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Dem islamischen Religionsunterricht „eine Chance geben”

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:
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Den Islam kennenlernen, nicht nur in der Moschee an der Veldener Straße: Muslimische Kinder und Jugendliche in Düren sollen islamischen Religionsunterricht in der Schule erhalten. So will es Integrationsminister Armin Laschet. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Islamischer Religionsunterricht soll bald an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen, also auch in Düren, erteilt werden. So will es NRW-Minister Armin Laschet (CDU), und auch der Dürener Schulausschussvorsitzende Herman-Josef Geuenich (CDU) ist nicht abgeneigt.

Im Gegenteil. „Diesem Unterricht sollte man eine Chance geben”, teilte er auf Anfrage der „DN” mit.

Ab wann genau der reguläre islamische Religionsunterricht landesweit eingeführt wird, steht noch nicht fest. Es wird zunächst ab 2010/11 etliche Schulversuche geben. Geuenich, der an „seiner” Heinrich-Böll-Gesamtschule über Erfahrungen mit Islamunterricht verfügt, besteht allerdings darauf, dass dieser Unterricht an den Schulen in enger Kooperation mit den Lehrern für katholische und evangelische Theologie und mit denen für das Fach Philosophie erteilt wird.

Voraussetzung für den islamischen Religionsunterricht sei, der Ansicht ist der Vorsitzende des Integrationsausschusses Peter Koschorreck (SPD), „dass es überhaupt genug in Deutschland ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen gibt”. Tatsache sei, dass es derzeit viel zu wenig Lehrer gibt. Die Ersten werden derzeit in Münster und Frankfurt ausgebildet.

Insgesamt, so Koschorreck, müsse ein moderner Islam gelehrt werden, der die alten Schriften nicht eins zu eins umsetzen will, sondern sie zeitgemäß interpretiert. Im Integrationsausschuss habe man sich schon mit den Ideen des NRW-Integrationsministers befasst und sie wohlwollend geprüft.

Agic Sakir, Vorsitzender des Islamischen Kulturvereins in Düren, kann ebenfalls dem islamischen Religionsunterricht nur Gutes abgewinnen. Dieser Unterricht muss in deutscher Sprache und von in Deutschland ausgebildeten Pädagogen erteilt werden. „Er macht aber den Unterricht in der Moschee nicht überflüssig”, stellt Agic Sakir klar. Im Koranunterricht in den Moscheen werde gelehrt, wie man betet und was im Koran steht. In der Schule gehe es dagegen um allgemeines Basiswissen zum Islam.

Geuenich kann dem nur zustimmen: Neben dem Religionsunterricht in den Schulen gebe es ja für Christen auch noch Kommunion- und Firmunterricht sowie den Konfirmationsunterricht. Es wäre „ungerecht und widersprüchlich”, so Geuenich, wegen des Unterrichts in der Schule die Unterweisung in der Moschee zu verbieten.

Ein Experte in Sachen islamischer Religionsunterricht ist in Düren der Pfarrer Dr. Dirk Siedler. Er moderiert den christlich-islamischen Gesprächskreis, den es in der Rurstadt seit 13 Jahren gibt. Im Kirchenkreis ist er Synodalbeauftragter für das christlich-islamische Gespräch. Von 1999 bis 2003 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Duisburger Uni, wo er den Modellversuch „islamische Unterweisung in deutscher Sprache” wissenschaftlich begleitete. Seit 30 Jahren werde über islamischen Religionsunterricht geredet, so Siedler, „Minister Laschet macht jetzt ernst”.

Was der evangelische Pfarrer begrüßt. „Diesen Unterricht sollte es an jeder Schule geben, wo es eine nennenswerte Gruppe von Muslimen gibt, und wo die Eltern und Kinder das wünschen”. Denn Religion sei Teil unserer Bildung. Und die eigener Religion und die der anderen kennen zu lernen, das sei wichtig, „um sich in der pluralen Gesellschaft zurecht zu finden”.

Ja, auch Siedler ist der Meinung, dass Schulunterricht den Koranunterricht in der Moschee nicht überflüssig mache. Das Fach Religion befähigt „auch zur Selbstkritik, das ist wissenschaftlicher Umgang mit Religion”. Der Koranunterricht dagegen mache allein vertraut mit dem Koran.

Siedler weiß: „Die islamische Landschaft ist vielfältig”. Und er ist gespannt darauf, wie das Ministerium mit den unterschiedlichen Strömungen unter den Muslimen umgehen wird. Wenn Kinder in umfassender Form über ihre Religion informiert werden, sei das ein Zeichen, „dass sie hier willkommen sind, dass sie angekommen sind”. Das, so Siedler, werde auch in Düren die Integration fördern.
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