Bei Hagen Rether im Komm gibt es Hiebe in alle Richtungen

Von: has
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Bei Hagen Rether im Komm gibt es Hiebe in alle Richtungen. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Marathon-Kabarett im ausverkauften Haus der Stadt. Bis kurz vor Mitternacht dauerte der Auftritt von Hagen Rether, dem „Shooting-Star” der deutschen Kabarettszene. „Liebe” nennt er seit Jahren sein Programm, und es setzt Hiebe in alle Richtungen.

Harmlos und charmant wirkt er zunächst vor seinem Flügel in seinem grauen Anzug, wenn er fast beiläufig fragt: „Auch gewählt, und verloren?” Das ist der Auftakt zu einem Streifzug durch politische Landschaften und die Gesellschaft, im Gepäck Bissigkeiten, Gemeinheiten und böse Wahrheiten, die er subtil ans Volk bringt.

Mit nur wenig Aufwand produziert Rether Spannung, hält das Publikum bei der Stange, das stets wachsam sein muss, um nichts zu verpassen. Ab und zu greift er in die Tasten, plötzlich wieder ein Statement, knallend wie ein Peitschenhieb, eine beiläufige Frage, die elektrisiert, alles irgendwie gekonnt minimalisiert. Die FDP hatte es ihm angetan, „die Bauchredner der Konzerne”. Mitgefühl für die SPD empfand er, der er diesmal seine Stimme gab. Er ließ kein gutes Haar an den Politikern und an der selbsternannten Elite.

Wenn er minutenlang zu der gleichen Melodiefolge wiederholte, dass die Kanzlerin vor einiger Zeit in einer Rede sagte, dass man etwas gegen den Antisemitismus unternehmen müsse, ist das Kritik an der gesamten Gesellschaft, der er den Spiegel vorhält. Nur diese könne etwas ändern. Dann packt er die Musterbilder wieder ein, holt Putzzeug heran, um in aller Seelenruhe das Klavier zu wienern. Einschmeichelnd spricht er weiter, mal ein Witzchen, mal ein Kalauer, um dann wieder einen Keulenschlag los zu lassen.

Rether schwankte gekonnt zwischen Albernheit und Tragik, („da sitzt der Papst im gepanzerten Papamobil und predigt Gottvertrauen”), zwischen Anbandeln und Angriff, wie bei seiner Hymne auf die Frauen auf den Grönemeyer Song „Männer”. Sein Publikum ist hin und her gerissen zwischen Lachanfällen und Betroffenheit.

Er zerpflückt Nachrichten und die Werbung ( „Viele Tote durch Alkohol am Steuer und Jauch säuft für den Regenwald”). Er plädiert gegen Heuchelei, Angstmacherei, Verdummung, Ungerechtigkeit. Mögliche Verletzungen religiöser Gefühle bei seinen kabarettistischen Rom-Ausflügen („Der Vatikan ist eine Männerpension” oder „Gott hat Humor. Er hat die Meerschweinchen geschaffen”) nimmt er in Kauf. Er sagt, was andere vielleicht denken.

Niveaulos wurde es nie. Sarkastisch, ironisch, angriffslustig, zynisch und respektlos nahm er die, die das Weltgeschehen bestimmen, aufs Korn. Und wenn es zu ernst zu werden drohte, drückte er auf die Lachtaste und „schoss” einen schnellen Witz ab wie „Der Irak wurde in drei Sektoren aufgeteilt: Super, Normal und Diesel.”

Das Publikum hatte seinen Spaß an der großartigen Leistung des Klavier-spielenden Kabarettisten und dankte mit tosendem Beifall nicht nur dem Künstler, sondern auch dem Komm, das die Veranstaltung ermöglichte.
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