Bestseller-Autor Winterhoff füllt das Haus der Stadt

Von: Ingo Latotzki
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5Sprach vor 585 Besuchern: Dr. von Michael Winterhoff. Foto: Ingo Latotzki

Düren. „So voll habe ich das Haus der Stadt in den letzten zwei, drei Jahren nicht gesehen”, sagt Dürens Vize-Bürgermeister Hubert Cremer (FDP). 585 Besucher sind gekommen, um einen der derzeit angesagtesten Kinder- und Jugendpsychiater zu hören.

Dr. Michael Winterhoff spricht also vor einem ausverkauften Saal - 80 Minuten lang, in freier Rede, teils unterhaltend, immer wissenschaftlich fundiert.

Winterhoff, Jahrgang 1955, ist Bestsellerautor. „Warum unsere Kinder Tyrannen werden”, heißt eines seiner populären Bücher, in denen er begründet, warum und wie sich Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben - und deren Eltern und Lehrer. Winterhoff unterhält in Bonn eine Praxis und berichtet an diesem Abend aus selbiger - mit einem lange gewachsenen Erfahrungsschatz.

Viele Pädagogen und Beschäftigte aus dem Jugendbereich sind im Haus der Stadt. Sie hören viel Analyse und weniger Lösungen. „Das ist auch nicht mein Ansatz”, sagt der Mediziner gleich am Anfang. Er wolle die jetzige Situation analysieren und erklären.

Das macht er auch. Er zeigt zum Beispiel auf, dass Kinder heute oft nicht mehr als Kinder gesehen werden. Eltern machten den Fehler, ihren Nachwuchs als Partner, als Freund zu betrachten. Kindern fehle heute häufig der Reifegrad, der eigentlich ihrem Alter angemessen wäre.

Dies belegte Winterhoff anhand von Beispielen aus seiner Praxis. Die Frustrationstoleranz von Kindern und Jugendlichen sei heute deutlich niedriger als noch vor 20 Jahren. Wenn dem Nachwuchs viele oder alle Wünsche erfüllt würden, wenn sie kaum Entbehrungen hätten, nicht warten oder sich kaum anstrengen müssten, sei es für Kinder schwer, Strukturen zu erkennen oder das Gegenüber zu sehen und anzuerkennen. Dies habe, natürlich, Auswirkungen auf die Schule, die Ausbildung und den Beruf.

Vielfach wären es die Kinder, die ihre Eltern steuern, indem sie Wünschen und Aufforderungen von Mutter und Vater entweder erst spät nachkämen oder ganz ignorierten. „Manche Eltern machen nichts dagegen, weil es ihr Ziel ist, von den Kindern geliebt zu werden.” Das treffe auch auf Lehrer zu.

Der Abend wurde veranstaltet vom Dürener Jugendamt, dem Arbeitskreis Jugendberufshilfe und unterstützt von den Vereinigten Industrieverbänden. Nach seinem Vortrag beantwortete Michael Winterhoff noch Fragen, die von Peter Junker (Stadt Düren) und Josef Loup (Sozialwerk Dürener Christen) gesammelt wurden.
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