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Den Ball am Geräusch verfolgt

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Tobias Schmitz ist eigentlich Fußgänger, am Dienstag hat er beim Rollstuhlbasketball ausprobiert, wie man sich als Rollifahrer fühlt. Foto: Sandra Kinkel

Langerwehe. „Wenn ich jetzt auf der Straße einen blinden Menschen sehe, würde ich mich mehr trauen, auf ihn zuzugehen und ihm meine Hilfe anzubieten.” Jessica Reinartz (15), Zehntklässlerin der Gesamtschule Langerwehe, sieht ein klein bisschen nachdenklich aus.

Es ist Dienstag Mittag, 12 Uhr, das Mädchen sitzt mit ihren Mitschülern in der Turnhalle und hat gerade eine etwas ungewöhnliche Sport-Doppelstunde erlebt: Ein Teil der Jugendlichen hat mit Jan Haller und Max Poulet, die beide in der ersten Bundesliga aktiv sind, Rollstuhlbasketball gespielt. Die anderen haben undurchsichtige Brillen angezogen und mit Maik Schröer Goalball, eine Ballsportart für Blinde und Sehbehinderte, gespielt.

Die Deutsche Telekom hatte im Sommer alle weiterführenden Schulen in NRW angeschrieben, um ihr Programm „Neue Sporterfahrung” vorzustellen. Und Thomas Janek, Fachbereichsleiter Sport an der Langerwehe Gesamtschule, hat sich dafür beworben. Fünf Klassen der Wehter Schule konnten am Dienstag mitmachen. „Das ist einfach eine grandiose Idee”, so Janek, „dass die Schüler auf diese Weise am eigenen Leib erfahren, dass auch Behindertensport eine sehr anstrengende und schwierige Angelegenheit ist.”

Jessica und Kevin Müller haben Goal-Ball gespielt. „Es war schon komisch, dass man plötzlich nichts mehr sehen konnte”, so Kevin. „Und ich hatte auch ein bisschen Angst, irgendwo gegen zu laufen oder jemanden umzulaufen.” Und Jessica ergänzt: „Wir mussten uns ganz genau auf die Geräusche des Balls konzentrieren. Das war gar nicht so einfach, weil es ja auch noch so viele andere Geräusche gibt.”

Auch Tobias Schmitz (16) und Zeynep Kahveci (16), die beide Rollstuhlbasketball gespielt haben, haben außergewöhnliche Erfahrungen gemacht. „Ich habe da nie wirklich drüber nachgedacht”, so Tobias, „aber Rollstuhlfahren ist gar nicht so einfach.” Man fühle sich hilflos, wenn man plötzlich im Rollstuhl sitze, so Zeynep. „Aber irgendwie ist man auch stolz, dass man die Situation im Rollstuhl meistert. Und so geht es den Behinderten vielleicht auch. Ich finde es gut, wenn man die Menschen, die wirklich betroffen sind, jetzt viel besser versteht.” Genau das will das Projekt „Neue Sporterfahrung” erreichen. Thomas Stephany: „Wir wollen hier keine Schüler-Bespaßung machen, sondern bei den Schülern mehr Verständnis für behinderte Menschen wecken und zeigen, wie viel die in ihrem täglichen Alltag leisten.”
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