Das lange Warten auf den Organspender

Von: Sandra Kinkel
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Drei, die ganz unterschiedlich
Drei, die ganz unterschiedliche Erfahrungen mit dem Thema Organtransplantation machen: Lothar Engel (links) wartet auf eine neue Niere, Katharina Leufgens lebt sei 22 Jahren mit einem fremden Organ und Dr. Bernd Wölbert betreut die Patienten im Nierenzentrum Düren. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Der Organspendeskadal hat uns weit zurückgeworfen. Sehr weit. Und mich macht das alles unglaublich sauer. Es ist für mich skandalös, wie einige Ärzte sich benommen haben.” Lothar Engel aus Düren ist 57 Jahre alt und wartet seit fünf Jahren auf eine neue Niere.

Der Energieberater leidet unter einer Niereninsuffizienz und muss zwei Mal in der Woche zur Dialyse. „Dieser Skandal macht mich sauer. Ich war überzeugt, dass mit dem neuen Transplantationsgesetz bei den Menschen die Bereitschaft steigt, Organspender zu werden. Aber jetzt? Ganz ehrlich, wenn ich nicht betroffen wäre, würde ich wahrscheinlich jetzt auch keinen Organspenderausweis mehr wollen.” Lothar Engel ist wütend auf die Ärzte, die an dem Organspendeskandal beteiligt waren.

Das neue Transplantationsgesetz sieht vor, dass jeder Bundesbürger ab 16 Jahre in Zukunft regelmäßig Post von seiner Krankenkasse bekommt, mit der sie mit der Frage nach der Bereitschaft zur Organspende konfrontiert werden. Anders als in anderen europäischen Ländern, bleibt es in Deutschland bei der Entscheidungslösung.

Lothar Engel: „In anderen Ländern gibt es die Widerspruchslösung. Das heißt, dass jeder so lange Organspender ist, bis er das Gegenteil behauptet. So eine Lösung würde ich mir eigentlich auch für Deutschland wünschen.” In den esten zwei Jahren, als er auf seine neue Niere gewartet habe, so Engel, habe er dauernd sein Handy beobachtet. „Das hat aber nachgelassen. Jetzt vergesse ich das Telefon manchmal im Auto. Aber ich wünsche mir das neue Organ schon sehr.”

Katharina Leufgen aus Vettweiß weiß genau, wovon Herr Engel spricht. Die 69-Jährige lebt schon mit ihrer zweiten Niere. „Das erste Organ war eine Leichenspende. Das hat mein Körper nach 14 Jahren abgestoßen.”

Die zweite Niere hat Frau Leufgen von ihrem Sohn bekommen. „Ich habe mich anfangs sehr dagegen gewehrt”, sagt die ältere Dame. „Aber mein Sohn hat gesagt, dass er mich gerne noch ein bisschen haben wollte. Und da habe ich dieses Geschenk angenommen. Aber leicht war es nicht.”

Das war vor 14 Jahren. Seitdem führt Katharina Leufgen ein fast normales Leben, von den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen im Nierenzentrum einmal abgesehen. Natürlich weiß sie, dass bei einer Lebendspende die Organe im Schnitt 20 Jahre funktionstüchtig bleiben. „Ich denke nicht ununterbrochen daran, was in sechs Jahren ist”, sagt Frau Leufgens. „Ich lebe mein Leben, gehe mit meiner neuen Niere und überhaupt meiner Gesundheit so gut wie möglich um und freue mich über jeden Tag, den ich habe.”

Lebenspenden, sagt auch Nierenfacharzt Dr. Bernd Wölbert, seien eine gute Methode. „Gerade bei jungen Patienten”, sagt der Arzt, „versuchen wir das so oft wie möglich.” Und in Sachen Lebendspende hätte das neue Transplantationsgesetzt, so Wölbert, schon Verbesserung geschaffen. „Weil die Spender jetzt endlich ordentlich versichert sind. Das war bisher nicht so. Im Notfall wurden sie lediglich durch einen Fonds versorgt. Das hat sich zum Glück geändert.”

Auch Lothar Engel hat natürlich schon über eine Lebendspende nachgedacht. Seine Frau käme vielleicht als Spenderin in Betracht, eventuell einer seiner Brüder. „Ich würde meine Geschwister nie danach fragen”, sagt Engel. „Das Angebot müsse schon von dem potenziellen Spender kommen. Aber auch dann hätte ich damit ein Problem.”

Im Augenblick, sagt Lothar Engel, ginge es ihm ja noch verhältnismäßig gut. „Aber die Dialyse zehrt natürlich an mir”, sagt er dann. „Es dauert immer länger, bis ich mich davon wieder erhole.” Lothar Engel macht eine kurze Pause. „Ich hoffe, die Ärzte tun was für ihr Image”, sagt er dann. „Damit vielleicht die Bereitschaft bei den Menschen steigt, sich einen Organspendeausweis zu besorgen.” Vielleicht hat er ja Glück. Im Schnitt warten Patienten in Deutschland sieben Jahre auf eine neue Niere.

Einen Organspendeausweis bekommt man in vielen Arztpraxen, in Düren unter anderem im Nierenzentrum in der Scharnhorststraße 24.
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