Inden - Bagger Nummer 282 wird einmal durchgecheckt

Bagger Nummer 282 wird einmal durchgecheckt

Von: Patrick Nowicki
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62 Meter hoch und satte 7778 T
62 Meter hoch und satte 7778 Tonnen schwer: Der Bagger 282 im Tagebau Inden erhält für 7,5 Millionen Euro eine neue Schallschutzkapsel. Foto: Patrick Nowicki

Inden. Seit sechs Wochen ruht der Bagger 282 im Tagebau Inden. Unmittelbar neben dem Bandsammelpunkt in Inden steht der 7778 Tonnen schwere Stahlriese in einem Gerüst eingepackt. 90 Menschen mit Helmen und in leuchtend orangefarbenen Jacken werkeln wie Ameisen an den Antriebsketten und dem großen Schaufelrad.

Die Grundinstandsetzung war von langer Hand geplant - und doch ist sie jedes Mal ein Abenteuer für die verantwortlichen Techniker im Tagebau. Die 30-jährige Clarissa Pütz hat die Arbeiten stets im Blick.

Die Maschinenbau-Ingenieurin leitet die Revision und koordiniert die Arbeiten. Denn an der Baustelle müssen alle Zahnräder ineinandergreifen - wie auch im Bagger selbst. Zwar sind die Dimensionen andere als bei einem Uhrwerk, aber auch im Tagebau ist mitunter Millimeterarbeit gefragt, muss jede Schraube ganz genau sitzen. Fällt ein Bagger aus, dann kann das nämlich fatale Folgen haben: Der Tagebau Inden versorgt das Kraftwerk Weisweiler schließlich mit Kohle, die Bunker am Kraftwerk reichen genau für vier Tage, wenn sie komplett gefüllt sind.

Sind sie leer, steht das gesamte Stromnetz auf der Kippe. In Weisweiler werden drei Prozent des Gesamtstroms in Deutschland produziert. Deswegen wird genau festgelegt, wann ein Bagger auf Herz und Nieren untersucht wird.

Vor einiger Zeit fiel jedoch der Bagger 281 aus, Nummer 286 musste einspringen. „Das ist dann natürlich nicht so, als würde man mal eben mit einem Kleinwagen über die Straße eine Sole tiefer fahren”, berichtet Bernhard Wilke. Er ist Leiter der Instandsetzung von Großgeräten im Tagebau Inden. Mit großem Aufwand und Einsatz habe man den Bagger, der zuvor Abraum abtrug, in die Kohleschürfung einbinden und die Kohleproduktion stabil halten können.

Um solche Störfälle zu vermeiden, müssen die Bagger regelmäßig überprüft werden. Und das geht richtig ins Geld: 7,5 Millionen Euro gibt RWE Power für den Bagger 282 aus; davon werden 90 Prozent an Firmen aus der Region gezahlt.

Diesmal gehen die Arbeiten über eine Inspektion deutlich hinaus: Die Baggerschaufel erhält eine neue Schallschutzkapsel. Dieser Plan setzte gleich einen ganzen Technikerstab in Bewegung, denn der neue Mantel, der den Lärm deutlich reduzieren soll, besteht aus 95 Elementen, die in der Summe 8,7 Tonnen wiegen.

„Wir mussten den Bagger also statisch komplett überarbeiten”, berichtet Bernhard Wilke. Bereits vorhandene Träger müssen verstärkt werden, zu schweres Material wird durch leichteres ersetzt. In der Regel dauert eine Revision bis zu sechs Wochen, wegen des erhöhten Aufwandes sind diesmal drei Wochen mehr vorgesehen. Wenn ein Bagger einmal außer Betrieb gesetzt ist, dann wird gleich eine Reihe Arbeiten erledigt. So werden der Antrieb und die Antriebsketten unter die Lupe genommen, werden einzelne Elemente ausgetauscht, wird der Korrosionsschutz aufgefrischt.

„Es bietet sich ja an, dass wir bei Stillstand viele Kleinigkeiten erledigen können”, sagt Fahrsteiger Dietmar Löhmann. Jeder Bagger hat zudem seine Eigenarten, denn baugleiche Stahlgiganten gibt es im Tagebau Inden nicht. Nummer 282 dreht sich zum Beispiel hydraulisch, während die anderen sich für Drehungen auf ein kugelgelagertes Gelenk berufen.

Viele Arbeiten erledigt RWE Power in Eigenregie. So werden die Schaufelräder inzwischen selbst hergestellt. Dies ist technisch sehr anspruchsvoll, schließlich sollen die Räder aus besonders strapazierfähigem Feinkornstahl bis zu 25 Jahre halten. Bei bestimmten Gewerken ist das Unternehmen aber nach wie vor auf fremde Hilfe angewiesen. Das aufwändige Gerüst für die Anbringung der Schallschutzkapsel errichtete zum Beispiel eine Fachfirma.

In unmittelbarer Nähe zum Bagger wird Absetzer 753 instandgesetzt - für satte 2,5 Millionen Euro. Nicht immer ist der Austausch von verschlissenen Teilen alleiniger Grund einer Revision. „Wir wollen die Belastung für die Menschen in unserer Nähe verringern und werden dafür alles technisch Sinnvolle unternehmen”, betont Bernhard Wilke.

Er verspricht sich von der Schallschutzkapsel eine enorme Lärmminderung. Die Bandstraßen sind inzwischen ebenfalls leiser, weil leichtlaufende Rollen eingesetzt werden. Zudem werde der Tagebau regelmäßig berieselt, um die Staubbelastung zu senken. Auch das seien wichtige Aspekte neben der Kohleproduktion.

2447 Pferdestärken treiben das Schaufelrad an

Fünf Bagger und vier Absetzer befinden sich im Tagebau Inden. Der Bagger 282, der im Moment auf Herz und Nieren geprüft und mit einer Schallschutzkapsel ausgestattet wird, ist 62 Meter hoch und 192 Meter lang. Das Schaufelrad, das 17 Meter Durchmesser hat, ist mit zehn Schaufeln besetzt. Eine Schaufel fasst 4,5 Kubikmeter.

Mit der Geschwindigkeit von 3,5 Umdrehungen pro Minute fördert der Bagger so 110 000 Kubikmeter Abraum oder Kohle täglich. Dies entspricht in etwa dem Volumen eines Fußballstadions mit 15 Metern Höhe. Um das Schaufelrad anzutreiben, ist eine ausgeklügelte Technik und viel Kraft notwendig: 2447 Pferdestärken drehen den Stahlkoloss.

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