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Bombenfund: Das Drehbuch hat es mit Düren gut gemeint

Von: Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
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Grund für einen etwas anderen Mittwochabend: Diese 500-Kilo-Fliegerbombe wurde an der Zehnthofstraße gefunden. Foto: Abels
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Unser Bild zeigt die Aufnahmestelle für Evakuierte am Wirteltor-Gymnasium. Foto: Rose

Düren. Die Bauarbeiter, die am Mittwochnachmittag die 500-Kilogramm-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden hatten, gingen am Donnerstagmorgen normal ihrer Arbeit in dem Hinterhof an der Zehnthofstraße nach.

„Man muss immer mit so etwas rechnen, wenn man hier arbeitet“, sagte einer. „Im ersten Moment denkt man zwar ,Huch‘, aber uns bleibt ja eh nichts anderes übrig, als das Ordnungsamt zu rufen“, sagte ein anderer.

Jene Behörde und alle anderen Stellen, die an der Evakuierung von gut 4000 Dürenern am Mittwochabend beteiligt waren, sprachen im Nachgang von einem reibungslosen Ablauf der knapp vierstündigen Aktion. Jedoch machte niemand einen Hehl daraus, dass ein anderer Fundort, eine andere Uhrzeit oder ein anderer Wochentag für ein Drehbuch mit weitaus mehr Hektik gesorgt hätten.

Nicht beste Voraussetzungen

Robert Houben, Einsatzleiter der Polizei, etwa sagte, dass es am kommenden Wochenende erheblich schwieriger geworden wäre, genügend Personal zu stellen – der AfD-Parteitag in Köln bindet massig Kräfte. Nichtsdestotrotz hatte die Einsatzleitung nach eigenen Angaben nicht die besten Voraussetzungen: Da der Einsatz am Mittwoch nach 16 Uhr begann, Ferien sind und daher nicht alle Beamten greifbar waren, kam Verstärkung aus Düsseldorf und Münster. Rund 100 Polizisten waren im Einsatz, dazu kamen 95 Feuerwehrleute sowie gut 90 Helfer von Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen sowie Mitarbeiter der Dürener Kreisbahn.

Christina Käuffer, Rechtsdezernentin der Stadt Düren, war froh, dass weder der Bahnhof noch ein Altenheim oder Krankenhaus in dem 300-Meter-Radius der Sperrzone gefallen und nur wenige Buslinien betroffen waren. Auch aus diesem Grund konnte Dürens Feuerwehr Chef Johannes Rothkranz sagen: „Mit der Zeit, die alles zusammen gedauert hat, sind wir zufrieden. Daran haben auch wenige renitente Bürger nichts geändert.“

Ja, auch die gab's. Laut Houbens Schätzung waren es unter zehn, eine Strafanzeige wurde indes nicht ausgestellt. „Wir stellen uns auf solche Vorfälle ein, deswegen sind auch immer uniformierte Beamte bei einer Evakuierung dabei, um diese mit ihrer Präsenz zu beschleunigen.“

Mit Blick auf die provisorische Unterkunft im Wirteltor-Gymnasium hätte es laut Käuffer nur eine Beschwerde gegeben, dass dort keine Getränke bereitgestellt wurden. Man werde das Thema in der Manöverkritik besprechen. Johannes Rothkranz betonte aber, dass niemand verpflichtet sei, in so einem Fall in eine provisorische Unterkunft zu gehen. Außerdem benötige eine Getränke- und Essensausgabe ebenfalls Personal.

Gelassen ging Angelika Panciera mit dem etwas anderen Nachmittag um. Sie leitet das Eiscafé Dolce Vita am Markt. Es sei an diesem Tag kein großes Problem gewesen, früher den Feierabend einzuläuten. „Es war nicht so viel los, weil es kälter war als am Tag zuvor, und es wurde auch früh genug Bescheid gegeben. Und zum Glück kochen wir nur auf Bestellung und hatten nichts für eine größere Gesellschaft vorbereitet.“

Gastronomen und Einzelhändler, die einen finanziellen Verlust hinnehmen mussten, können allerdings nicht mit einer Entschädigung rechnen: Ein Bombenfund fällt in die Kategorie „Höhere Gewalt“.

Wie die Bauarbeiter auf der Brache an der Zehnthofstraße meinten, ist es im Kreis Düren nicht unüblich, auf Weltkriegsbomben zu stoßen, eine dieser Größenordnung ist jedoch selten – der Fundort direkt in der Innenstadt auch. „Jährlich werden eine bis drei Bomben gefunden“, sagt Lisa Rühmann, die Leiterin des Dürener Ordnungsamtes. „In der Regel aber im ländlichen Raum, und die sind nur 100 bis 200 Kilo schwer.“

Eine Gefahr bestand nur insgesamt gut 30 Minuten für die Bevölkerung, so lange dauerte die Entschärfung der Bombe, deren Zünder leicht verrostet war.

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