Bürgermeisterkandidatin Göckemeyer plädiert für schmerzhafte Einschnitte

Von: Burkhard Giesen
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Will das Gespräch mit den Bürgern suchen: Margit Göckemeyer, die für SPD, Grüne und Unabhängige als Bürgermeisterkandidatin ins Rennen geht. Foto: B. Giesen

Nideggen. „Was nun, Frau Göckemeyer?”, würde man im Fernsehen die erste Frage an die bei der CDU Nideggen gescheiterte Bürgermeisterkandidatin von SPD, Grünen und Unabhängigen wohl dramatisch einläuten.

Frau Göckemeyer würde mindestens ebenso dramatisch gucken und in etwa sagen: „Mit dieser Entscheidung hatte ich nicht gerechnet.” Das sagt sie auch, nur der dramatische Blick fehlt. Im Gegenteil, nach Karneval soll ihr Wahlkampf richtig los gehen, und so wie sie bei dieser Aussage lächelt, freut sie sich schon darauf.

„Es ist schade, dass die Zusammenarbeit mit der CDU jetzt wohl zu Ende ist”, bedauert sie die Entscheidung der Delegierten vor einer Woche, aber die 52-jährige Diplom-Sozialwissenschaftlerin aus Leverkusen, die bei der Stadt Solingen beschäftigt ist, hat die Niederlage bereits abgehakt. Was vor ihr liegt, ist der Wahlkampf.

Am Wochenende wurde das erste Flugblatt verteilt, acht Termine, bei denen man die Kandidatin näher kennen lernen kann, sind bereits vereinbart. Und es gibt ja noch den Karneval, da will die gebürtige Kölnerin noch weitere Sitzungen besuchen.

„Ich will mit den Bürgern ins Gespräch kommen - zuhören, die Stimmung einfangen, Probleme mitbekommen” - dafür sind die acht Informationsveranstaltungen gedacht, bei denen Margit Göckemeyer natürlich auch ihr Programm erläutern will.

Am Herzen liegt ihr da die Finanzsituation der Stadt. „Wir müssen einen Kassensturz machen und den Haushalt entschulden.” Dabei gelte es zu klären, welche Leistungen wegfallen könnten, welche nicht. Und das unter der Prämisse, dass das Engagement und die Angebote der Stadt auch weiterhin attraktiv bleiben müssten. Allein das ist ein abendfüllendes Thema.

Und eines, von dem Frau Göckemeyer sehr wohl weiß, dass man auch schmerzliche Einschnitte vornehmen muss. Braucht jedes Dorf seinen eigenen Friedhof? „Wenn man Friedhöfe zusammenlegen will, um Kosten zu sparen, geht das nur bei einem entsprechendem Personennahverkehr. Kindern mutet man auch zu, Schulen per Bus zu erreichen.”

Oder das Beispiel Abenden: „Braucht man für einen eingruppigen Kindergarten ein derart großes Bürgerhaus mit diesen horrenden Ausgaben, oder kann da nicht eine günstigere Lösung finden?” Frau Göckemeyer will auf mehr Eigeninitiative der Bürger setzen und das gezielt fördern.

Ein funktionierender Personennahverkehr hat für sie hohe Priorität - egal ob man sich dabei in den Schülerverkehr einklinkt oder eine Lösung per Bürgerbus findet. „Wenn wir mehr Aufgaben auf die Vereine verlagern, muss man ihnen auch die Möglichkeit geben, wirtschaftlich zu agieren. Vereinszuschüsse zu erhöhen, damit sie die zuvor übertragenen Aufgaben bewältigen können, ist eine Mogelpackung.”

Als Mogelpackung versteht sich Frau Göckemeyer selbst auch nicht. Klar tritt sie als Kandidatin von drei Parteien an. Dennoch sieht sie sich nicht als Partei-Politikerin. Bräuchte es wieder eine dramatische Frage, wäre es diese: Muss man masochistisch veranlagt sein, um sich in Nideggen zu bewerben? Nein, muss man nicht. Im Gegenteil. Für sie sei es eine „ungeheuer reizvolle Aufgabe”.

„Im Rat”, so Frau Göckemeyer, „muss eine Führung her. Wenn man sich festlegt: das ist das Ziel und das sind die Wege dorthin, darf man anschließend nicht mehr über den Kanaldeckel diskutieren.” Und genauso gelte: „Wenn Ziele beschlossen sind, kann der Rat nicht plötzlich etwas anderes machen.”

Konfliktreiche Situationen würde sie jedenfalls nicht scheuen, guckt dabei eine Spur ernster, und fügt an: „Zur Not muss man auch in Ratssitzungen mal auf den Tisch hauen.” In Nideggen könnte das nicht schaden.
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