Bei Gluthitze Brötchen backen

Von: mv/kin
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Hochbetrieb am Echtzer See: Das Wasser ist 24 Grad warm, der Gürzenicher See sogar noch ein Grad wärmer. Klar, dass sich die Betreiber freuen. Foto: Ingo Latotzki

Düren. So hatten sich viele Sonnenhungrige den Sommer nicht vorgestellt: Tagelange Gluthitze macht jede Bewegung schwer, die Dürener schwitzen anhaltend bei deutlich über 30 Grad, und am Wochenende soll es sogar 38 Grad heiß werden. Auch die Nächte bringen kaum Kühlung.

„Ich hätte mit mehr Patienten gerechnet”, sagt Dr. Kirsten Oelbracht, Leitende Ärztin der zentralen Notaufnahme im Dürener Krankenhaus. Im Schnitt werden dort drei bis vier Personen pro Hitzetag eingeliefert, die wegen Mangel an Flüssigkeit im Körper kollabiert sind, im Krankenhaus Infusionen bekommen und nach vier Stunden wieder entlassen werden können. Oder es sind ältere Menschen „mit Luftnot und Vorerkrankungen am Herzen. Die behalten wir hier”.

„Nicht mehr Einsätze als sonst, nur andere”, verzeichnet die Dürener Feuerwehr. Der stellvertretende Amtsleiter Johannes Rothkranz meint, wie übrigens auch Pressesprecher Kaya Erdem vom Krankenhaus in Birkesdorf, dass ganz klar viele Menschen ihre Verhalten geändert und sich auf die Gluthitze eingestellt haben. „Bei 30 Grad unternehmen viele noch was, bei 36 Grad nicht mehr.”

Wohl dem, der am Arbeitsplatz und zuhause über eine Klimaanlage verfügt. Allerdings: Viele können das nicht sein, denn überall wird gestöhnt. „Auf jeden Fall über 30 Grad warm” war es im Büro von Dirk Hürtgen in der Dürener Sparkasse. In der Hauptstelle des Geldinstituts ist nur die große Kundenhalle klimatisiert, alle anderen Bereiche nicht.

Die Angestellten erhalten Mineralwasser, und obwohl es offiziell keine Kleiderordnung gibt „treten wir so auf, wie bei jeder anderen Temperatur auch”. Mit Krawatte und Sakko, letzeres darf - wo nicht direkt mit Kunden gearbeitet wird - auch schon mal über den Stuhl gehängt werden.

Schulkinder bekamen in Düren hitzefrei, wie sieht es diesbezüglich bei den Arbeitnehmern aus? „Das regeln die Arbeitsschutzgesetze”, sagt Karl-Heinz Fuchshofer, der sich als Gewerkschafter bestens auskennt. Die Hitzerichtlinie ASR A3.5 lege ohne Wenn und Aber fest, dass der Arbeitgeber ab 30 Grad am Arbeitsplatz Maßnahmen ergreifen muss. Das können sein: Lockerung des Dresscodes, Klimageräte aufstellen oder Trinkwasser zur Verfügung stellen. Ein direkten Anspruch auf hitzefrei oder klimatisierte Räume hätten Mitarbeiter aber nicht.

Das wissen auch die Verkäuferinnen in Dürens Bäckereien. In der Wirtelstraße zum Beispiel steht die Verkäuferin neben dem Backofen, in dem die frischen Brötchen goldbraun werden und versucht, sich auf den Beinen zu halten.

Wie heiß ist es dort? „39 und 40 Grad” haben die Damen gemessen und schaffen es noch, die Kundschaft mit einem Lächeln zu bedienen. Reife Leistung.

Viel Freude über die heißen Temperaturen gibt es derzeit bei den beiden Dürener Badeseen in Gürzenich und Echtz. Gürzenich meldet volles Haus und 25 Grad Wassertemperatur, der Echtzer See ist 24 Grad warm.

Für eine echte Abkühlung „ist das fast schon zu warm”, schmunzelt Jörg Tobeck. „Aber wir freuen uns natürlich über jeden, der kommt.” Das vergangene Wochenende sei bombig gewesen. „Und jetzt in den Ferien wird es sicherlich immer voll. Ich freue mich über das Wetter.”
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