Ausstellung des polnischen Professors Leslaw Tetla auf Schloss Burgau

Ausstellung „Modul Stadt“: Kommunismus in der Architektur

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
15837992.jpg
Professor Leslaw Tetla (r.) hat gemeinsam mit Bürgermeister Paul Larue und der Vorsitzenden des städtischen Kulturausschusses, Verena Schloemer, die Ausstellung „Modul Stadt“ eröffnet. Foto: bel

Niederau. Wenn Besucher Ausstellungen besuchen, erwarten sie Gemälde und Skulpturen, leicht erkennbar in ihren Linien und Farben. Eine Blume ist eine Blume, ein Haus ist ein Haus, in der Regel als spezielle Blume oder ein typisches Haus zu unterscheiden.

Ist der Betrachter in der Region, der Stadt oder dem Dorf bekannt, weiß er das bestimmte Haus einem bestimmten Besitzer und Bewohner zuzuordnen. Die Häuser und Wohnungen sind wie ihre Bewohner Individuen.

In totalitären Systemen stimmt das so nicht. Professor Leslaw Tetla, Dekan der „Fakultät für Kunst“ an der „Akademie der schönen Künste“ in Katowice (Polen), gelernter Architekt, hat die ehemaligen kommunistischen Regime im Osten Europas unter die Lupe genommen. Im gesamten ehemaligen Einflussbereich der Sowjetunion (UdSSR) hatten auch Architekten und Bauherrn das Ziel, Menschen gleichzuschalten. Der Einzelne, das Individuum, durfte nicht mehr als unterscheidbare Person wahrgenommen werden.

Die Folge: Häuser und Wohnungen, in der Ausstellung Module genannt, wurden gleich gebaut, die Fassaden waren grau, nicht mehr zu erkennen als die Fassade, hinter der Familie Müller wohnte. Viele Deutsche kennen solche Architektur aus der Zeit der Plattenbauten in der ehemaligen DDR. Man baute keine Wohnungen für Menschen, für Familien, sondern für das Kollektiv und das Vaterland.

An den Wänden der Hauptburg von Schloss Burgau stellt der polnische Künstler Leslaw Tetla seine Sicht der Dinge dar. Von mittelgroßen, großen und riesigen Ölgemälden starren den Besucher Häuserfassaden an. Hinter unzähligen Rechtecken sind Wohnungen verborgen. Kleine Unterschiede in der grau-schwarzen Farbgebung lassen vermuten, dass in bestimmten Fällen noch nicht alle Bewohner in den Wohnblöcken gleichgeschaltet sind. Durch irgendetwas sind die Einzelpersonen und die Familien noch unterscheidbar. Wenige Wohneinheiten kommen bunter daher, möglicherweise die Unterkünfte der sozialistischen Elite.

„Ich holte diese Objekte aus meiner unmittelbaren Umgebung heraus“, erklärte Leslaw Tetla, „um diese bedrückende Atmosphäre in einer gleichgeschalteten Gesellschaft zu entlarven.“ Es war eine Ideologie, ergänzte der Künstler, die das Individuum Mensch beherrschen wollte. Die Geschichte musste verwischt sowie die uniforme Behandlung des Raumes in der städtischen und architektonischen Ordnung vorangetrieben werden.

Die Vision Tetlas ist eine ideale Stadt, bewohnt von Individuen. Wohnungen werden zu sozialen Modulen, zu individuellen Wohneinheiten. Fremde Menschen werden in diesem idealen Wohnort zukünftig nicht mehr ausgegrenzt. Fremdenhass und Fremdenfurcht schlagen um ins „Miteinanderleben“ in Kreativität. Doch leider, so beschreibt es der Künstler, scheint der „Homo Sovieticus“ immer noch in vielen Köpfen verwurzelt zu sein. „Das Graue ist wieder da“, übersetzte es Adam Kempinski aus Kreuzau, „schauen wir nach Ungarn, Polen oder auch in die USA, wo überall der Populismus aufkeimt, um jetzt von rechts das Individuum auszuschalten.“

Eröffnet wurde die Ausstellung „Modul Stadt“ von Bürgermeister Paul Larue, der 2012 die Stadt Katowice und ihr Theater mit der Theatergruppe „Ernas Erben“ besucht hatte. Bei dieser Gelegenheit begegnete er Professor Leslaw Tetla und lud ihn nach Düren ein, um hier eine Ausstellung zu organisieren. Diese ist für Interessierte noch bis ins kommende Jahr, 7. Januar, mittwochs und samstags von 14 bis 18 Uhr, sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr auf Schloss Burgau zu sehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert