„Der Druck zu sparen ist sehr hoch”

Von: Sandra Kinkel
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Teil des neuen Regiebetriebes Kultur: Die Dürener Musikschule. Foto: Ingo Latotzki

Düren. „Kultur ist nicht mehr selbstverständlich”, das hat Adam Kempinski, Vorsitzender der Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft in Düren, bei der Vorstellung des neuen Kulturbetriebes der Stadt Düren gesagt. Aber, und auch davon ist Kempinski überzeugt, „Hochkultur wird nie kommerziell sein. Und darf es auch nie sein.”

Fakt ist aber, dass auch im Bereich Kultur in der Stadt Düren in den nächsten vier Jahren Geld eingespart werden muss. Viel Geld sogar. Nämlich knapp sechs Prozent des Gesamtbudgets. Das sind für Museen und Kulturbetrieb rund 474.000 Euro. Aber geht das überhaupt?

Oder arbeiten die einzelnen Abteilungen des Kulturbetriebes nicht schon längst am Limit?

7,9 Millionen Euro gibt die Stadt Düren jedes Jahr für Kultur aus. Für die beiden Museen und die sechs Abteilungen des Kulturbetriebes (Archiv, Schloss Burgau, Musikschule, Volkshochschule, Haus der Stadt und Bücherei), Personal- und Sachkosten zusammen genommen. 1,9 Millionen werden durch Ticketverkäufe und Gebühren refinanziert, bleibt ein Defizit von sechs Millionen Euro.

Die Kultur ist eindeutig ein Zuschussgeschäft. „Das ist sehr viel”, sagt Kämmerer Harald Sievers. Das kulturelle Angebot in Düren sei für ein Mittelzentrum dieser Größenordnung sehr hoch. Sievers hat nicht den Eindruck, dass die Politik sich nicht traut , an der Kultur zu sparen. „Das empfinde ich nicht so”, sagt er. Und er sagt auch, dass es auch eine Berechtigung für die Art von Kultur geben muss, die nicht nach den Marktkriterien funktioniert, die nicht komplett refinanzierbar ist. „Trotzdem”, so Sievers, „müssen wir das Thema der Refinanzierungsmöglichkeiten anders angehen. Und ich bin gespannt auf die Einsparvorschläge von Johannes Esser, dem Leiter des Kulturbetriebes, in der Finanzausschusssitzung am Dienstag.”

Die Gründung des Kulturbetriebes, so der Kämmerer weiter, sei auf jeden Fall richtig. „Wir brauchen dadurch weniger Personal für die Verwaltung und können flexibler mit einem großen Budget arbeiten. Ich denke, dass der Kulturbetrieb der Dürener Kultur einen Schub gibt.”

Auch Monika Rothmayer-Szudy, künstlerische Leiterin des Hauses der Stadt, hält in der jetzigen desolaten Finanzlage den Kulturbetrieb für einen richtigen Weg. „Wir müssen immer mehr wirtschaftlich arbeiten. Der Spardruck ist sehr hoch.” Das führe dazu, so Rothmayer-Szudy, dass viele ausgefallene Sachen demnächst nicht mehr möglich sind. „Neuentdeckungen und neue Stücke können wir nur noch ganz, ganz selten nach Düren holen. Das ist leider so.” „Wenn das Theater nur noch kostendeckend arbeiten muss”, sagt Adam Kempinski, „sind wir ganz schnell auf dem Niveau von Volksmusik. Davon spricht in 20 Jahren aber keiner mehr. Über griechische Dramen wird seit Jahrhunderten gesprochen. Und auch heute noch, auch wenn sie vielleicht nur noch 100 Leute ins Theater locken.”

Verena Schloemer, Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbücherei, hält Einsparungen im Bereich Bücherei für völlig unmöglich. „Wir haben in den vergangenen Jahren unser Personal immer mehr zurück gefahren. Das wird schon langsam Mangelverwaltung. Weniger ist eigentlich kaum noch möglich. Die Attraktivität unserer Bücherei muss ja auch erhalten bleiben.”

Dr. Gisela Hagenau vom Förderverein der Musikschule meint, dass Einsparungen im Produktionsbereich, also im Musikschulunterricht, für „absolut widersinnig” sind. „Wir sparen seit zehn Jahren im Personalbereich. Die fest angestellten Musikschullehrer, die ausscheiden, werden nur noch durch Honorarkräfte ersetzt.”

Allerdings glaubt Gisela Hagenau sehr wohl, dass durch den neuen Kulturbetrieb Einsparungen im organisatorischen Bereich möglich sind. „Der Kulturbetrieb kann auch eine unheimliche Chance bedeuten. Weil die einzelnen Abteilungen inhaltlich viel besser zusammenarbeiten können. Das kann positive Ergebnisse bringen.”
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