Düren - Das Dürener Frauenhaus braucht mehr Platz

Das Dürener Frauenhaus braucht mehr Platz

Von: Sandra Kinkel
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Mehr als jede vierte Frau in Deutschland ist von Gewalt betroffen. Die meisten werden von ihrem Partner geschlagen. Foto: stock/Felix Jason
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Sonja Waltl ist Diplom-Pädagogin und arbeitet im Dürener Frauenhaus. Foto: S. Kinkel

Düren. Jede dritte Frau in der Europäischen Union hat bereits sexuelle und körperliche Gewalt erlebt. Das ist das Ergebnis einer europaweiten Studie, die diese Woche veröffentlich worden ist. Die meisten Frauen sind von häuslicher Gewalt, also Gewalt innerhalb der Familie betroffen. Wie ist die Situation im Raum Düren?

Für Sonja Waltl, Diplom-Pädagogin und sytemische Familientherapeutin, ist das Resultat der Stude eigentlich nichts Neues. Waltl arbeitet im Verrein „Frauen helfen Frauen“ in Düren und im Dürener Frauenhaus.

Schon vor einigen Jahren hat es – damals übrigens zum ersten Mal – eine repräsentative Studie nur für Deutschland gegeben, die ein ganz ähnliches Ergebnis gezeigt hat. „Das Thema häusliche Gewalt“, sagt Sonja Waltl, „ist ein gesellschaftliches Thema. Und es ist zum Glück auch mitten in der Gesellschaft angekommen.“ Was Sonja Waltl damit meint: „Unsere Erfahrung ist, dass Frauen sich heute früher an uns wenden, weil sie Hilfe brauchen. Gerade bei jüngeren Frauen ist die Toleranzgrenze gegenüber Gewalt deutlich gesunken.“

Das Dürener Frauenhaus mit insgesamt 15 Plätzen (acht für Frauen und sieben für Kinder) hatte im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Belegungsquote von fast 80 Prozent. „Es gibt Zeiten, zum Beispiel vor Weihnachten oder in den Ferien, da ist es erfahrungsgemäß ruhiger. Aber nicht selten mussten wir auch immer wieder Frauen abweisen. Eigentlich brauchen wir schon mehr Platz.“

Vor allem für jüngere Frauen, also die zwischen 18 und 21 Jahren, müsse in den Frauenhäusern ein spezielles Angebot geschaffen werden. „Die ganz jungen Frauen brauchen mehr Betreuung als die Älterem Und die können wir im Augenblick kaum leisten.“ Immer häufiger suchen Frauen hilfe, die von Zwangsheirat bedroht sind. Waltl: „Auch das ist eine Form von Gewalt.“

Seit zwölf Jahren, so Waltl weiter, gelte in Deutschland das Gewaltschutzgesetz. „Frauen, die Gewalt erleben, haben die Möglichkeit, dass ihre Männer von der Polizei der Wohnung verwiesen werden. Nicht das Opfer muss die Wohnung verlassen, sondern der Täter. Dieses Gesetzt hat schon viel geholfen.“ Trotzdem glaubt Waltl, dass es noch mehr politische Maßnahmen gegen häusliche Gewalt geben muss. „Das, was wir haben, reicht nicht aus. Das hat die EU-Studie wieder gezeigt.“

Sonja Waltl wünscht sich beispielsweise eine bundesweit einheitliche Finanzierung von Beratungsstellen und Frauenhäusern. „Wir sind in Düren, was die Finanzierung des Frauenhauses angeht, relativ gesichert. Aber es muss eben immer wieder neu verhandelt werden. Das kostet Kraft, die wir besser in die Arbeit mit den Frauen investieren könnten. Das ist schließlich unsere Aufgabe.“ Darüber hinaus fordert die Diplom-Pädagogin die Finanzierung der anonymen Spurensicherung bei Vergewaltigung in Beziehungen.

Anonyme Spurensicherung

„Es ist für viele Frauen aus psychischen Gründen unmöglich“, so Waltl, „direkt nach der der Vergewaltifung zur Polizei zu gehen. Es besteht aber die Möglichkeit, anonym in einem Krankenhaus die Spuren der Vergewaltigung sichern zu lassen, um die Tat später anzuzeigen.“ Die Kosten für die anonyme Spurensicherung mus das Opfer tragen. „Es hat sich in Düren der Verein „HObras“ gegründet, der diese Kosten übernimmt“, so Waltl. „Aber eigentlich ist das Aufgabe des Staates.“

Beim heutigen Weltfrauentag wird der Verein „Frauen helfen Frauen“ im Haus der Stadt mit von der Partie sein. „Wir wollen über unsere Arbeit informieren“, so Waltl, aber auch Unterschriften sammeln, um für eine Reformierung des Gesetzes zur Vergewaltigung zu kämpfen.“ Unter anderem fordern Waltl und ihre Kolleginnen, dass betroffene Frauen einen Rechtsanspruch auf psychosoziale Prozessbegleitung bekommen.

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