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Betrug, Bankrott, Fälschung von Bilanzen: 20 Millionen Schaden?

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
Die Andreas Kufferath GmbH mel
Die Andreas Kufferath GmbH meldete im Sommer 2008 unerwartet Insolvenz an.

Düren. Seit vier Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Aachen gegen diverse Mitarbeiter des früheren Dürener Traditionsunternehmend Andreas Kufferath GmbH. Jetzt ist ein Ende der Ermittlungen wegen Betrug, Fälschung von Bilanzen, Kreditbetrug und Bankrott absehbar.

Im ersten Halbjahr 2013 wird die Staatsanwaltschaft Aachen entscheiden, ob und gegen wen sie Anklage erheben wird. Ermittelt wird gegen frühere Beschäftigte des Unternehmens sowie gegen ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen aus dem Ruhrgebiet.

Die Meldung im Sommer 2008 war ein Schock. Die Weberei, die auch technische Produkte für die Textil- und Automobilindustrie fertigte und weltweit tätig war, meldete überraschend Konkurs an. 430 Arbeitsplätze standen plötzlich auf dem Spiel. Und das, obwohl das Unternehmen zum damaligen Zeitpunkt, wie es der Insolvenzverwalter bestätigte, nicht überschuldet war. Der erste Erklärungsansatz: Hohe Investitionen in China hätten mit zur Schieflage beigetragen. Kurz drauf ein neuer Erklärungsversuch: Kursverluste bei US-Dollar-Geschäften und eine aggressive Wachstumspolitik seien die Gründe für die Insolvenz der Siebweberei Andreas Kufferath GmbH in Mariaweiler - die übrigens in keiner Verbindung zum Unternehmen GKD Gebrüder Kufferath stand.

Das war im Juni 2008. Danach folgten Rettungsversuche. Drei Dürener Firmen überlegten gemeinsam, den insolventen Betrieb zu übernehmen. Es kam anders: Das österreichische Unternehmen Andritz GmbH stieg bei Andreas Kufferath ein, zuvor war die Maschinenbau-Sparte an ein Unternehmen aus Niefern verkauft worden. Parallel hatte der Insolvenzverwalter für 330 Beschäftigte eine Transfergesellschaft gegründet. Die wickelte noch ausstehende Aufträge der Andreas Kufferath GmbH ab. Auch der neue Eigner griff auf die Beschäftigten aus der Transfergesellschaft zurück. Rund 100 Jobs gingen dennoch verloren.

Der nächste Schock folgte unmittelbar nach dem Verkauf des insolventen Unternehmens. Der Insolvenzverwalter verblüffte Ende Oktober 2008 mit der Nachricht, dass die Insolvenz der Andreas Kufferath nicht selbstverschuldet war. Er ging nun davon aus, dass die „desolaten finanziellen Verhältnisse durch massive Bilanzmanipulationen, Kreditbetrug und weitere strafrechtlich relevante Handlungen” vertuscht worden seien. Den Schaden schätze der Insolvenzverwalter damals auf rund 20 Millionen Euro - entstanden vor allem bei Banken, auch im Kreis Düren.

Dass erneut Bewegung in das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gekommen ist, hängt vor allem mit der Fertigstellung eines Gutachtens zusammen. Ein Sachverständiger hat die Bilanzen des Unternehmens überprüft. Oberstaatsanwalt Robert Deller: „Das Gutachten des Sachverständigen liegt uns jetzt vor. Wir befinden uns in den letzten Auswertungsarbeiten.”

Da die aber noch nicht abgeschlossen sind, hält sich Deller naturgemäß mit einer Bewertung des Falles zurück. „Wie hoch der Schaden ist, kann ich nicht genau sagen”, betont er. Auch die Frage, ob es zu einer Anklageerhebung kommen wird, muss er ausweichend beantworten: „Eine abschließende Entscheidung der Staatsanwaltschaft wird es im ersten Halbjahr 2013 geben.”

Dass die Staatsanwaltschaft dann aber entscheiden sollte, ihre Ermittlungen einzustellen, wäre - bei der vom Insolvenzverwalter öffentlich genannten Schadenssumme - eher ungewöhnlich.
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