Der Anwalt für die Natur

Von: Ingo Latotzki
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Stadtförster Rudolf Niehaus v
Stadtförster Rudolf Niehaus vor einem der Bunker, in denen heute Fledermäuse einen Lebensraum finden. Über die Sanierung hat der 36-Jährige eine Studienarbeit geschrieben. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Wenn Rudolf Niehaus über seinen Beruf spricht, leuchten seine Augen. „Ich bin angekommen”, sagt er, „ich habe mein Ziel erreicht.” Niehaus, 36, ist Stadtförster in <b>Düren.</b> Eine nüchterne Bezeichnung, die nicht das ausdrückt, was für Rudolf Niehaus dahintersteckt.

„Ich bin eine Art Anwalt der Natur”, sagt er und wieder leuchten seine Augen.

Wir treffen uns, natürlich, in der Natur. Es ist angenehm warm, Vögel zwitschern, um uns herum ist es grün. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, weil Stadtförster Niehaus die Natur auch schützen will. Ein paar Meer von uns entfernt steht ein Munitionsbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Fassade ist mit bunten Graffiti bemalt. Innen drin dürften sich Fledermäuse aufhalten. Die Bunker sind soweit saniert worden, dass sie als Lebensraum für die nachtaktiven Tiere taugen. Auch das ist Niehaus ein Anliegen.

Er hat eine Projektarbeit für sein Studium zu dem Thema geschrieben: dabei geht es auch um den Schutz der Bunker gegen unbefugtes Betreten. „Früher”, erzählt Niehaus, „war das hier ein Treffpunkt für viele Leute, aber es ist besser für die Tiere, wenn es ruhiger ist.” Deshalb sollen wir nicht an die große Glocke hängen, wo genau sich die Bunker befinden.

Wenn man dem Förster zuhört, spürt man die Begeisterung für seinen Job. Als wir später durch die Boisdorfer Felder fahren, erzählt Niehaus davon, dass es hier auf mehr als 20 Hektar so genannte Ausgleichsflächen gibt. Firmen, die etwa ihr Gelände erweitern und dabei Natur vernichten, müssen anderswo einen Ausgleich schaffen, etwa in Rölsdorf. Niehaus kennt die Gegen wie seine Westentasche, er kennt die Leute hier, sie kennen ihn. Auch das zählt zu seinem Selbstverständnis: „Die Menschen sollen wissen, wer ich bin.”

Natürlich ist er einen Großteil seiner Arbeitszeit im Dürener Stadtwald unterwegs. Aber nicht die meiste Zeit. Ein Förster im Jahre 2011 sitzt auch ziemlich viel im Büro, sagt Niehaus. Es gebe jede Menge Verwaltungsarbeiten und Anfragen von Bürgern. „Die will ich alle sehr sorgfältig beantworten”, sagt Niehaus. Der Förster aus dem Jahre 2011 ist schon lange nicht mehr nur Waldarbeiter. Einer wie Niehaus, der mit seiner Stelle dem Dürener Service Betrieb (DSB) angeschlossen ist, hat studiert: Forstwirtschaft.

Ob er jeden Baum, jeden Strauch, jedes Tier im Burgauer Wald kennen würde, wollen wir wissen. „Na ja”, sagt er, „ich denke schon.” Sein Wissen vermittelt er auch in Führungen für Kinder etwa. Ansonsten schaut er, dass der Wald so bleibt wie er ist. Dass die Wege in Ordnung sind, keine gefährlichen Äste in der Landschaft hängen. Entsprechend ist Niehaus unterwegs. Er fährt einen kleinen Jeep. Hinten drin und immer dabei: zwei Teckel. Die Hunde weichen nicht von seiner Seite und als wir uns unterhalten, legen sie sich ins Gras und dösen vor sich hin.

Dass nur ein paar Meter entfernt im Bunker wahrscheinlich Fledermäuse schlafen, stört sie nicht. „Es war damals ein glücklicher Zufall, dass wir den Bunker herrichten konnten”, sagt Niehaus. Das Langerweher Ehepaar Körber hatte ähnliche Pläne und ruckzuck konnte das Projekt mit Hilfe des Kreises Düren in Angriff genommen werden. „Die Lebensräume für diese Tiere werden immer knapper”, sagt Niehaus, „da muss man helfen.” Und da blitzen sie wieder, seine Augen und jedes Wort, das der Förster spricht, zeigt, dass er seinen Job nicht als Beruf, sondern als Berufung sieht.

Rudolf Niehaus, 36, stammt aus Norddeutschland. Seit 2002 ist er in Düren. Er fing als Forstarbeiter an, bevor er ab 2008 ein Studium Forstwirtschaft in Lohr am Main absolvierte. Niehaus ist ledig. In seiner Freizeit hält er sich am liebsten wo auf? „Im Wald”, sagt er und unterstreicht damit, wie gerne er seinen Beruf ausübt. Bevor der Förster nach Düren kam, arbeitete er unter anderem in Bielefeld und Bremen. Er wuchs in Cloppenburg auf. 320 Hektar Waldals Arbeitsfläche

Dürens Förster Rudolf Niehaus ist für das gesamte Stadtgebiet zuständig. Ihm zur Seite stehen einige Waldarbeiter. Der Burgauer Wald ist mit 320 Hektar sein größtes Betätigungsfeld. Dort leben unter anderem Rehe, Dachse, Marder und auch Waschbären, sagt Niehaus. Neben Blindschleichen und Feuersalamandern gibt es auch Eisvögel und verschiedene Spechtarten.
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