Nideggen - Beikircher streicht Pfarrer Bayer aus dem Programm

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Beikircher streicht Pfarrer Bayer aus dem Programm

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:

Nideggen. Gegen eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft des früheren Schmidter Pfarrers Josef Bayer nach dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs spricht sich der bekannte Kabarettist Konrad Beikircher aus.

Beikircher hatte in seinem Programm „Die rheinische Neunte” die Geschichte des Schmidter Pfarrers erzählt, der sich nach dem Krieg mit unkonventionellen Mitteln für den Wiederaufbau der zerstörten Kirche stark gemacht hatte. Weil die Schmidter damals im großen Stil Kaffee schmuggelten, appellierte er an ihr Gewissen und wurde großzügig mit Spenden bedacht. Daher stammt auch der bis heute geläufige Name „St. Mokka” für die Schmidter Kirche.

„Das ist schon was, wenn aus der Vergangenheit Geschichten auftauchen, die einen Menschen, zu dem man bis dahin ein positives Verhältnis hatte, plötzlich in ganz, ganz dunkle Ecken drücken. Ich kann natürlich ein Programm, das ich 2007 und 2008 gespielt habe, nicht rückgängig machen. Ich bin aber auch nicht der Mensch, der für postume Bestrafung ist”, reagierte Beikircher am Donnerstag auf die Berichterstattung der letzten Tage.

„Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie” hat Jesus gesagt und ich finde das extrem beherzigenswert. Ich finde aber auch, dass man solche Verfehlungen nicht totschweigen darf. Ich würde ihm die Ehrenbürgerschaft nicht aberkennen, weil: bei wem fangen wir an und bei wem hören wir auf? Der Nachkriegsklassiker, die Seite in den Goldenen Büchern der Stadt, auf der sich die Nazigrößen eingetragen haben, mit dem Rasiermesser zu entfernen, kann es doch nicht sein, oder? Ich bin allerdings dafür, diese Verfehlungen öffentlich zu machen und zu dokumentieren. Und vielleicht mit einem Ratsbeschluss als Anhang zur Ehrenbürgerschaft im Stadtarchiv zu verewigen”, so Beikircher weiter. Er selbst will allerdings Pfarrer Bayer in seinen Programmen künftig nicht mehr erwähnen - oder aber auf die Vorwürfe hinweisen, „falls es sich ergibt, dass auf Pfarrer Bayer das Gespräch kommt”.

Über die mögliche Aberkennung der Ehrenbürgerschaft wird es in Nideggen keine schnelle Entscheidung geben. Dieter Weber, allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin: „Es ist allen bewusst, dass dies ein sehr schwieriges, sehr sensibles Thema ist. Die Politik hat um mehr Informationen gebeten”, so Weber. Die Stadt will deshalb erneut mit dem Bistum Aachen Kontakt aufnehmen.
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