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Bewährung für äußerst ungeschickten Bankräuber

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:

Düren. Mit einem Papiertaschentuch vor der Nase und dem ausgestreckten Zeigefinger als Waffenattrappe in der Jackentasche hat Ende September vorigen Jahres ein Mann (42) die Hauptstelle der Dürener Sparkasse überfallen.

Dabei ist er, wie das in Hauptstellen so üblich ist, mehrfach von verschiedenen Kameras fotografiert worden. Am Donnerstag musste sich der Dürener vor Richter Georg Wingen und zwei Laienrichtern verantworten. Der Bankräuber - Vater von drei Kindern und ledig, examinierter Altenpfleger, derzeit aber arbeitslos - gab sich vor Gericht sehr zerknirscht.

Ohne Umschweife gab er zu, was ihm vorgeworfen wurde. Er sei damals in Panik geraten. Er hatte Mietschulden, den Strom nicht bezahlt, Schulden bei Freunden, „nix im Kühlschrank und die Kinder brauchten neue Klamotten”. Er sei damals bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt gewesen, wo man ihm mehrfach den Urlaub gestrichen und am Ende auch noch das Gehalt nicht ausgezahlt habe. „Ich war so in finanziellen Nöten, ich wußte nicht mehr ein noch aus”, beteuerte der Angeklagte.

In der Schalterhalle kritzelte er damals ein paar Worte auf einen Zettel: „Überfall” und „alle 100- und 50-Euro-Scheine” stand da zu lesen. Später erschien sein Bild in den „Nachrichten”, er wurde von Bekannten identifiziert. 4700 Euro erbeutete der Mann. Er zahlte seine Mietschulden, die Stromrechnungen und die Schulden bei den Freunden und fuhr nach Köln zum Einkaufen. In Düren, so fürchtet er, würde er zu sehr auffallen. Wenige Tage nach dem Überfall wurde der Mann, der sich bis dahin noch nie etwas hatte zuschulden kommen lassen, festgenommen.

Als Zeugin sagte die Kassiererin (55) aus. Sie habe alles zunächst für einen Blödsinn gehalten, doch dann geglaubt, dass sie tatsächlich von einer Waffe bedroht werde. So rückte sie alle Scheine raus und merkte erst, als der Bankräuber nach dem Geld griff, dass er keine Waffe hatte.

Sie erklärte, dass sie wegen des Überfalls keine psychischen Probleme habe. „Eine Kurzschlusshandlung” glaubte Staatsanwalt Körtgen zu erkennen und verlangte zwei Jahre Haft auf Bewährung. Die drei Richter verhängten ein Jahr auf Bewährung, wobei Richter Wingen meinte, die Proportionen hätten sich seit der Bankenkrise verschoben, „wenn man sieht, was die Banken verbraten, sind viereinhalbtausend ja wirklich Peanuts”.
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