Der Gefahr nur knapp entronnen

Von: Margret Vallot
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Maike, Gabi und Anne Löbel (v.l.) erinnern sich an schlimme Gefahrensituationen, die sie bei der Flucht aus Kairo erlebt haben. Foto: Margret Vallot

Düren. Zweieinhalb Jahre hat die Familie Löbel aus Düren in Kairo gewohnt und sich dort wohlgefühlt. Bis vorige Woche. Da hatten die Menschen dort es satt, von einem Diktator regiert zu werden, es gab große Demonstrationen und kurz danach Gewaltexzesse. Die Löbels, obgleich unpolitisch, mussten um ihr Leben fürchten.

Vergangenen Mittwoch sind Gabi Löbel und die beiden Töchter Anne (12) und Maike (14) in Düren angekommen. Nur 35 Kilometer von jenem berühmten Tahrir-Platz entfernt haben sie „wohl behütet”, wie Gabi Löbel sagt, in einem Villen-Dorf gewohnt.

Von Freunden und via Internet wurden sie anfangs über Demonstrationen informiert. Es gab private Warnungen, per Mundpropaganda. Sie sollten: Bargeldvorrat beschaffen, den Tank vom Auto und alle Kanister mit Sprit füllen, Vorrat für drei Wochen anlegen. „Das haben wir gemacht, und das war auch richtig.”

Denn schon bald lag das gesamte öffentliche Leben still. Banken, Geschäfte, Tankstellen geschlossen. Aus den Häfen kam kein Nachschub mehr. Die Provider sperrten das Internet, über das alle vier Löbels mit Freunden in Verbindung standen. Der Mobilfunk wurde gesperrt, es gab Ausgangssperren, die Straßen wurden gesperrt, Panzer fuhren auf.

„Dass man in einer Diktatur lebt”, sei im täglichen Leben gar nicht so direkt zu spüren gewesen, berichtet Gabi Löbel von ihren Eindrücken. Gleichwohl sei allen klar gewesen: Ägypten ist ein Polizeistaat, denn praktisch immer hätten bewaffnete Polizisten und Sicherheitskräfte zum Straßenbild gehört. Und dass die letzten Wahlen im November gefälscht wurden, sei auch kein Geheimnis gewesen. „An solchen Tagen war immer Ausgangssperre, weil man die Wut der Bevölkerung fürchtete.”

Richtig gefährlich wurde es, „als die Gefängnisse geöffnet wurden”. Tausende Schwerverbrecher waren plötzlich in Freiheit - und bewaffnet. Jetzt konnten die vier Deutschen allerdings die große Solidarität ihrer Nachbarn erleben. Eine Art Bürgerwehr gründeten die Ägypter, und Beduinen schützten das Dorf zusätzlich.

Es folgten grauenhafte Stunden, Tage und Nächte, wo man sich verbarrikadierte, den Golfschläger griffbereit, das Sofa vor der Türe. Diese Zeit steckt den Dreien noch in den Knochen, besonders die Mädchen sind noch nicht soweit, dass sie in Düren zur Schule gehen könnten. Vater Axel Löbel blieb in Kairo, wo er aus beruflichen Gründen mit Familie hingezogen war.

Die Flucht

„Enttäuschend” sei bei der Flucht die unprofessionelle Arbeit der Botschaft gewesen. Die Dürener waren ganz auf sich allein gestellt, so schildert es Gabi Löbel. Bei der Fahrt zum Flughafen habe nichts funktioniert wie geplant: Mit einem privaten Wagen habe man sich an Panzersperren und Kontrollen vorbei zum Airport durchgeschlagen, dort vor dem Gebäude stundenlang warten müssen, „von Botschaftsmitarbeitern keine Info und weit und breit nichts zu sehen”. Es habe Anzeichen gegeben, dass die Situation eskaliert, „und die haben nichts unternommen”.

Im ägyptischen Flugzeug habe sie dem Flugkapitän gesagt: „Ich will eigentlich Ihr Land gar nicht verlassen”. Es tue ihm unendlich leid, habe er gesagt. Und: „Kommen Sie wieder.”
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