Ausstellung beschäftigt sich mit der Zerstörung Dürens

Von: Sandra Kinkel
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Heinrich Brauweiler, Fred Oepen und Anna Krings (v. l.) vom Stadtmuseum haben die neue Ausstellung vorbereitet. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Angriff überstanden. Leben alle. Marianne.“ Ein Telegramm mit diesen kurzen Worten ist am 20. November 1944 um 17.20 Uhr von Düren aus verschickt worden. Und eine Fotokopie eben dieses Telegramms ist Teil einer neuer Ausstellung, die am Sonntag im Stadtmuseum Düren eröffnet worden ist.

Anlässlich des 70. Jahrestages der Zerstörung Dürens beschäftigt sich das Stadtmuseum zum ersten Mal seit seiner Gründung mit dem 16. November 1944. 474 britische Flugzeuge, 5477 Sprengbomben, 148.989 Brandbomben, wahrscheinlich 3126 Tote. Das ist die verheerende Bilanz des Angriffs auf Düren vom 16. November 1944 – einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Stadt. „Der 16. November 1944 bewegt die Menschen in Düren immer noch sehr“, sagt Anna Krings, Kunsthistorikerin und im Augenblick Volontärin im Stadtmuseum Düren. „Vor allem auch jüngere Menschen. Wir haben schon jetzt jede Menge Anmeldungen von Schulklassen, die sich speziell die Exponate vom 16. November ansehen möchten.“

Gezeigt werden im Stadtmuseum Schautafeln, die 2008 vom Stadtarchiv und der Volkshochschule konzipiert wurden. Die Vorkriegszeit ist zu sehen, die Zerstörung, aber auch der Wiederaufbau und die gegenwärtige Zeit. Anhand von Texten und vor allem Fotos wird dieser Zeitabschnitt Dürens nachgezeichnet. Darüber hinaus sind Filmaufnahmen von Richard Bollig zu sehen, der 1947 mit seiner Kamera durch das zerstörte Düren gelaufen ist, außerdem gibt es Zeitzeugenberichte zu lesen. „Wir sind froh“, sagt Anne Krings, „dass wir auch Beschreibungen von Dr. Karl Jarres vom Dezember 1944 hier haben.“ Dr. Jarres war Mitarbeiter eines Dürener Unternehmens. Krings: „Seine Berichte sind schon weniger emotionaler und etwas gefasster als die der Zeitzeugen.“

Sehr eindrucksvoll sind auch Teile eines Silbergeschirrs, die den Angriff im Tresor der Dürener Bank überstanden haben – mit starken Beschädigungen. Anne Krings: „Die Teller und Platten sind zum Teil angeschmolzen. Während des Bombenangriffs muss es zum Teil Temperaturen von bis zu 900 Grad gegeben haben.“ Sehr ergreifend ist eine Mappe mit Todesbescheinigungen derer, die während der „Operation Queen“, wie der Angriff auf Düren, Jülich und Heinsberg am 16. November von den Alliierten genannt wurde, in Düren ums Leben gekommen sind. „Wenn man die Todesursachen liest, wird es einem anders“, sagt Anne Krings. „Schädelbrüche, Verbrennungen – das liest sich ganz schrecklich.“

Gezeigt werden in der Ausstellung auch Bombenspiltter, die an der Binsfelder Straße gefunden worden sind, Munition, britische Zünder, Mienen und Gewehrgranaten. „Die Dürener interessieren sich sehr für dieses Thema“, sagt Heinrich Brauweiler. „Mir geht es ja genauso, obwohl ich erst drei Jahre nach dem Angriff geboren wurde.“ Es bleibe abzuwarten, ergänzt Anna Krings, ob sich die Auseinandersetzung mit dem 16. November ändern werde. „Irgendwann gibt es keine Zeitzeugen mehr. Und dann ist der 16. November 1944 für die Dürener vielleicht weniger emotional.“

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