Düren - Brodwaykomödie „November”: Hinter der Fassade im Oval Office

Brodwaykomödie „November”: Hinter der Fassade im Oval Office

Von: Julian Loevenich
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Jochen Busse (rechts) als mäc
Jochen Busse (rechts) als mächtigster Mann der Welt mit seinem Berater (René Heinersdorff). Die Wiederwahl scheitert grandios, sein Land liebt der Präsident natürlich trotzdem. Foto: Julian Loevenich

Düren. „Ich liebe dieses Land!”, ruft der mächtigste Mann der Welt enthusiastisch aus seinem bekannten „Oval Office”, bevor sich der Vorhang schließt. Zuvor durfte ein voll besetzter Saal im Haus der Stadt Jochen Busse zusammen mit dem „Theater an der Kö” in der Broadwaykomödie „November” von David Mamet genießen.

Das Stück thematisiert die anstehende Präsidentenwahl, welche bekanntlich im vorletzten Monat des Jahres stattfindet, aus der Sicht des amtierenden Staatsoberhauptes, Charles Smith, perfekt verkörpert von Busse. Jedoch befindet sich sein gesamtes Leben im Keller: katastrophale Umfragewerte, geringe Beliebtheit und finanzieller Ruin.

„Was können die Leute an mir nicht leiden?”, fragt der Präsident seinen Berater, Archer Brown, gespielt von René Heinersdorff, und bekommt die nüchterne aber trotzdem erdrückende Antwort: „Dass du noch hier bist”. Seine Partei hat sich mittlerweile, sehend, dass eine Wiederwahl unmöglich erscheint, von ihm abgewendet. Allerdings will Charles nicht völlig Pleite aus dem Amt scheiden und so nutzt er Korruption und Drähte zu tüchtigen Geschäftsleuten.

Dabei entsteht ein zweigeteilter Charakter, der vor Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit gerade so sprüht, jedoch bei dem kleinsten Anzeichen von Misserfolg sowie selbstverschuldeter Probleme ins völlige Gegenteil ausartet und sein Gegenüber in Grund und Boden donnert. Dabei interpretiert Busse seine Rolle perfekt, denn der direkte Wechsel von einem abhängigen, gerade zu hilflos wirkenden Mann in eine zornige, unberechenbare Wortkanone, die ohne Mitleid um sich feuert, gelingt dem großen Schauspieler überzeugend und dies, ohne in die totale Lächerlichkeit abzugleiten.

Und so versucht der Präsident über die traditionelle Begnadigung zweier Truthähne bei einem Lobbyisten (Thomas Gimbel) enorme Summen durch Erpressung zu erzielen und nimmt auch den Indianerhäuptling Dwight Grackle mit ins Boot der Korruption. Mit ihm überwirft er sich allerdings genau so, wie mit dem Truthahnindustrievertreter. Sein letzter Ausweg ist scheinbar das wohl überlegte Wort aus der Feder seiner Redenschreiberin Clarice Bernstein (Claudia Scarpatetti). Diese will als Gegenleistung für ihre rettende Rede des Präsidenten dessen Erlaubnis für die Heirat ihrer Partnerin.

Gerade dieser Punkt thematisiert reale Probleme in den Vereinigten Staaten. Und auch der Beinahe-Krieg mit dem Iran durch eine vermeintliche Aussage des Präsidenten gegenüber seiner Frau wirkt geradezu passend in der heutigen Zeit. Nichtsdestotrotz steht am Ende nach willkürlichen Drohungen und diversen Streicheleinheiten der Geldgeber der mächtigste Mann der Welt in seinem Oval Office, zwar ohne eine weitere Amtsperiode, jedoch mit einer gesicherten Finanzierung seiner Zukunft und der Erkenntnis: „Ich liebe dieses Land!”.

Ein Land, welches in dem Stück durch starke Charakterschauspieler und einen Hauch von Übertreibung immer wieder sein wahres, von Intrigen geprägtes Gesicht zeigt, hinter der blank polierten und mit Geld gestützten Fassade der „großartigen Nation”. Und gerade diese Tatsache wollte Autor David Mamet betonen, denn „weite Bereiche unseres Lebens im Gemeinwesen bestehen anscheinend aus einem Wettbewerb der Lüge: Gerichte, Politik, Reklame, Erziehung, Entertainment.”
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