Dem Bremer bekommen die Kurven nicht

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Ein Plausch mit dem Bestseller-Autor: David Safier (links) hat am Donnerstagabend auf Burg Hengebach aus seinem neuen Roman gelesen. Danach nahm sich der Autor Zeit für Autogramme und die Fragen seiner Foto: Sarah Maria Berners

Heimbach. „Als Flachland-Bremer bin ich solche Serpentinen einfach nicht gewohnt”, sagt David Safier lächelnd. Der Bestseller-Autor ist etwas blass um die Nase. Mit der braunen Umhängetasche über der Schulter lehnt er sich an die Mauern der Burg Hengebach und lässt den Blick über die Landschaft schweifen. „Schön hier.”

Aber die Übelkeit verschwindet schnell. Safier ist gut drauf an diesem Abend. Vermutlich ist es ein Vorteil, dass er die Textpassagen seines neuen Buches „Plötzlich Shakespeare” nicht schon etliche Male vorgelesen hat. Auf Einladung von Josef Zierden, dem Macher des Eifel-Literaturfestivals, ist Safier („Mieses Karma”, „Jesus liebt mich”) nach Heimbach gekommen. Seine Frau hat er, was auch nicht oft passiert, mitgebracht.

Die 120 Besucher im ausverkauften Saal kommen in einen seltenen Genuss, denn eine Lesereise macht Safier mit seinem neuen Roman nicht.

Die Geschichte, die Safier liest, ist turbulent, verzwickt, schräg, absurd. Sie erzählt von der frustrierten, unter Liebeskummer leidenden Rosa, die Dank einer Hypnosetherapie eine Zeitreise in den Körper von William Shakespeare macht. Ein Frauenroman mit Fantasy-Einschlag. Viele Fans kennen die Passagen schon und kichern, bevor Safier überhaupt bei der Pointe ankommt. „Sie werden sich aber wundern, wie Leute zu einer Lesung mitgeschleppt werden”, sagt Safier. „Ehemänner zum Beispiel.”

Leichtes Spiel hat er trotzdem, die Bücherfreunde sind gut drauf, lassen sich mitreißen. Vor allem von den Anekdoten aus dem Leben eines Bestseller-Autors, die Safier in seinen Lesepausen szenisch untermalt. Zum Beispiel von seinem ersten unbeholfenen Auftritt im Blitzlichtgewitter und davon, dass die Begeisterung für einen Bestseller-Autor „interfamiliär nicht besonders groß ist”. Sein ältester Sohn fände es viel cooler, wenn er wieder mehr für das Fernsehen oder Kino machen würde.

Preisgekrönte Drehbücher

Denn das hat Safier vorher gemacht. Er hat die Drehbücher zu „Berlin, Berlin” und „Nikola” geschrieben und damit so manchen Preis eingeheimst. Und warum jetzt Romane? „Das ist ganz einfach auch eine Frage der Produktionskosten. Wenn ich in ein Drehbuch schreibe: Heimbach, Burg, 300 Leute, dann kommt der Produzent und fragt: Können das nicht nur zwei Leute sein, und muss es unbedingt eine Burg sein?´” In einem Roman koste jede Seite das gleiche, egal ob er ganze Heere auffahre oder Indianerkriege im Weltall veranstalte.

„In einem Roman hat man viel mehr Freiheiten, um seine Fantasie spielen zu lassen.” Außerdem seien Fernsehsender eher ängstlich und er könne nicht so wild schreiben, wie er es in seinen Romanen tue. Viele verrückte Ideen lassen sich in einem Buch einfach viel besser darstellen.

Drogen genommen?

„Welche Drogen nehmen sie eigentlich, wenn sie ihre Bücher schreiben? Das bin ich wirklich schonmal gefragt worden”, erzählt Safier aus dem Leben eines Bestsellerautors. „Aber Inspiration kann alles sein, und manchmal entsteht sie auch aus Verzweiflung.” Das Publikum stellt seine Fragen nur zögerlich. Ob er Lesereisen furchtbar fände, möchte eine Dame wissen. „Oh Gott, was habe ich nur für einen Eindruck gemacht?”, will Safier wissen. Einen guten - dafür sprechen die fröhlichen Gesichter und erst recht der Absatz am Bücherstand.
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