Biogasanlage: Schwarze Zahlen ab 2015

Von: Stephan Johnen
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2015 soll die Biogasanlage schwarze Zahlen schreiben. Die zum Betrieb benötigten Rohstoffe sind bereits vertraglich gesichert. Foto: Johnen

Kleinhau. Die Rechnung war einfach: Von einer Biogasanlage in der Nähe von Rathaus, Bauhof und Schulzentrum kann auch die Gemeinde Hürtgenwald profitieren. Bei einer Produktion von 3,6 Millionen Kilowattstunden im Jahr nehme die Gemeinde etwa 800.000 ab.

Zudem werden in Rathaus und Schule Fernwärme aus der Nachbarschaft genutzt, hieß es im Sommer 2011 beim Spatenstich der 3,1 Millionen Euro teuren und über Kredite finanzierten Anlage in Kleinhau.

Bürgermeister Axel Buch versprach sich neben Einspareffekten zudem Einnahmen aus der Beteiligung der Gemeinde, die über ihre Gemeindeentwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft (GED) 25,1 Prozent der „Bioenergie Kleinhau GmbH“ hält. Die Rechnung ging allerdings nicht auf. Bislang zumindest. Nach Informationen unserer Zeitung ist die „Bioenergie Kleinhau GmbH“ seit 2012 bilanziell überschuldet.

Um eine Insolvenz abzuwenden, mussten die Gesellschafter, neben der GED eine private Stiftung und mehrere Landwirte, in den Jahren 2012 und 2013 Kapital nachschießen. Die Gemeinde stellte über die GED 100.000 der zusätzlich benötigten 430 000 Euro zur Verfügung. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag betrug zum Jahresende 2013 dennoch rund 252 000 Euro.

Anfang Dezember des vergangenen Jahres ist daher nach Informationen der DZ ein Gutachten zur Sanierungsfähigkeit in Auftrag gegeben worden. Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, das sich die finanziellen Auswirkungen aller Faktoren seit 2011 auf rund 1,2 Millionen Euro summiert haben, dabei summierten sich unter dem Schlussstrich die Verluste in den vergangenen drei Jahren auf etwa 350.000 Euro.

Gründe für die negativen Bilanzen sind neben Verzögerungen beim Bau der Anlage (Einnahmeverluste von etwa 166.000 Euro) und einer Überschreitung der Baukosten (190.000 Euro) vor allem Betriebskosten, die über den pro-gnostizierten Ansätzen liegen (etwa 350.000 Euro in den Jahren 2012 und 2013) und Stromverluste in Höhe von rund 128.000 Euro.

„Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen wäre die Zukunft unsicher gewesen“, bestätigt Stefan Grießhaber, Geschäftsführer der „Bioenergie Kleinhau GmbH“ auf Nachfrage unserer Zeitung die Zahlen. „Das Problem reicht in die Gründungsphase zurück und ist überwiegend bilanzieller Art. Wir haben in den vergangenen Jahren jede offene Rechnung begleichen können“, betont Grießhaber, der im Februar 2012 zusätzlich zu seinem Amt als Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters die Geschäftsführung der „Bioenergie Kleinhau“ übernahm. Das Wichtigste ist für den Geschäftsführer aber, dass es laut Gutachter „eine positive Fortbestehensprognose gibt“. Die Zukunft der Anlage sei nicht bedroht. Sofern gehandelt werde.

Die Gesellschafter hätten die „finanzwirtschaftlichen Empfehlungen“ der Gutachter aufgegriffen und diese Woche Beschlüsse gefasst, berichtet der Geschäftsführer. Etwa ein Drittel der Gesellschafterdarlehen soll in Eigenkapital umgewandelt werden. Die privaten Geldgeber verzichten damit quasi auf eine Verzinsung ihres Einsatzes, bis die GmbH wieder schwarze Zahlen schreibt.

Mit dem Kreditunternehmen, das die Finanzierung der Baukosten größtenteils trägt, soll dem Vernehmen nach rückwirkend ein Aussetzen der Tilgung für 2014 ausgehandelt werden, eine Umschuldung soll die Zinslast reduzieren. Voraussichtlich werde die GmbH im laufenden Jahr noch einen „überschaubaren Verlust“ einfahren, aber im Jahr 2015 schwarze Zahlen schreiben, sagt Grießhaber. Auch technische Änderungen sollen das Ergebnis positiv beeinflussen.

Mehrere Faktoren hätten zur aktuellen Gemengelage geführt, versucht er eine Erklärung. Zum einen habe man bei Baubeginn damit gerechnet, dass beide Blockheizkraftwerke vom ersten Tag an „mit voller Kraft laufen und produzieren“. Aufgrund zum Teil monatelanger Verzögerungen kam es jedoch zu Einnahmeverlusten. Erst ein Jahr nach Inbetriebnahme der Anlage habe sich zudem herausgestellt, dass keine Abschreibungen eingepreist waren.

Das Ergebnis: 180.000 Euro zusätzliche Belastung pro Jahr – zunächst nur auf dem Papier. Auch war die Energieausbeute nicht so wie ursprünglich angenommen, die eingespeiste Strommenge blieb unter dem Planwert, die Anlage verbraucht intern mehr Strom als geplant.

Grießhaber bestätigte auf Anfrage Informationen unserer Zeitung, nach denen die Heizung im sogenannten Fermenter offenbar „suboptimal“ ausgelegt ist und eine fehlende Heizung im Nachgärer zu einer niedrigeren Biogasausbeute führt. „Die Gutachter haben herausgefunden, dass manche technischen Details noch verbessert werden können“, sagt er. Die Anlage werde derzeit mit einem höheren Gülle-Anteil gefahren als ursprünglich geplant. Die Gesellschafter hätten daher beschlossen, eine zusätzliche Heizung einzubauen, die die Gülle erwärmt. Kostenpunkt: etwa 30.000 Euro.

Kritik, die Planungen der Anlage seien überstürzt gewesen und die Gemeinde habe sich aus einem wirtschaftlichen Engagement heraushalten sollen, weist Grießhaber zurück. „Keine Anlage läuft vom ersten Tag an gänzlich rund“, sagt er. Zugegeben, bisher habe man „nur reagiert“. Doch die Umsetzung der Handlungsempfehlungen aus dem Gutachten seien „eine zweite Stunde Null“. Grießhaber: „Die Anlage ist nun eingestellt, die Versorgung mit Rohstoffen gesichert.“ Auch die Gemeinde werde von der Anlage profitieren, ist Grießhaber überzeugt. „Wir haben es mittlerweile mit einem überschaubaren Risiko zu tun.“

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