch bekommen. Ich versteh das wirklich nicht. Das kann es doch nicht sein.”

Umso mehr fiebert Nadine Pelzer ihrer Delfin-Therapie entgegen. „Ich habe schon Kontakt mit meinen Therapeuten”, erzählt sie. „Ich werde mit den gleichen arbeiten wie vor drei Jahren. Und auch mit den selben Delfinen. Mateo und Papito sind wieder für mich da. Ich bin sicher, dass sie mich wieder erkennen werden.” Da ist es wieder, das herzliche Lächeln auf Nadine Pelzers Gesicht. „Ich freu mich wirklich”, sagt sie.

„Auch wenn die Therapie für mich harte Arbeit ist. Aber das soll sie ja auch sein.” Drei Stunden arbeitet Nadine in der Karibik täglich mit ihren Therapeuten und den Delfinen, außerdem hat sich auch regelmäßig Gespräche mit einem Psychologen. Mal alleine, mal gemeinsam mit ihren Eltern, die sie auf die Niederländischen Antillen begleiten. „Auch das ist ganz wichtig”, sagt Nadine. „Ich muss die vielen Wochen und Monate im Krankenhaus verarbeiten.”

Bis dahin müssen der kleine Marlon und Nadines andere sechs Nichten und Neffen für Ablenkung sorgen. „Ich liebe die Kinder über alles. Und die lieben mich auch”, sagt Nadine. „Und Marlon wohnt gleich nebenan, den sehe ich jeden Tag. Und wenn ich mit ihm spiele, vergesse ich wirklich alle Schmerzen. Der Kleine hilft mir sehr.” Nadine Pelzer lächelt wieder ihr unvergleichliches Lachen. Und dann sagt sie noch: „Ich glaube seit acht Jahren fest daran, dass ich wieder laufen kann. Das ist mein allergrößtes Ziel. Und das gebe ich auch nicht auf. Niemals. Und ich hoffe, dass die Delfintherapie mir dabei hilft.” So spricht eben eine echte Kämpferin.

Seit acht Jahren sitzt Nadine schon im Rollstuhl

Nadine Pelzer ist 25 Jahre alt und lebt in Hürtgenwalder Ortsteil Gey. Am 14. März 2003 ist die junge Frau an einem Bandscheibenvorfall operiert worden, seitdem sitzt sie im Rollstuhl. „Durch die Bandscheibenoperation”, so Nadine Pelzer, „sind Nervenwurzeln abgestorben.”

Vor drei Jahren hat Nadine schon einmal an einer Delfin-Therapie in Curacao auf den Niederländischen Antillen teilgenommen. Danach konnte sie nach fünf Jahren zum ersten Mal 70 Meter und sieben Treppenstufen allein gehen.

Am Mittwoch, 21. September, fliegt sie mit ihren Eltern wieder zu den Delfinen. Möglich geworden ist diese zweite Therapie nur Dank der einzigartigen Hilfe und Unterstützung von Peter Borsdorff, dem „Läufer mit der Sammelbüchse” aus Düren.

In einer ziemlich einzigartigen Spendenaktion hat Peter Borsdorff über 25.000 Euro für Nadine Pelzers Delfin-Therapie gesammelt. Im Augenblick ist Borsdorff für die kleine Lena (vier Jahre) aus Nideggen-Embken unterwegs.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert