Gürzenich - Das wandelnde Geschichts-Lexikon

Das wandelnde Geschichts-Lexikon

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
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Hobby-Historikerin Marlene Loevenich in ihrem Garten. Das Bild ist aus dem Wintergarten des Hauses gemacht, links eine Glasarbeit mit der Gürzenicher Kirche, rechts die Schlosskapelle von 1718. Foto: Ingo Latotzki

Gürzenich. Immer wieder dienstags. Akten wälzen, Schriftstücke lesen, Bücher sichten. Marlene Loevenich ist im Dürener Stadtarchiv eine alte Bekannte. Einmal in der Woche kommt die 66-Jährige, um zu forschen: über Gürzenich, ihren Heimatort.

„Fragen Sie mich irgendetwas, ich werde es beantworten können oder herausfinden”, sagt Marlene Loevenich. Die Hobby-Historikerin zeigt auf einen Schrank in ihrem Wohnzimmer. Ein Schrank voll mit Aktenordnern, voll mit Gürzenicher Historie. Marlene Loevenich ist ein wandelndes Geschichtslexikon.

Mit 16 fängt sie an, sich für die Vergangenheit zu interessieren. Ihr Großvater betreibt Ahnenforschung und gibt der Enkelin einen entscheidenden Anstoß. Sie macht es ihm nach. Das ist auch deshalb eine glückliche Fügung, weil sich Marlene Loevenich speziell für Bauernhöfe in ihrem Heimatort interessiert; sie lebt selbst auf einem, heute ist das Anwesen an Schillingstraße als Spargelhof über Gürzenich hinaus bekannt.

„Mich interessieren die Quellen”, sagt sie. Das Neue, das Unbekannte. Dann kann es sein, dass es sie richtig packt. Auch die Ortskreuze interessieren sie. Natürlich, die meisten kennt sie aus dem Effeff. Aber da steht eins in der Straße „Neue Aue”. Das ist immer noch ein kleines Rätsel. Die beiden Buchstaben C und P stehen auf dem Kreuz, „mit Sicherheit die Initialen des Spenders”, sagt Marlene Loevenich. „Aber ich weiß nicht, wer er ist.”

Der Volksmund erzählt in Gürzenich, dass an der Stelle, wo heute das Kreuz steht, ein Bauer verunglückt ist. Marlene Loevenich mag daran nicht glauben. Sie wird weiter forschen, auch wenn es zu den Kreuzen keine Quellen gibt.

Und so könnte es kommen, dass die Ur-Gürzenicherin eines Tages ein Kapitel über das Steinkreuz „Neue Aue” schreibt. „Mein Computer ist voll”, sagt sie. Ihr Wissen will sie nicht für sich behalten, sie gibt es weiter, gerne, ab und an führt sie auch Kinder der Grundschule durch den Ort - hin zu historischen Orten.

Einer könnte das alte Ehrenmal an der Kirche sein, eine Anlage aus dem 17. Jahrhundert. „Früher war hier der Friedhof”, sagt Marlene Loevenich und zeigt auf Fotos in ihrem Ordner. Alte Steinkreuze, sehr alte.

Die ältesten in Gürzenich überhaupt. „Aber leider sind viele in einem schlechten Zustand”, sagt die leidenschaftliche Hobby-Historikerin, „da müsste mal was passieren”.

Bevor es zu spät ist. Damit würde sich Marlene Loevenich gar nicht abfinden wollen. Also macht sie weiter, immer weiter.

Nicht nur dienstags im Stadtarchiv.
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