Hürtgenwald - Das klare Feindbild weicht der Vernunft

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Das klare Feindbild weicht der Vernunft

Von: Andreas Bongartz
Letzte Aktualisierung:
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Helmut Rösseler, Leiter des Geschichtsvereins, im Hürtgenwald-Museum. In den Händen hält er eine amerikanische Nebelgranate. Foto: Bongartz

Hürtgenwald. Eigentlich waren die Fronten klar abgesteckt, man könnte sagen verhärtet. „Wir hatten unser Feindbild”, gibt Helmut Rösseler unumwunden zu. Der Feind, das waren die Wissenschaftler.

Allen voran Dr. Karola Fings vom Kölner NS-Dokumentationszentrum. Ihr Urteil über das Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden” fiel knapp aus und kam bei den Mitgliedern des Geschichtsvereins Hürtgenwald gar nicht gut an: Als opulente Waffenschau hatte sie die Schau in der Pfarrer-Dickmann-Straße bezeichnet und damit einen zentralen Kritikpunkt formuliert.

Die Ausstellung des Geschichtsvereins ist aus der Sammelleidenschaft Einzelner über Jahrzehnte hinweg entstanden. Sie soll mit einer umfangreichen Sammlung an Dokumenten, Fotos und militärischen Exponaten rund um die verheerende Allerseelenschlacht 1944 im Hürtgenwald an diese unselige Phase der Heimatgeschichte erinnern und zum Frieden mahnen.

Da türmen sich also neben Modellen der Verteidigungslinien kommentarlos gleich reihenweise Bomben, Gewehre, Pistolen und Granaten, also eben jene Tötungswerkzeuge, die so vielen Menschen im Verlauf der Kämpfe das Leben genommen haben.

„Wir wollen nur demonstrieren mit welchen Mitteln damals gekämpft wurde”, sagt Helmut Rösseler, der Vorsitzende des Geschichtsvereins. „Das kann man so nicht machen”, erwidert Dr. Fings.

Wo wissenschaftliche Ansprüche auf ehrenamtliche Sammelleidenschaft treffen, ist der verbale Stellungskrieg vorbestimmt. Mittlerweile sind die Fronten gebröckelt. Wissenschaft und Ehrenamtler gehen aufeinander zu. Am Wochenende gab es im Museum eine Fachtagung, deren Gegenstand ein mögliches neues Präsentationskonzept für die Schau war.

Von der Veranstaltung verspricht sich Helmut Rösseler viel: „Wir wollen uns verändern und sind dankbar und froh über jede Hilfe.”

Konkrete Hilfsangebote gaben neben Dr. Karola Fings auch Prof. Dr. Jürgen Kunow, Direktor des LVR Amtes für Bodendenkmalpflege, Peter Quadflieg von der RWTH Aachen und Achim Konejung von der Konejung-Stiftung.

ie Sammlung der Ehrenamtler des Geschichtsvereins soll wissenschaftlich aufgearbeitet und nach modernen Standards museal präsentiert werden. Wie das genau aussehen könnte, wollen Quadflieg und Frings zusammen mit Studenten erarbeiten.

Klar sei, so Prof. Dr. Kunow: „Der Zwang zur Veränderung besteht.” Unbestritten sei aber ebenso, dass die Ausgangslage hierfür hervorragend sei: „Man hat hier eine eingeführte Marke mit hohem Bekanntheitsgrad und der Möglichkeit für eine Verknüpfung mit einer real existierenden Denkmallandschaft.”
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