„Bei der Euregio geht es nicht um Gefühlsduselei“

Von: Stephan Johnen
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Eelche Zukunftschancen hat die Eifel in der Euregio? Diese Frage diskutierten der SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan und Karl-Heinz Lambertz, Vorsitzender der Euregio Maas-Rhein (r.). Foto: Stephan Johnen

Schmidt. Welche Zukunft hat die Eifel in der Euregio? Welche Chancen hat der Kreis Düren in der Euregio Maas-Rhein? Wie kann eine Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg aussehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer offenen Diskussionsrunde des Dürener SPD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan und des Ministerpräsidenten der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Karl-Heinz Lambertz, in Schmidt.

„Schon vor 25 Jahren war ich oft in der Eifel und habe über diese Themen gesprochen. Alles, was ich damals gesagt habe, könnte ich heute wiederholen“, sagte Lambertz, der Vorsitzender der Euregio Maas-Rhein ist, augenzwinkernd. Damit wolle er nicht zum Ausdruck bringen, dass im vergangenen Vierteljahrhundert nichts geschehen sei.

„Doch im Alltag vieler Menschen spielt eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit noch eine bescheidene Rolle“, bilanzierte er. Wer den Menschen im Kreis Düren vermitteln möchte, dass sie die Zukunft in der Euregio Maas-Rhein sehen sollten, täte gute daran, dies in der Karnevalszeit zu tun, gab Lambertz einen nicht ganz ernst gemeinten Ratschlag. „Dann geht dieser Vorschlag vielleicht noch als Scherz durch.“

Dabei ist es dem Politiker und Europäer durchaus ernst mit der Zusammenarbeit. „Bei der Euregio geht es nicht um Gefühlsduselei über eine wie auch immer geartete euregionale Identität“, stellte er klar. „Es geht darum, Chancen zu begreifen und sie zu ergreifen.“ Eine intensivere Zusammenarbeit aller Nachbarn sei eine Standortverbesserung für die gesamte Region. Das reiche vom Tourismus über Kulturangebote bis hin zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Wirtschafts- und Forschungsstandorten.

„Kooperationen über die Grenzen hinweg sind auch sehr attraktiv für Gäste und Investoren“, verdeutlichte er. Als Beispiel für ein touristisches Ziel in der Eifel, dessen Potenzial noch nicht ausgeschöpft wird, nannte er den Rursee. „Das Potenzial liegt nicht nur im Osten, sondern auch in Westen, in Belgien und den Niederlanden.“ Statt kleinteilig zu denken, müsse die die Euregio als Ganzes begriffen und einbezogen werden.

Die Eifel spiele dabei eine wichtige Rolle. Aber auch der gesamte Kreis Düren. Die Annakirmes in Düren könne schließlich interessant für die Bürger Maastrichts sein, das Schmugglerfest in Eupen locke sicher auch Gäste aus Jülich. Die Euregio biete auch ganz handfeste Vorteile für junge Berufstätige: In der Grenzregion werden die Menschen mit drei Sprachen konfrontiert. „Wer sie beherrscht, dem öffnen sich Türen“, sagte Lambertz.

Er bedauerte, dass die Politik das Thema Europa derzeit meide. „Europa ist in einer fürchterlichen Krise“, sagte Lambertz, der damit nicht die Hilfspakete für Griechenland meinte. Vom Umweltschutz über Mindestlohn bis zur Finanzpolitik: Kein Thema könne ohne einen gesamteuropäischen Ansatz erfolgreich zu Ende gebracht werden. „Doch Politiker, die das Thema Europa in den Mund nehmen, gelten derzeit als Selbstmordkandidaten.“

„Können noch eine Menge tun“

„Auch wir im Kreis Düren können noch eine Menge mehr für die Euregio tun“, urteilte Dietmar Nietan. Die Attraktivität vieler (touristischer) Angebote ließe sich locker steigern, in dem die Angebote bekannter gemacht werden. Schon im Kreis Düren, im Austausch zwischen Nord- und Südkreis, gebe es an dieser Stelle Nachholbedarf. „Tourismus ist eine riesige Strukturchance“, sagte Nietan, der eine bessere Verknüpfung aller Akteure anregte. „Düren hat sich einmal als Tor zur Eifel gesehen“, sagte Nietan, der die Frage stellte: „Was ist aus diesem Ansatz geworden?“

Gemeinsam müsse zudem versucht werden, sich auch in Zukunft um europäische Fördermittel zu bewerben. Den Einwurf des Nideggener SPD-Politikers Eduard Müllejans‘, dass sich die klamme Stadt gerne um Fördermittel beworben hätte, aber auf Weisung der Bezirksregierung den zehnprozentigen Eigenanteil nicht aufbringen konnte, wolle Nietan nach Berlin tragen. „Das ist ein perverser Effekt“, urteilte Karl-Heinz Lambertz: „Gerade die Kommunen, die Fördermittel bräuchten, können nicht von EU-Programmen profitieren.“

Nietan und Lambertz warben am Donnerstagabend in Schmidt dafür, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu forcieren. „Es geht nicht darum, die eigenen Wurzeln zu kappen“, sagte Lambertz. Aber die Zeit der Kirchturmpolitik müsse vorbei sein. „Es besteht die Gefahr, dass man immer weiß, warum etwas nicht geht. Daran kann man scheitern.“ Euregio – das bedeute Kooperation und Austausch. Davon könne nicht zuletzt die Eifel nur profitieren.

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