Nideggen - „Daniel Düsentrieb” ist der Mann für technische Wunder

„Daniel Düsentrieb” ist der Mann für technische Wunder

Von: Burkhard Giesen
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Vom Ingenieur zum Computerhän
Vom Ingenieur zum Computerhändler und Erfinder: Wolfgang Eschweiler aus Nideggen. Foto: Burkhard Giesen

Nideggen. Sich selbst charakterisiert Wolfgang Eschweiler durchaus als schwierigen Menschen. „Ich kann Gruppen nur schwer ertragen und bin nicht der Neckermann-Katalog-Typ.” Salopp mit Jeans, Woll-Pulli und Strickjacke würde sich der 64-jährige Unternehmer im Katalog auch nicht gut machen.

Wolfgang Eschweiler ist nicht irgendein Unternehmer, genauer gesagt ist er eher eine Art Daniel Düsentrieb, nur weniger schrullig.

Die „Süddeutsche Zeitung” feierte den Nideggener jüngst als Erfinder der „Wundermaschine”. Eschweiler ist gelungen, woran andere verzweifelten: personalisierte Druckerzeugnisse in Millionenauflage und das vierfarbig. Die Anlage steht in Schwandorf in der Oberpfalz und ist die einzige ihrer Art auf der Welt. Derartige Erfindungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben von Eschweiler.

Angefangen hat der gelernte Diplom-Ingenieur der Physik 1972 im Jülicher Forschungszentrum, damals noch Kernforschungsanlage. Eschweiler hat dort Prozessrechnersysteme aufgebaut und messtechnische Applikationen entwickelt. „Mit Ende 20 wollte ich da raus, sonst wäre ich da in Rente gegangen”, sagt er rückblickend. Die Karriere trieb ihn an, und auch das Geld. Seine Leidenschaft für Computer - „Ich war immer der Praktiker” - bot Ende der 1970er Jahre beste Voraussetzungen zum Sprung in die Selbstständigkeit.

Noch im Forschungszentrum hatte er die Datenschnittstelle (das Interface) für Computersysteme deutlich verbessert. Als Apple auf den Markt kam, konnte er beides verbinden und bot bezahlbare Systeme für die Industrie an. „Was vorher eine Million gekostet hat, konnte man nun für 100.000 Mark anbieten”, so Eschweiler, der gleich einen dicken Kunden an Land zog: Ford.

Er bot seine Systeme für die Qualitätssicherung und Prozesskontrolle an. Nach Ford stand die Autoindustrie bei ihm Schlange. Und nicht nur die. Eschweiler wurde Deutschlands erster und erfolgreichster Apple-Händler und hatte mit 41 finanziell ausgesorgt. Eschweiler: „Das ging damals alles so rasant, dass ich nach ein, zwei Jahren Selbstständigkeit schon zwölf Ingenieure angestellt hatte.”

Dabei hat der Unternehmer sich die „goldene Nase” offenbar nicht nur verdient, sondern auch stets den richtigen Riecher bewiesen. Als das Jülicher Forschungszentrum 1981 mit Fördermitteln des Bundes eine Messreihe auf der Zugspitze startete um zu prüfen, ob man am höchsten Ort Deutschlands Solarenergie nutzen könne, war Eschweiler wieder mit im Boot.

Er lieferte die Computer und stellte die Datenübermittlung sicher. Und so ganz nebenbei revolutionierte er die Computerwelt: Die Daten wurden per Telefonkabel nach Jülich transportiert. „Ich durfte als erster einen Computer an ein öffentliches Postnetz anschalten”, erinnert sich Eschweiler, der dazu auch die entsprechende Technik entwickelt hatte - anderthalb Jahre vor Apple selbst. „Die waren damals zu stolz, mir das abzukaufen.”

Stattdessen legte Apple-Chef Steve Jobs ihm später einen Geschäftsführervertrag auf den Schreibtisch - den der Nideggener ablehnte. Ebenso wie einen noch besser dotierten Vertrag von Siemens. Der frühere Chef des Forschungszentrums, Karl Heinz Beckurts, zwischenzeitlich Vorstandsmitglied bei Siemens geworden, wollte Eschweiler unbedingt an das Unternehmen binden. Auch hier sagte Eschweiler Nein.

„Die persönliche Unabhängigkeit steht über allem”, sagt der Diplom-Ingenieur heute. Die hat er sich auch danach noch bewahrt. Im Bereich der Fehlerkontrolle hat Eschweiler Kamerasysteme erstmals für Anker in Düren entwickelt und damit später nahezu die komplette Teppichindustrie versorgt.

Es folgten neue Applikationen für die Papierindustrie. Erst rüstete er ein Dürener Unternehmen aus, dann die Mitbewerber. Eschweiler: „Ich hatte da wieder das Glück, dass es praktisch keine Mitbewerber gab.” Auch das ist ein roter Faden in seinem Leben.

Eschweiler erfindet, setzt um, bringt die Produkte an den Mann, die Mitbewerber - wenn es sie denn gibt - staunen. Seinen Erfindungsreichtum zu erklären, fällt ihm vielleicht deshalb ein bisschen schwer, weil es für ihn eher normal wirkt. „Vielleicht sehe ich Prozesse und Arbeitsabläufe einfach anders, als andere”, sagt er. Zumindest so, dass er sie anschließend kostensparend verbessern kann.

Eine seiner Antriebsfedern in jungen Jahren, so sagt Eschweiler gleich zu Beginn, sei das Geld gewesen. Die zweite die persönliche Anerkennung. Mit 64 treiben Eschweiler andere Dinge an. „Ende des Jahres werde ich hier die Bücher schließen.” Sein Sohn wird den Betrieb übernehmen. „Ich muss nicht mehr morgens um 6 Uhr zum Laptop greifen.” Statt dessen greift er zum iPhone und hört Audiobücher. Oder setzt sich in seinen privaten Helikopter und fliegt in die Dolomiten, wo er Freunde hat.

Ruhestand für einen Erfindergeist? Für Eschweiler kein Problem. Er verbindet das mit seinem liebstem Hobby, dem Helikopterflug. „Bei den geplanten Off-Shore-Windanlagen sollen Kletterer die Oberflächen auf Risse überprüfen. Das könnte man viel besser mit einem Helikopter und einer Kamera machen, wenn es die entsprechende Sofware schon gäbe.”

Die Ideen gehen dem Diplom-Ingenieur also nicht aus. Da trifft es sich nicht nur bei diesem Beispiel gut, dass sein Sohn Wolfgang Softwareentwickler ist und sich auf die Bildverarbeitung für die industrielle Nutzung spezialisiert hat.
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