Düren - „Den Akteuren wird sehr viel abverlangt”

„Den Akteuren wird sehr viel abverlangt”

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Düren. Große Musicalproduktionen haben am Franziskus-Gymnasium in Vossenack schon Tradition. 1992 ging es los, 1994 wurde „Masken” aufgeführt, zwei Jahre später „Tempora” und dann „Exodus, „Artistica”, „Francesco und der Tanz mit dem Tod” und im vergangenen Jahr die „Leidenschaften in G-Dur”.

Jetzt probt das „Exart-Musiktheater” an seiner jüngsten Produktion „Finale Grande”. Das Musical handelt vom Schicksal des berühmten Artisten Piet Pepper, der beruflich und privat plötzlich vor dem Aus steht. Autor und Regisseur des neuen Musicals ist Clemens Amendt, der im „richtigen” Leben Lehrer für Geschichte, Politik, Sozialwissenschaften und Sport am Franziskus-Gymnasium ist. Im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Sandra Kinkel erzählt der Pädagoge, warum Musicals an seiner Schule eine Tradition haben und mit wie viel Freude und Elan die jungen Talente bei der Sache sind.

Wie kommt es, dass Ihre Schule so großartige Musicalproduktionen hervorbringt? Sind die Schüler des Franziskus-Gymnasiums besonders talentiert?

Clemens Amendt: Ich denke, dass in jeder Schule viele Talente schlummern. Die zu entdecken, zu wecken und zu fördern ist der besondere Reiz. Unsere Schule hat zwei tolle Komponisten hervorgebracht, das war ein wirkliches Geschenk. Ansonsten glaube ich nicht, dass wir besser sind als andere Schulen, aber an unserer Schule gibt es eine besonders große Motivation und sehr viel Gemeinschaftsgefühl. Das sieht man daran, dass auch viele Ehemalige bei unserem Musical mitmachen.

Hängt dieses Gemeinschaftsgefühl damit zusammen, dass das Franziskus-Gymnasium Internat und Klosterschule ist?

Amendt: Am Internat liegt es sicher nicht, weil keiner, der bei unserem Musical mitmacht, Schüler des Internates ist. Fakt ist, dass unsere Schule einen sehr familiären Charakter hat, und es wirklich ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl gibt. Es gibt sehr viele Beziehungen innerhalb der Schülerschaft, auch jahrgangsstufenübergreifend. Hier bekommt jeder die Möglichkeiten, seine Fähigkeiten einzubringen.

Fast 70 Leute machen bei „Finale Grande” mit.

Amendt: Genau, und fast alle sind Laien, aber sehr talentierte Menschen. Ganz viele sind schon über zehn Jahre dabei, und wir bekommen viel professionelle Hilfe von Ehemaligen, die jetzt in der Musik- oder Kunstbranche arbeiten. Und die unsere Talente so fördern und fordern, dass sie über sich hinaus wachsen können.

Sie arbeiten seit zweienhalb Jahren an der aktuellen Musicalproduktion. Ist sie ähnlich einzuordnen wie Ihr großer Erfolg „Exodus”?

Amendt: Vom Umfang, der Anzahl der Schauspieler, von der Dramaturgie und vom Anspruch ist „Finale Grande” sogar noch größer als Exodus. Schauspielerisch, tänzerisch und gesanglich wird unseren Akteuren sehr, sehr viel abverlangt. Aber natürlich wissen wir jetzt noch nicht, wie es ankommt.

Musicals gibt es derzeit wie Sand am Meer. Warum haben Sie sich ausgerechnet für dieses Genre entschieden?

Amendt: Naja, der Begriff Musical ist sehr schwammig. Da gibt es ganz unterschiedliche Dinge von der „West Side Story” bis hin zu „Monty Python´s Spamalot” in Köln, was ja eigentlich fast nur Entertainment und Fun ist. „Finale Grande” ist kein Stück zum Klatschen. Natürlich wollen wir die Leute auch unterhalten, und wir wollen sie auch begeistern. Aber bei uns geht es auch um existenzielle Fragen, die auf künstlerische Art und Weise thematisiert werden. Man soll bei uns auch Dinge erfahren, Antworten bekommen.

Ihre jüngste Akteurin ist elf Jahre alt. Sie proben zwei bis vier Mal in der Woche, ohne Zweifel ist da die Belastung für die Schauspieler sehr groß. Inwieweit profitieren die Schülerinnen und Schüler von ihrer zweiten „Karriere” als Musicaldarsteller?

Amendt: Die Schülerinnen und Schüler lernen, sehr konzentriert zu arbeiten und in eine Rolle, die sie sonst nicht inne haben, hinein zu tauchen Sie machen und verkörpern Dinge, die sie sonst für unmöglich gehalten hätten. Die jungen Leute bekommen viel Selbstvertrauen, weil sie zeigen, was sie können, weil sie Herausforderungen bewältigen und bis an ihre Grenzen gehen. Das hilft auch bei der Persönlichkeitsentwicklung.

Strahlt das auch in den Schulalltag?

Amendt: Bei unserer Musicaltruppe entsteht eine große Gemeinschaft. Wir sind ein Team, alle arbeiten auf das gleiche Ziel hin, alle sind gleich wichtig. Und das strahlt durchaus auch in die Schulgemeinschaft aus.
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