Deniz Naki hat seine Heimat nicht vergessen

Von: Guido Jansen
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Deniz Naki vor einem der Hochh
Deniz Naki vor einem der Hochhäuserv am Miesheimer Weg - hier hat der Fußballprofi gelebt. Foto: Guido Jansen

Düren. „Sind Ihre Freunde alle Zuhälter?” Als Deniz Naki die Frage hört, muss er grinsen. „Quatsch. Nicht alle”, sagt er und grinst noch breiter. „Im Ernst: Nein.” Der Dürener Fußball-Profi (FC St. Pauli) hat schon häufiger für Schlagzeilen gesorgt.

Zum Beispiel mit diesem Spruch. „Ich komme aus der Gosse. Da wird man entweder Zuhälter oder Fußballprofi.” Das hat er über seine Herkunft, den Miesheimer Weg in Düren, gesagt. Ein sozialer Brennpunkt.

Heute noch treffen sich Naki und seine Freunde dort, wenn der Fußballer frei hat und bei seiner Familie zu Besuch ist. „Heute passiert hier nicht mehr viel”, berichtet der 21-Jährige. „Aber damals war das schon ziemlich gefährlich hier”, sagt Naki. Und seine Freunde, die auf einer Bank unter einem Baum am Miesheimer Weg sitzen, nicken. „Ein paar von den Jungs haben Ärger mit der Polizei. Sie bauen oft Scheiße”, sagt er, diesmal völlig im Ernst.

Drei Dinge habe er gehabt, die ihn davon abhielten, auf die schiefe Bahn zu geraten. Talent, Glück und seinen Vater. „Mein Vater hat mich damals oft in den Hintern getreten und darauf geachtet, dass ich nicht anfange, Blödsinn zu machen.” Früher hat sich Naki häufig über seinen Vater geärgert. Zum Beispiel, dass Naki Senior seinen Sohn immer gesucht und mitgenommen hat, wenn er nicht zur vereinbarten Uhrzeit zu Hause war. „Ohne ihn hätte ich es nicht so weit gebracht”, sagt der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler.

Angefangen hat Nakis Laufbahn am Miesheimer Weg. Zwischen den großen Wohnblöcken. Da, wo eigentlich Fußballspielen verboten war. „Wir brauchten uns nicht zu verabreden. Jeden Samstag haben wir uns automatisch getroffen”, erzählt der 21-Jährige. Auf einer Wiese. Oder einfach auf Beton. Naki ist ein klassischer Straßenfußballer. In jungen Jahren hat´s ihn und seine Freunde zu Düren 77 verschlagen. Für Naki und Kumpel Yunus Kocak, der heute in Arnoldsweiler spielt, ging es schnell zum FC Niederau, dem Klub mit der besten Jugendarbeit im Kreis. „Trainer Carsten Heuser hat uns mit dem Auto abgeholt. Oder Yunus und ich sind zu zweit mit einem Fahrrad nach Niederau gefahren.”

Zwei Ziele

Die Jahre in Niederau und das Training im DFB-Stützpunkt in Echtz haben dem heutigen Profi weiter geholfen. Mit 13 ist er zu Bayer Leverkusen gewechselt, 2008 wurde er mit der Junioren-Nationalmannschaft Europameister. 2009 wechselte er zum FC St. Pauli und zählte dort zu den gefeierten Aufstiegshelden. Die Kietz-Kicker sind abgestiegen. Jetzt hat Deniz Naki zwei Ziele. Das eine ist sportlicher Natur. „In der kommenden Saison spiele ich wieder 2. Liga, danach will ich hoch in die Bundesliga. Und ich werde alles dafür tun, um dort zu bleiben.”

Wo Naki demnächst spielt ist noch unklar. Vertrag hat er bei St. Pauli, Alemannia Aachen buhlt seit Wochen heftig um ihm. Das zweite Ziel liegt nicht auf dem Sportplatz, sondern am Miesheimer Weg. „Wenn ich genug Geld verdient habe, dann will ich hier etwas aufbauen. Etwas, bei dem meine Kumpels, die keinen Job haben, Arbeit finden. Dann bauen sie auch keine Scheiße mehr.”
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