Düren - Das halbe Leben nur verzockt

Das halbe Leben nur verzockt

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
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Düren. „Irgendwann war ich ganz unten. Ich wollte mich nur noch umbringen.” Wenn D. (Name ist der Redaktion bekannt) auf sein Leben zurück blickt, kommen Erinnerungen an deprimierende Momente hoch.

Der 39-Jährige kannte bis vor wenigen Monaten nur ein Zuhause: die Spielhalle. Mit 18 Jahren habe alles angefangen, erinnert sich der gelernte Anstreicher. „Freunde haben mich mitgenommen in die Spielothek.”

Immer mehr Zeit verbringt D. vor den Geldspielautomaten. Er wird, ohne es zunächst selbst zu bemerken, spielsüchtig. Zwei Partnerinnen wenden sich von ihm ab. „Dann habe ich erst recht nur noch vor den Automaten gehangen, um meine Einsamkeit zu überbrücken”, sagt der 39-Jährige.

„Schon am Ersten hatte ich mein ganzes Geld für den Monat verzockt. Ich bin einfach mit meinem Leben nicht mehr klar gekommen. Meine Psyche war völlig kaputt.” Zum Glück kam dann die Einsicht: „So geht es nicht mehr weiter.”

D. begann eine Therapie. Mit ermutigendem Erfolg. Heute ist D. einer der Bewohner einer Außenwohngruppe, die die Dürener Drogenberatung an der Kölner Landstraße eingerichtet hat. D.: „Ich habe vor, auch beruflich wieder einzusteigen. Ich will wieder auf eigenen Beinen stehen.”

Das Gebäude für die Außenwohngruppe hat die Endart erworben. Umbau und Einrichtung wurden nur möglich, weil die „Aktion Mensch” das Projekt (wie berichtet) mit 80 000 Euro unterstützte. „Für Süchtige ist es in Düren schwer, eine Unterkunft zu finden”, weiß der Leiter der Drogenberatungsstelle, Wilfried Pallenberg.

So blieb nur der Weg, eigenen Wohnraum zu schaffen. Sieben kleine Wohnungen sind an der Kölner Landstraße entstanden. Hinzu kommen Räume für gemeinsame Treffen und das Betreuungspersonal.

Die Bewohner seien Menschen, „die auf einem guten Weg sind und das Gröbste hinter sich haben”, erklärt Pallenberg. Sie werden hier auf das selbstständige Leben „draußen” vorbereitet. Pallenberg: „Man kann sich ja nicht vorstellen, dass Leute nicht mehr eigenständig einkaufen können.”

In der „Kochgruppe” bewältigen die Bewohner nicht nur dies, sie bereiten auch das Essen zu. „Man muss viel dafür tun, um von seiner Sucht los zu kommen”, hat H.J. gelernt.

Der 45-Jährige war spielsüchtig. „Ich war sechs Jahre spielfrei. Darauf war ich stolz”, berichtet er. Auch einen Rückfall vor vier Monaten hat H.J. überstanden. „Im nächsten Monat werde ich eine eigene Wohnung beziehen”, sieht H.J. optimistisch in die Zukunft. E. war drogensüchtig. „Nur mit hartem Willen und Durchhaltevermögen kann man den Absprung schaffen”, weiß er heute.

„Hier werde ich verstanden”

Zum regelmäßigen Frühstück in der Wohngruppe kommt S., die abhängig von Drogen und Medikamenten war. „Man muss schon ganz tief fallen, um zu kapieren, dass man sein Leben ändern muss”, sagt die 44-Jährige nach 20 Jahren Abhängigkeit heute.

„Der Frühstückstreff ist mein Highlight in der Woche. Hier kann ich der Mensch sein, der ich bin. Hier weiß ich, dass ich verstanden werde.” Das sagt auch P.: „Ich bin jemand, der unter Leute muss. Ich habe die Hoffnung, mit der Unterstützung hier im dritten Anlauf meine Medikamentenabhängigkeit zu überwinden”, so die 51-Jährige.
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