Der Bürgermeister mit dem Zukunftsblick

Von: Ingo Latotzki
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Das Grab von Hubert Jakob Werners auf dem Neuen Friedhof in Ostdüren. Foto: Ingo Latotzki
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Seit 1914 ist eine Straße nach Werners benannt. Sie läuft parallel zur Kölnstraße auf den Adenauerpark in Düren zu.

Düren. Der Mann war seiner Zeit voraus. Zumindest war er sehr fortschrittlich. Als am 4. November 1871 die Stadtbücherei Düren eröffnet wird, betont der damalige Bürgermeister Hubert Jakob Werners die Bedeutung der Bibliothek für das „lebenslange Lernen“. 143 Jahre ist das her. Die Worte könnten auch heute gesprochen sein, sie haben nichts an Aktualität eingebüßt, im Gegenteil.

Werners ist der erste hauptberufliche Bürgermeister der Stadt Düren. In einem Aufsatz zum 135. Geburtstag der Stadtbücherei im November 2006 bezeichnet ihn der Dürener Historiker Dr. Horst Wallraff als „ehrgeizig und bildungsbedacht“.

Werners wird 1831 geboren und 1868 Bürgermeister der Stadt Düren. Das bleibt er bis zu seinem Tod 1894. Er stirbt mit 63 Jahren an den Folgen einer Operation. Das sind nackte Daten aus der Biografie Werners, nach dem 1914 eine Straße unweit des Dürener Zentrums benannt wurde.

Was bleibt von diesem Mann, der mehr als 25 Jahre an der Spitze der Stadt Dürens stand, „die sich unter seiner fähigen Leitung zu einer bedeutenden Mittelstadt mit reger Bautätigkeit, neuen Verkehrswegen, einer blühenden Industrie sowie beachtlichen sozialen Einrichtungen entwickelte“, wie Irmgard Gerhards und Bernd Hahne im Buch „Dürens Goldene Jahre 1871 – 1914“ formulieren.

Werners ist Verwaltungschef, Politiker und Heimatforscher. In seine Amtszeit fallen die Einweihung der Synagoge an der Schützenstraße (1872), der Pesch- und Nordschule (1878/1886) und des Wasserwerkes auf dem Annakirmesplatz (1885). In seinem Todesjahr wird die Bismarckbrücke fertig, deren Bau der damalige Industrielle Eberhard Hoesch mit 50 000 Mark unterstützt.

Am 3. Juni 1860 veranlasst Werners die Gründung eines Verschönerungsvereins, der eine 48 Meter breite Linden-Allee von der Eisenbahnbrücke an der heutigen Schoellerstraße über den Kreisverkehr bis zum Muttergottes-Häuschen anlegen soll. Das geht aus der „Zeittafel zur Geschichte Dürens 747 – 1997“ hervor (Hans J. Domsta, Helmut Krebs, Anton Krobb). Die Allee wird bis zum Kreisverkehr, der 1871 noch unter der Bezeichnung Kreuzberg bekannt ist, fertig.

Werners wird in Buscherhof bei Düsseldorf geboren und studiert in Bonn und Münster Philologie. Wie die Dürener Zeitung am 9. Dezember 1949 unter der Überschrift „Dürens Bürgermeister des vergangenen Jahrhunderts“ berichtet, war Werners „nach dem Urteil seiner Zeitgenossen ein Mann von hoher Intelligenz, rastloser Tatkraft und unverzagter Begeisterung“.

Er sei „energisch und energieerregend“ gewesen. Seine Amtswirkung sei ein „Ruhmesblatt in der Geschichte der Stadt“. Als Werners 1868 Bürgermeister wird, hat Düren 11 000 Einwohner. 1894, im Jahr seines Todes, hat sich die Zahl verdoppelt.

Werners Amtszeit fällt in zwei wichtige historische Abschnitte. 1871, drei Jahre nach seiner Amtsübernahme, wird das Deutsche Reich gegründet, Bismarck wird Kanzler und aus dem vormaligen Vielstaatengebilde ein Kaiserreich mit Wilhelm I. als Staatsoberhaupt. Seit dem Wiener Kongress 1814/15, der Europa nach der über 20-jährigen französischen Vorherrschaft völlig neu ordnet, gehört das Rheinland - und damit auch Düren – zur preußischen Rheinprovinz.

Werners wird 1868 gewählt. Zu der Zeit herrscht das aus heutiger Sicht völlig undemokratische, ungleiche und komplizierte Drei-Klassenwahlrecht, das den Gang zur Urne von der Steuerleistung, aufgeteilt in drei Abteilungen, eben „Klassen“, abhängig macht. Wählen dürfen überdies nur Männer.

Es handelt sich um eine offene Stimmabgabe. Das Drei-Klassen-Wahlrecht begünstigt in starkem Maß die wohlhabendste Schicht, die in manchen Städten nur vier Prozent der Steuerzahler ausmacht, aber dennoch ein Drittel der Wahlmänner bestimmen kann.

Die dritte Abteilung, die wirtschaftlich schlechter Gestellten, machte oft mehr als 80 Prozent aus – und hatte dennoch auch nur ein Drittel der Wahlmänner zu bestimmen, während die Besitzlosen überhaupt nicht wählen durften. Gewählt wurde eben über diese Wahlmänner die Stadtverordnetenversammlung, die dann den Bürgermeister für zwölf Jahre ernannte.

In Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern, wie Düren zu der Zeit, musste der Bürgermeister vom König bestätigt werden. Bei Werners erster Wahl war das der preußische König Wilhelm I.

Werners wird am 25. Mai 1880 wiedergewählt, im August 1893 ernennt ihn der Rat zum Oberbürgermeister. Neben seiner politischen Tätigkeit macht er sich auch als Heimatforscher einen Namen, obwohl er nicht aus Düren stammt, sondern zuvor Bürgermeister in Andernach war.

1880 veröffentlicht er eine Sammlung von Redensarten, Sprichwörtern und Rätseln mit dem Titel „Dürener Volksthum“. Der Bürgermeister tritt auch als Herausgeber in Erscheinung. 1876 veröffentlicht er die gesammelten Werke des Dürener Heimatdichters Joseph van der Giese (1803 bis 1850).

Als Werners 1894 stirbt, wird er auf dem damaligen Friedhof an der Kölnstraße (heutiger Adenauer-Park) beigesetzt. Als der Friedhof Anfang des 20. Jahrhunderts aufgelöst wird, erhält Werners eine Grabstätte auf dem Neuen Friedhof im Osten Dürens.

Der Grabstein ist noch heute in einer Reihe verstorbener Dürener Persönlichkeiten nahe der Trauerhalle zu sehen. Auf dem Friedhof befindet sich auch die Ruhestätte von August Klotz, Werners Nachfolger im Amt des Dürener Bürgermeisters.

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