Burg Gladbach: Das Mysterium und der Mythos Maria

Von: Hannes Schmitz
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Sie bieten eine Ausstellung für die man Zeit und Muße mitbringen muss. Die Künstlerinnen und ein Künstler beschäftigen sich mit dem Thema „Maria“ in unterschiedlichen Ausdrucksformen. Foto: Hannes Schmitz

Gladbach. Das Entree zum Ausstellungsraum auf Burg Gladbach wurde zum Rosarium, der weiß getünchte Raum zur Kunstschatzkammer. Professor Dr. Pater Peter Ramers (St. Augustin) hatte den Blick auf den künstlerisch gestalteten Eingangsbereich und die weltliche Aufgabe übernommen, eine Ausstellung zu eröffnen, in der acht Künstler versuchen, sich mit ihren Arbeiten dem Thema „Maria“ zu nähern.

Ziel der Ausstellung sei es, wie Kuratorin Caroline Lauscher erläuterte, durch die unterschiedlichen Ausdrucksformen von Marien-Bildern, -Skulpturen sowie -Projekten „Maria als Mensch zu entdecken und sie nicht auf einen Sockel zustellen“.

Die Beinamen

In seiner Rede beleuchtete der Theologe „die Beinamen“ Marias, setzte sich mit religiösen Deutungen und weltlichen Interpretationen auseinander. Sie werde als christliche Symbolik des Mütterlichen gesehen, als Ursprung des Lebens, als „göttliche Frau mit den Geheimnissen um Geburt und Tod“. Sie stehe als Symbol für das Unbewusste, die Trauer und Hoffnung sowie für die Sehnsucht „nach der schützenden Macht der Gottesmutter.“ Ihre Jungfräulichkeit stehe nach jüngsten Überlegungen für die Autonomie der Frau und ihr Recht auf eine selbstbestimmtes Leben.

Auf sehr unterschiedliche, aber eindringliche Art, nähern sich die acht Künstler dem Phänomen oder Mysterium sowie Mythos Maria.

Schwebend und leicht wirken die Arbeiten von Anita Brendgens. Ihre „Marienbilder“ sind aus handgeschöpftem Papier, fragmentarisch und leicht, Traumgebilde, an dünnen Fäden, bewegt von der Luft, die sie umgibt. Maria sieht sie als Schutzgebende, die Mutter, die Andächtige und als „versunkene und barocke Maria“.

Stephanie Wiebusch sieht vor allem das uralte Bild von Mutterschaft und der Beziehung zwischen Mutter und Kind. Sie hinterfragt, ob Mutterliebe tatsächlich bedingungslos ist, ob Mutterglück ein konstruiertes, gesellschaftliches Phänomen ist, ob es Mutterinstinkte gibt? Für sie ist es keine wissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern es sind Fragen, die der Betrachter ihrer Arbeiten selbst beantworten kann. In ihrer Videoarbeit „Glauben sie nicht, dass ich eine Amazone bin“ verarbeitet Ulrike Rosenbach ihre Sicht von „Maria“. Sie identifiziert sich mit dem sanften Bild der Madonna als auch mit der Aggressivität einer Amazone.

Auf einer Wanderung über nahezu 300 Kilometer auf dem Pilgerweg nach Lourdes hat Antje Fuß der Frage nachgespürt, wer oder was „Maria“ ist und was diese Figur der christlichen Mythologie heute noch bedeuten kann. Entstanden sind Videoarbeiten, „Koffergeschichten“ und ein Weg im Innenhof der Burg mit „Tageserkenntnissen“ sowie „Geschichten in Blau“ Reiseerinnerungen.

Carolin Lauscher verarbeitet eigene Erfahrungen. Sie lässt den Betrachter teilhaben an der eigenen Verletzbarkeit. Im Durchleben von Leid wachse der Mensch aus seinem schützenden Mantel heraus in größere, weitere Erfahrungen, durchleben einen Prozess der Läuterung und des Loslassen.

In einer Zeit, in „der ich mich innerlich neu sortieren musste“, entstanden die Bilder von Magret Debrus. Der Anblick der Pietà ließ sie auf ihre veränderte Situation eingehen. Hoffnung und Glauben drückt sie durch die Farbe Gold aus, die Leere, den Tod durch Schwarz.

Stefan Knor stellt eine „Pietà aus, die er in München auf einem Dachboden entdeckte und mit viel Liebe und Mühen restaurierte und mittlerweile in ganz Europa ausstellt. Möglich wurde dies und die Ausstellung auf Burg Gladbach durch die F.-Victor Rolff–Stiftung.

Die Ausstellung auf der Burg ist an den Sonntagen im Mai von 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet (Telefon 02424/901115).

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