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Berzbuir wird zum Mekka des Fingerhakelns

Von: Sandra Kinkel
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Der Hakelring ist handgemacht: aus Hanf und Leder.
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Manfred Busch (links) und Micheral Kreuer waren zwei von über 20 Teilnehmern bei den 1. Internationalen Rheinischen Meisterschaften im Fingerhakeln in Berzbuir. Eingeladen zu der riesigen Gaudi hatten die St.-Anna-Schützen. Foto: Sandra Kinkel

Berzbuir. „Ich möchte gewinnen“, sagt Michael Kreuer, Maschinenschlosser aus Berzbuir. „Deswegen bin ich selbstverständlich heute hier.“ Michael Kreuer muss selbst ein bisschen lachen. Und guckt sich dann noch einmal genauestens seinen Mittelfinger der rechten Hand an, prüft den original bayerischen Hakelring und nimmt dann eine ordentliche Portion Magnesium.

Die „1. Internationale Rheinische Meisterschaft im Fingerhakeln“, zu der die St. Anna-Schützen aus Berzbuir am Sonntag eingeladen hatten, ist schließlich ein ernst zu nehmender Wettbewerb. Ohne Frage.

„Wir feiern schon seit über zehn Jahren hier in Berzbuir ein Oktoberfest“, so Friedel Lövenich, Schatzmeister bei den Anna-Schützen. „Für den Oktoberfest-Sonntag haben wir eine Bereicherung gesucht, und da sind wir dann aufs Fingerhakeln gekommen.“ „Das passt zum Thema Oktoberfest“, ergänzt, Dietmar Hacky, Vorsitzender der Anna-Schützen, „und vor allen Dingen gab es das im Rheinland bisher noch nicht.“

Die genauen Fingerhakel-Regeln haben Dietmar Hacky und Friedel Lövenich sich beim Bayerischen Haklerverband besorgt, den vorgeschriebenen Haklertisch hat Friedel Lövenich selbst geschreinert. „Und den Hakelring“, so Hacky, „haben wir von der einzigen Manufaktur in Deutschland, die so etwas noch herstellt.“ Und Friedel Lövenich ergänzt: „Aus terminlichen Gründen war es diesmal leider nicht möglich, dass der Haklerverband einige Teilnehmer nach Berzbuir geschickt hat. Aber im nächsten Jahr werden wie sie wieder einladen. Vielleicht klappt es dann.“

In Berzbuir ist die Hakel-Meisterschaft aber auch ohne Teilnehmer aus dem Alpenland bestens angekommen angekommen, schon gegen Mittag ist das „Bayern-Zelt“ an der Berzbuirer Straße gut gefüllt, viele sind sogar in bayerischer Tracht erschienen. Die meisten Wettkampf-Teilnehmer – Fingerhakeln gilt übrigens offiziell als Kampfsport – kommen aus Düren, einige sind aber sogar aus dem belgischen Zelen sind einige Hakler angereist. Gehakelt wird in zwei Gewichtsklassen, mit welchem Finger sie kämpfen, ist den Teilnehmern selbst überlassen. Friedel Lövenich schmunzelt: „In den Statuten steht auf jeden Fall drin, dass stark alkoholisierte Hakler nicht teilnehmen dürfen. Und daran halten wir uns auch in Berzbuir.“

Es ist aber nicht nur das Hakeln, das das Berzbuirer Oktoberfest so erfolgreich macht, es ist einfach das Gesamtpaket, das stimmt. „Wir müssen uns eben anstrengen. Schießen und Uniformen reichen heute längst nicht mehr, um als Schützenbruderschaft bestehen zu können“, erklärt Dietmar Hacky, warum die Berzbuirer St.-Anna-Schützen mit Veranstaltungen wie der Fingerhakel-Meisterschaft oder auch der Internationalen Deutschen Meisterschaft im Weihnachtsbaum-Weitwurf neue und auf den ersten Blick ungewöhnliche Wege gehen. „Bei unserem Oktoberfest sind an diesem Wochenende 60 Helfer im Einsatz. Und darunter sind sehr viele Jugendliche, ohne die diese Veranstaltung überhaupt nicht funktionieren würde. Nur deswegen funktioniert es.“

Überhaupt sei Jugendarbeit enorm wichtig. „In unserem geschäftsführenden Vorstand“, so Friedel Lövenich, „sind die Stellvertreter-Posten fast alle mit Jugendlichen besetzt, die wir so auch an die Vorstandsaufgaben heranführen wollen.“ Das Konzept schein aufzugehen: Rund 50 der 170 Mitglieder der Berzbuirer Anna-Schützen sind jünger als 25 Jahre, und auch über die Resonanz aus der Bevölkerung – Berzbuir hat etwa 520 Einwohner – können sich die Schützen nicht beklagen. Friedel Lövenich: „Wir haben seit drei Jahren sogar bei unserem Schützenfest eine Steigerung der Besucherzahlen. Und auch hier machen wir freitags eine ‚Dance Night‘ für Jugendliche, bei der im vergangenen Jahr 600 Leute waren. Das ist schon toll.“ Ganz so viele sind es bei der „1. Internationalen Rheinischen Meisterschaft im Fingerhakeln“ am Sonntag natürlich nicht. Aber die Veranstaltung ist für die Besucher eine Mords-Gaudi. Und wird am dritten Sonntag im Oktober 2014 auf jeden Fall wiederholt.

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