Aus Juristen werden Experten für das Leben der Uhus

Von: mv
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Große Augen, scharfe Krallen: ein junger Uhu. Foto: dpa

Heimbach/Aachen. Die Stadt Heimbach wird berühmt, das ist jetzt sicher. Zumindest, wenn es nach der Zahl der TV-Teams geht, die sich am Dienstag im Aachener Verwaltungsgericht einfanden, als über ein 900 Meter langes Stück Straße zwischen Blens und Hausen diskutiert wurde und über die Frage, ob dort wegen der Uhus 70 km/h oder nur 50 km/h gefahren werden dürfen.

Private TV-Sender und öffentlich-rechtliche waren vertreten, dazu Presseagenturen und Rundfunksender, die interviewten und filmten, was das Zeug hielt. Umweltschützer und Juristen hatten auf den Zuschauerbänken Platz genommen und auch der Chef des Dürener Amtsgerichts, Ulrich Conzen, wollte sich die Verhandlung nicht entgehen lassen. Kein Wunder, dass die Klägerin sich von ihrem Anwalt, Dr. Wolfgang Beyer, vetreten ließ. So ein Blitzlichtgewitter ist nicht jedermanns Sache.

Bei der Verhandlung unter Vorsitz des Präsidenten des Verwaltungsgerichts, Professor Dr. Herbert Limpens, kam man sich vor wie in einem Biologie-Hochschulseminar über Uhus. Das Verhalten der Uhu-Familien wurde hin- und herdiskutiert. Was treiben Uhus nachts, was tagsüber, was fressen sie? Wie tief fliegen sie, allein und mit einem Kaninchen als Beute? Sind es geschickte, wendige Vögel? Nein, es sind schwerfällige Großeulen, in den 1920er Jahre so gut wie ausgestorben, jetzt immer noch vom Aussterben bedroht. Klar wurde, dass die Uhus durchaus gern tief über Straßen hinwegfliegen, besonders der Nachwuchs der Uhu-Familie macht das oft.

Jede Kleinigkeit wurde bedacht, alles zu den Akten genommen, in die sogar der Fahrplan der Rurtalbahn schon Eingang gefunden hatte. Die Bahn fährt nämlich da, wo Autos nur 50 km/h erlaubt sind, satte 60 km/h. So sah es phasenweise so aus, als drohten jetzt auch der Rurtalbahn Probleme.

Der Vorsitzende hat oft mit Menschen zu tun, die das Langsamfahren gerichtlich durchsetzen wollen. Und die sich dann auf die Heimbacher Uhus berufen, so Limpens, nach dem Motto: Auf die Uhus nimmt man Rücksicht, auf die Fußgänger nicht. Menschen und Tiere werde er nicht gegeneinander aufwiegen, machte Limpens klar. Als schließlich ein unabhängiger Sachverständiger von einem Düsseldorfer Institut seine Einschätzung abgab, bekamen die Uhufreunde endgültig Oberwasser. Denn der Sachverständige sah die Uhus in so großer, permanenter Gefahr durch Autos, Schienenverkehr, Hochspannungsleitungen und Kletterer, dass sich der Anwalt der Klägerin zu der polemischen Bemerkung hinreißen ließ: Der beste Tierschutz sei wohl der kollektive Selbstmord der Menschheit.

Der ultramoderne Starenkasten spielte übrigens nur eine Nebenrolle. Der müsste ja lediglich umgeschaltet werden, wenn die Tempo-50-Regelung rechtswidrig wäre.
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