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Der Dorfladen entwickelt sich zum Treffpunkt

Von: Gudrun Klinkhammer
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Ferdinand Engels (von links), Arno Fuß, Jürgen Schmitz und Gottfried Lauterbach, Mitglieder der so genannten „Hunde-Gang“, trinken jeden Werktag vor dem Wollersheimer Dorfladen einen Becher Kaffee. Foto: gkli
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Marc Nagelschmidt (li.), Bürgermeisterin Margit Göckemeyer und Andreas Zimmermann, Mitglied des Gesellschaftsrates, freuen sich. Foto: gkli

Wollersheim. Es scheint eine Erfolgsgeschichte zu werden. Vor einem halben Jahr öffnete der Dorfladen in Wollersheim seine Türe. Was vielleicht keiner der derzeit 648 Einwohner vermutet hätte: Das Geschäft, das in vier Containern untergebracht ist, entwickelte sich in wenigen Monaten nicht nur zu einer attraktiven Einkaufsmöglichkeit, sondern auch zu einem beliebten Treffpunkt.

Auf den Sitzgelegenheiten vor dem Haus und im Geschäftslokal treffen sich regelmäßig Bürger aus Wollersheim und den umliegenden Orten, um einen Kaffee zu trinken und zu klönen. Jeden Morgen beispielsweise beendet die „Hunde-Gang“ hier ihren Rundgang. Ferdinand Engels mit seinem Vierbeiner Colin, Arno Fuß mit Balou, Jürgen Schmitz mit Chance und Gottfried Lauterbach mit Bronco genießen die gemeinsame Zeit beim Spaziergang im Feld und mit einem Becher Kaffee vor dem Dorfladen. Denn die Hunde dürfen das Geschäft nicht betreten.

2009 keimte die Idee, einen Dorfladen ins Leben zu rufen, in Wollersheim zum ersten Mal auf. Marc Nagelschmidt, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, hat die Erfolgsgeschichte von Anfang an begleitet. Er erinnert sich: „Hier gab es mal drei Bäckereien, vor rund 20 Jahren schloss der letzte Bäcker allerdings seine Türe für immer zu.“

Zwar benötigte die Realisierung der Ladenidee einige Jahre, doch dafür entschlossen sich mehr als 100 Familien, sich mittels einer finanziellen Einlage zu beteiligen. Das Trägermodell bezeichnet Marc Nagelschmidt als „Unternehmergesellschaft und still“. Als Unternehmergesellschaft tritt die Dorfgemeinschaft auf, die eben von mehr als 100 Familien finanziell unterstützt wird. Nagelschmidt freut sich: „Aus Nachbarn wurden in Wollersheim Geschäftspartner, und das Geschäft floriert.“ Zwar könne eine Familie noch nicht vom Ertrag leben, doch das sei ja auch nicht notwendig.

Durch die Ehrenamtler ist das Geschäftsmodell ganz entspannt. Einmal pro Monat findet eine Teambesprechung statt, an der die Hauptverantwortlichen teilnehmen. Zum harten Kern zählen die 15 ehrenamtlichen Verkäuferinnen und Verkäufer, die sich die drei Schichten an den Werktagen und die beiden Schichten an den Samstagen aufteilen. Die erste Schicht beginnt um fünf Uhr. Dann müssen Brötchen und Backwaren entgegengenommen und Waren sortiert werden. Die Öffnungszeiten des Ladens sind montags bis freitags von sechs bis zwölf Uhr und von 15 bis 18 Uhr und samstags von sechs bis zwölf Uhr.

200 Brötchen

Nach der ersten Schicht überbrückt die zweite Besetzung am Tag die Zeit von acht bis zwölf Uhr. Eine dritte Besetzung arbeitet über den Nachmittag. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, sagt Marc Nagelschmidt, jedoch werden im Dorfladen inzwischen mehr als 200 Brötchen pro Tag verkauft, die eine Nideggener Bäckerei zuliefert. Ebenfalls sehr begehrt sind die Fleisch- und Wurstwaren aus Vossenack. Weiter gibt es im Dorfladen Konserven, Grußkarten, Zeitungen, Getränke, Obst, Gemüse, Pflege- und Putzmittel.

Was die Mitarbeiter und Freunde der Wollersheimer Einrichtung besonders freut: Der örtliche Kindergarten konnte bereits einmal mit einer Materialspende unterstützt werden, soviel hat der kleine Betrieb schon abgeworfen. Nagelschmidt zieht die Brauen zusammen, als er bemerkt: „Man hat echt den Eindruck, dass das Leben in ländlichen Regionen von Land und Bund gar nicht mehr gewünscht wird.“ Würden sich die Bürger nicht selber helfen, dann würde auf dem Land von öffentlicher Hand nicht mehr viel passieren.

Erfreut über die gute Entwicklung des Dorfladens ist auch Nideggens Bürgermeisterin Margit Göckemeyer. Da auch sie mit knappen Kassen kämpft, hatte sie dem Team des Dorfladens zur Eröffnung zwei Dienste geschenkt. Mit sichtlicher Freude arbeitete sie diese ab.

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