Demenz: Ein Plus von 50 Prozent in Düren

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
7469016.jpg
Fordert beim Thema Demenz eine bessere Vernetzung der Aktivitäten: Oberarzt Herbert Breuer. Foto: B. Giesen

Düren. Dass unsere Gesellschaft altert, ist keine neue Erkenntnis. Nur wenige Kommunen bereiten sich darauf vor. Verbunden mit dem demografischen Wandel ist aber auch eine Zunahme altersbedingter Erkrankungen wie der Demenz.

Das Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat dazu in seinem „Demenz-Report“ erschreckende Zahlen veröffentlicht. Waren im Jahr 2008 demnach auf 100.000 Einwohner berechnet 1467 Menschen in der Stadt Düren an Demenz erkrankt, werden es im Jahr 2025 2198 Menschen sein. Im Krankenhausplan 2015 des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums geht man davon aus, dass sich die Zahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird. „Die Demenzkranken werden dann den größten Teil der zu pflegenden Menschen ausmachen“, sagt Oberarzt Herbert Breuer, Leiter der Palliativmedizin im St. Augustinus Krankenhaus Düren.

Wie können sich Kommunen und Politik darauf vorbereiten? „Die Politik muss frühzeitig reagieren. Man kann dieses Problem nicht den Familien überlassen“, weiß Breuer aus eigener Erfahrung. Einen an Demenz erkrankten Menschen zu versorgen erfordert viel Zeit. Oft werde nur eine medikamentöse Therapie verordnet, stattdessen müssten Trainingsprogramme für die Betroffenen her. Studien hätten belegt, so Breuer, dass man mit dem täglichen Üben von motorischen und geistigen Fähigkeiten die Alltagstauglichkeit stabil halten könne. Breuer: „Dazu müsste man aber viel Geld in die Hand nehmen.“ Immerhin erfordert das den Einsatz von geschulten Fachkräften.

Schon jetzt können immer mehr Familien ihre dementen Angehörigen nicht mehr alleine versorgen. Die Folge: Immer mehr Heimplätze werden benötigt. Breuer schätzt, dass aktuell etwa ein Drittel der Menschen, die in Pflegeheimen untergebracht sind, an Demenz erkrankt sind. Diese Zahl wird in den kommenden Jahren spürbar ansteigen. Darauf müssen sich auch Einrichtungen wie Krankenhäuser vorbereiten. Breuer: „Der erste Schritt muss schon in der Notaufnahme erfolgen. Hier muss eine spezielle Ansprache erfolgen. Sie können einen dementen Patienten nicht eine Stunde warten lassen.“

Das setzt sich im Patientenzimmer fort und reicht bis zum speziell geschulten Personal. Breuer: „Jedes Krankenhaus sollte Demenzkranke ihren Bedürfnissen gerecht versorgen können. Es reicht nicht, sie einfach ruhig zu stellen und zu fixieren. Damit tut man ihnen Gewalt an.“ Breuer würde noch einen Schritt weitergehen, denn eigentlich bräuchte es seiner Meinung nach in den Krankenhäusern eigene Demenzstationen, die aber gäbe es bisher allenfalls als Pilotprojekte.

So sind zum Beispiel Krankenhäuser derzeit noch gezwungen, in Vorleistung zu treten, oder entsprechende Stationen anderen Abteilungen anzugliedern.

Wie zum Beispiel in Linnich, wo es sieben Betten für an Demenz erkrankte Patienten als Teil der Station für Innere Medizin gibt. Auch der Antrag des Jülicher Krankenhauses, möglichst bald eine eigene geriatrische Abteilung zu eröffnen, trägt dem Rechnung. Für den Dürener Mediziner ist aber noch ein anderer Punkt wichtig: Beschäftigen sich im Kreis Düren bisher nur Einzelorganisationen mit dem Thema Demenz, wären hier vernetzte Aktivitäten sinnvoll: Breuer: „Der Flickenteppich muss zusammenwachsen. Hier könnte der Kreis Düren eine Vorreiterrolle einnehmen.“

Wie wichtig das wäre, macht ein ganz anderer Punkt deutlich: Unter dem Motto „Demenz und Palliativmedizin – Herausforderung der Zukunft!?“ hält Breuer am Mittwoch in Zusammenarbeit mit der AOK gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Brand, Facharzt für Neurologie, einen Fachvortrag im Medizinischen Zentrum des Augustinus-Krankenhauses. Eine Veranstaltung, zu der man sich anmelden musste. Und der Andrang war so groß, dass kein Platz mehr frei ist. Das Interesse an dem Thema ist also mehr als nur vorhanden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert