Der Goldschmiedemeister arbeitet besser als die Maschine

Von: Maria Pakura
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Ralf Verbracken arbeitet in einem der wenigen Berufe, die sich im Verlauf der Jahrhunderte nur wenig geändert haben. Er ist Gold- und Silber-Schmiedemeister. Foto: Maria Pakura

Düren. Vernünftiges Licht ist für einen Goldschmied unverzichtbar. Heutzutage ist es allerdings kein großer Unterschied, ob so wie jetzt um kurz nach ein Uhr mittags gearbeitet wird oder um ein Uhr nachts. Theoretisch zumindest.

Den tageslichthellen Leuchtröhren mit metallenen Blenden sei dank, die das Licht genau dorthin leiten, wo es gebraucht wird - nämlich auf den Werkstatttisch.

Praktisch hat Ralf Verbracken aber tagsüber so viel zu tun, dass er gut und gerne darauf verzichten kann, nachts auch noch zu arbeiten. Auftragsarbeiten, vor allem aber Reparaturen und Änderungen häufen sich in seinem Atelier, das gleich hinter dem Verkaufsraum des gemeinsamen Geschäfts mit Ingeborg Müller-Bündgens beginnt.

Schließlich ist Verbracken einer der wenigen noch praktizierenden Goldschmiedemeister in Düren, und dafür qualifiziert, auch komplizierte Umarbeitungen an Schmuckstücken vorzunehmen, die anderswo verschickt werden müssen. Ringe, die nicht passen.

Geerbte Schmuckstücke, deren Stil ihren neuen Besitzern nicht gefällt. Sogar silberne Kerzenständer, die zu wertvoll sind, um eine Macke zu akzeptieren.

Dass Verbracken auch mit Silber arbeitet, ist nicht selbstverständlich. Schließlich seien Gold- und Silberschmiede zwei getrennte Berufe, denn die Edelmetalle hätten unterschiedliche Eigenschaften, seien in der Verarbeitung verschieden, wie Kollegin Müller-Bündgens erklärt, die beides gelernt hat.

Bei ihrem Vater, der in seinem Fach bekannt in der ganzen Stadt und darüber hinaus war, hat auch Verbracken 1977 die Lehre zum Goldschmied begonnen. Und zwar mehr oder minder zufällig, denn eigentlich wollte er Zahntechniker werden. Dass er sich letztlich für den Goldschmiedeberuf entschieden hat, hat er nie bereut.

Denn er bietet vielfältige Herausforderungen. „Den Goldschmied kann eine Maschine nicht ersetzen”, unterstreicht Verbracken, dass trotz modernster Technik das Handwerkliche sich kaum von dem unterscheidet, was Kollegen in früheren Jahrhunderten gemacht haben. „Die Techniken sind alles in allem die gleichen.” Der gebürtige Kölner, der aber seit mehr als 30 Jahren Wahldürener ist, feilt und poliert immer noch per Hand, schwarze Finger inklusive. Und geht man in den Werkstattteil hinab, der eine Etage tiefer liegt, wähnt man sich in einem Labor. Apparaturen reihen sich, Chemikalien und Gifte stehen da, „zum Vergolden und Versilbern”, wie er erklärt. Schmunzelnd fügt er hinzu: „Ein gewisses Grundwissen in Chemie muss man schon haben.” Auch Zeichnen muss man können, „mit Bleistift und Farbe, das gehört zur Ausbildung”. Geduld, ein Gefühl für Formen und „viel Kreativität” empfiehlt er Anwärtern in seinem Beruf ebenfalls.

Für alle Körperregionen

Und gewisse soziale Kompetenzen, schließlich gehört die Kommunikation mit Kunden zum Alltag. „Es gibt keine schwierige Kunden, es gibt nur Kunden, die einen herausfordern”, bringt Verbracken seine Philosophie auf den Punkt. Er erfüllt nach Möglichkeit jeden Kundenwunsch, bietet Schmuck „für alle Körperregionen”, wie er augenzwinkernd sagt.

Handwerkliches Geschick sei natürlich ein Muss für jeden Goldschmied, schließlich fertigt er auch filigrane Schmuckstücke selbst an. Verbracken arbeitet dabei meist freihand, „denn packt man das edle Material mit der Zange, kann es auch mal Macken geben”. Doch bevor ein Ring beispielsweise überhaupt so fein bearbeitet wird, sind viele Arbeitsschritte vonnöten.

Auf die Zeichnung verzichtet Verbracken mittlerweile bei seinen Eigenkreationen. Auch Kunden können sich meist mehr unter seinen Ideen vorstellen, wenn sie ein Originalmodell aus einem leicht zu modellierenden Kunststoff sehen. Entspricht das ihren Vorstellungen, vulkanisiert Verbracken es in Kautschuk, macht in dieser „Form” einen Wachsguss, gießt dieses Modell wiederum in Gips und brennt ihn bei bis zu 750 Grad aus. Das Wachs verdampft, zurück bleibt die Form.

Das Negativ wird mit Metall ausgegossen, der Rohling detailreich weiterverarbeitet. „Dabei arbeite ich nur mit eigenem Werkzeug”, betont Verbracken. Das müsse man sich schon als Lehrling zulegen, und das sei auch gut so, denn es passe sich mit der Zeit den eigenen Händen und den eigenen Arbeitstechniken an.

„Ja, man kann durchaus die Handschrift eines Goldschmieds sehen”, lächelt er. Bei Tageslicht ebenso wie in abendlichem Rampenlicht, wenn die Frau von Welt ihren glänzenden Unikatschmuck ausführt.
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