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Aus Liebe zum Detail: Josef Winthagen bastelt am alten Düren

Von: Ingo Latotzki
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Josef Winthagen mit seinem Mo
Josef Winthagen mit seinem Modell des alten Wasserturms, der auf dem heutigen Friedrich-Ebert-Platz stand. Foto: Ingo Latotzki

Düren. In seiner Familie heißt es schon mal: „Du musst warten, bis der Onkel Josef kommt, der repariert das.” Damit ist eine Menge gesagt über Josef Winthagen, 79, Rölsdorfer - und detailverliebter Bastler. Der Mann ist überdies engagierter Hobby-Historiker.

All das zusammen hat dazu geführt, dass das Dürener Stadtmuseum an der Arnoldsweilerstraße mittlerweile mehrere Modelle von ihm ausstellt, die das alte Düren zeigen.

Sein jüngstes Werk ist der alte Wasserturm, der auf dem heutigen Friedrich-Ebert-Platz gestanden hat. Der Turm wurde 1909 erbaut und im Krieg von Deutschen auf ihrem Rückzug selbst zerstört. Es war eine imposante Anlage, die es auch Josef Winthagen angetan hat. Er kennt sie noch aus eigener Anschauung. Der Krieg ist mit ein Grund, weshalb sich der ehemalige Schlosser so sehr für seine Heimatstadt interessiert - dazu kommt eine „große Dankbarkeit”, wie er erzählt.

Es trug sich zu am 16. November 1944, der Tag, an dem Düren komplett zerstört wurde. Josef Winthagen lebte damals in Derichsweiler und wollte eigentlich am Nachmittag dieses 16. November auf einem Wagen in die Innenstadt fahren. Im letzten Moment sprang er ab, weil seine Mutter ihn rief. Möglichweise ist er damit seinem Tod entgangen. Der Freund nämlich, der mit auf dem Wagen saß, überlebte den Tag nicht.

Winthagen will das Düren vor dem Krieg zeigen. Seine bekannteste Arbeit nimmt viel Raum ein im Stadtmuseum und zeigt den Kern der Stadt nach dem berühmten Plan von Wenzel Hollar aus dem Jahr 1634. Akribisch hat der Pensionär alles nachgebaut - und das Wörtchen alles ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen. Alle 763 Gebäude, die damals noch von der Stadtmauer mit ihren Toren und Wehrtürmen umgeben waren, sind exakt nachgebaut.

Für einzelne Türen und Fenster hat Winthagen einen ganzen Tag gebraucht. Insgesamt hat er „nachweisbar 1500 Stunden am Dürener Stadtkern gearbeitet”, sagt er. Nicht ganz so lange dauerte es, bis der Wasserturm fertig war. „Aber auch hier stimmt jedes Detail”, sagt Winthagen, der außerdem zahlreiche alte Häuser am Dürener Markt und - gleich drei Mal - das Stiftische Gymnasium nachgebaut hat. Drei Mal deshalb, weil die Dürener Traditionsschule an drei verschiedenen Standorten in Düren ihren Platz hatte.

Warum er mit den Modellen angefangen hat? „Aus Langeweile”, sagt er. „Ich muss immer etwas zu tun haben.” Deshalb ist seine Garage auch Bastelstube. „Als Erstes habe ich unser eigenes Haus nachgebaut”, sagt Winthagen. Mit allem Drum und Dran. Also mit Möbeln und Wänden, die mit Tapeten verziert sind. Wenn schon, denn schon. Holz ist sein bevorzugtes Material und dass seine Modelle maßstabgerecht nachgebaut sind, versteht sich von selbst. Meist nimmt der Rölsdorfer Fotos und Postkarten als Vorlage.

Was er als nächstes in Angriff nehmen wird, weiß er noch nicht. Aber er weiß das: Sein Modell vom Dürener Stadtkern nach Wenzel Hollar ist unverkäuflich. Irgendwann hat ihm jemand 10 000 Euro geboten. Winthagen hat abgewunken. Er ist wohl zu sehr Idealist und an der Sache interessiert. Dürens Geschichte ist sein Ding, früher, heute und in Zukunft.
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